USA: Schmutziger Kampf gegen die freie Presse

Donald Trump
Foto: AP/Evan Vucci Donald Trump auf Distanz zu den Journalisten

Eine Frau wollte die Washington Post in eine Falle locken – und Trump twittert wieder.

Es wäre ein gewaltiger Schaden für die Medienbranche gewesen. Und ein gefundenes Fressen für all jene, die den sogenannten "Mainstream-Medien" sogenannte "Fake News" vorwerfen. Die renommierte Washington Post, eine der zwei großen Zeitungen Amerikas, sollte in eine fatale Falle gelockt werden: Eine Frau ist an die Zeitung herangetreten und hat angegeben, ein weiteres Opfer von Roy Moore zu sein, jenes Republikaners also, dem mehrere Frauen zuletzt sexuelle Belästigung vorgeworfen haben. Sie sei, noch als Teenager, von ihm schwanger geworden, erzählte die Frau.

Eine Lüge. Sie kam von einer rechten Organisation, dem sogenannten Project Veritas, das sich darauf spezialisiert hat, eine angebliche mediale Schlagseite gegen die Republikaner und die weiter rechts stehenden Gruppierungen aufzuzeigen. Sie wollte die Journalisten reinlegen, scheiterte aber an der Sorgfalt der Zeitung: Die Frau habe sich bei mehreren Gesprächen zunehmend in Widersprüche verwickelt, ließ die Washington Post wissen. Deshalb ließ man die Geschichte liegen.

Aufgeheizt

Der so aufwendige wie unheimliche Versuch, die Post zu diskreditieren, zeigt, wie aufgeheizt die Stimmung in den USA gegen die seriösen Medien ist. Angestachelt wird dies insbesondere auch durch den Präsidenten. Der lieferte am Wochenende etwas bisher Unerhörtes: Er schlug, wie so oft in einem Tweet, einen neuen Wettbewerb um eine "Fake-News-Trophäe" vor, für jenen Sender, der "am unehrlichsten, korruptesten oder verzerrtesten" über Politik berichte.

Und er nahm dabei explizit den Trump-freundlichen Sender Fox News aus – nur um hingegen CNN dezidiert zu kritisieren: Der Nachrichtensender repräsentiere "unsere Nation sehr schlecht in der Welt", so Trump.

CNN schoss scharf zurück: "Unser Job ist es nicht, die USA in der Welt zu repräsentieren. Das ist Ihr Job."

Der neuerliche und verschärfte Angriff Trumps auf die Medien rief Unglauben und scharfe Kritik auch aus dem Washingtoner Establishment hervor. Michael Hayden, ehemals Direktor des CIA und der NSA und damit wahrlich keiner, der Hierarchien leichtfertig missachtet, bezeichnete die Anwürfe Trumps als "empörenden Angriff auf die Wahrheit, die freie Presse und den ersten Verfassungszusatz", der u. a. die Pressefreiheit regelt.

Hand in Hand mit Putin

Trump gibt damit auch seinem russischen Amtskollegen Argumentationshilfe: Wladimir Putin will ja internationale Medien zwingen, sich einem Registrierungsprozess zu unterwerfen. Eine Ablehnung für CNN etwa fällt natürlich leichter, wenn man sich auf den US-Präsidenten berufen kann.

Doch ein drückenderes Problem für die US-Medien (und nicht nur die) ist der Rachfeldzug jener heimischen Gruppierungen, die sich von der Presse bevormundet oder an den Rand gedrückt fanden. Und nun, bestärkt durch das direkt zu erreichende neue Massenpublikum im Internet, ihre Weltsicht mitsamt ihrer schweren Schlagseite veröffentlichen können. Und zu schmutzigen Mitteln greifen, um unliebsame Medien zu diskreditieren.

(kurier) Erstellt am
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