Kultur
15.05.2018

US-Schriftsteller Tom Wolfe gestorben

Der US-Schriftsteller Tom Wolfe ist tot. Der Autor des Weltbestsellers "Fegefeuer der Eitelkeiten" starb im Alter von 88 Jahren.

Man erkannte ihn stets an seinen weißen Maßanzügen und den extravaganten Schuhen. Im Habitus des klassischen Dandys versuchte Tom Wolfe gar nicht erst, sich unauffällig in die Welten, die er beschreiben wollte, einzuschleichen. Dafür beobachtete er sie mit unerschöpflicher Neugier und Detailversessenheit, oft über Jahre hinweg – das Ergebnis waren dicke, dichte Bücher, die viele liebten und einige auch ein wenig überheblich fanden.

Am Dienstag ist Tom Wolfe, der Schriftsteller und Mitbegründer des „New Journalism“, im Alter von 88 Jahren in New York gestorben. Laut seiner Agentin war er wegen einer Infektion ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Wie wenige andere Autoren erfasste Wolfe den Zeitgeist der US-Kultur, was ihm zeitweise den Beinamen des „Pop-Journalisten“ einbrachte. Tatsächlich war Wolfes Generation von der Idee beseelt, den großen, allumfassenden Amerika-Roman zu schreiben, doch der aus Richmond/Virginia stammende Sohn aus reichem Haus fand rein literarische Vorstellungskraft als unzureichend für die Realität seiner Zeit. Wolfes „New Journalism“ war ein Hybrid aus roman-typischen Dialogen und exakten journalistischen Beobachtungen. Bis 1981 war die Reportage auch Wolfes vorrangiges Medium – erst   mit „Fegefeuer der Eitelkeiten“ (1987) legte er sein Roman-Debüt vor. Wolfes mitunter exzessive Detailverliebtheit  fand  sich aber auch in diesem Buch –   1990   mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmt – wieder.

Ob im Hippie-Bus von LSD-Guru Ken Kesey („The Electric Kool-Aid Acid Test“, 1968), unter statusbesessenen Yuppies („Fegefeuer der Eitelkeiten“), in der hypersexualisierten College-Kultur („Ich bin Charlotte Simmons“, 2004) oder im von Migranten und Neureichen geprägten Miami („Back to Blood“, 2012) – stets ließ Wolfe soziale Klassen und Lebensstile frontal aufeinanderprallen. Aus dieser Vorgehensweise, die häufig mit jener von Charles Dickens verglichen wurde, ergab sich die Energie und Leuchtkraft seines Werks. Am Ziel stand stets ein umfassendes Porträt  einer ganzen Gesellschaft und ihrer Protagonisten. Ein Platz im Olymp der US-Literatur ist Tom Wolfe in jedem Fall gewiss.