A 50th Anniversary screening for "The Godfather" in Los Angeles

© REUTERS / AUDE GUERRUCCI

Kultur

Unsterblicher Klassiker der Filmgeschichte: "Der Pate" wird 50

Vor einem halben Jahrhundert machte Francis Ford Coppola dem Kinopublikum ein Angebot, das es nicht ablehnen konnte.

03/10/2022, 08:48 AM

Die Entstehungsgeschichte des Filmklassikers "Der Pate" ist turbulent. Regisseur Francis Ford Coppola stand mehrfach kurz vor dem Rauswurf. Und wenn es nach den Verantwortlichen bei Paramount Pictures gegangen wÀre, hÀtten die Stars Marlon Brando und Al Pacino gar nicht erst vor der Kamera gestanden. Doch Coppola kÀmpfte um seinen Job und seine Darsteller. Das Mafia-Epos um den New Yorker Boss Don Vito Corleone und seine Familie feierte am 14. MÀrz 1972 seine Weltpremiere.

Tage spĂ€ter kam der hochkarĂ€tig besetzte, fast drei Stunden lange Film in die Kinos - und wurde dann schnell zum Kassenschlager. Die berĂŒhmte Titelmusik von Nino Rota kennt heute jeder. Genauso den legendĂ€ren Spruch von Marlon Brando als Don Corleone: "Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann." 1974 und 1990 folgten zwei Fortsetzungen.

"Ziemlich schockierend, oder?"

"50 Jahre! Das ist ziemlich schockierend, oder?", sagt Schauspielerin Talia Shire im Zoom-GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur in London. "Es ist unglaublich und wunderbar." Im Film spielt Shire die Tochter des Paten. Im wahren Leben ist die 75-JĂ€hrige außerdem Coppolas Schwester und erinnert sich an "eine schwierige Zeit" fĂŒr den Regisseur. "Die ersten zwei Wochen gab es Streit. Es war hart", erzĂ€hlt Shire.

A 50th Anniversary screening for "The Godfather" in Los Angeles

Um Kosten zu sparen, wollte Paramount weder, dass der Film - wie Mario Puzos Romanvorlage - in den 40er Jahren spielt, noch dass er in New York gedreht wird. "Es war chaotisch", sagt Shire. "Francis musste um seinen Job kÀmpfen." Einige Crewmitglieder forderten demnach den Rauswurf des jungen Regisseurs, doch Coppola konnte sich durchsetzen.

"Alptraum"-Dreharbeiten

Wenn der Regisseur heute von den Dreharbeiten spricht, fĂ€llt hĂ€ufig das Wort "Alptraum". Bei seiner Schwester, die als Connie ihre erste große Rolle spielte, ĂŒberwiegen positive Erinnerungen. "Mario Puzo ist nicht mehr unter uns, aber er und Francis sind sehr gute Freunde geworden. Man merkte, dass da etwas Beeindruckendes entstand", sagt sie. "Außerdem muss ich es als Schauspielerin einfach sagen: dass Marlon Brando dabei war, wow, das hat mich mit Ehrfurcht erfĂŒllt."

Brando, der mit 47 den 65-jĂ€hrigen Don Vito spielte, war ursprĂŒnglich nur die zweite Wahl. Wunschkandidat Laurence Olivier hatte abgesagt. Die Studiobosse waren gegen Brando. Weil sein letzter Film gefloppt war, galt er als Kassengift. Obendrein sei er angeblich schwierig im Umgang. Shire widerspricht vehement. "Es war ein Wunder", sagt sie. "Er war der professionellste, am besten vorbereitete und am meisten fokussierte Schauspieler, und das war eine Inspiration fĂŒr uns alle." Mit viel Make-up und Maske wurde Brando zum Paten. Und schon die erste Probeaufnahme ĂŒberzeugte auch die skeptischen Studiobosse.

Von der Hochzeitsszene und dem Tanz von Connie und Don Vito schwĂ€rmt Talia Shire im dpa-GesprĂ€ch immer noch. "Ich konnte nicht glauben, dass er mit mir tanzt", sagt sie ĂŒber ihren Filmvater. "Und ich bin eine miese TĂ€nzerin, okay? Aber er hat mich einfach gleiten lassen." Statt der geplanten drei Tage dauerte der Dreh der Feier zwei Wochen, in denen Shire tĂ€glich das Brautkleid trug. "Ich musste aufpassen, dass ich mein Gewicht halte, damit ich reinpasse." Sie lacht. "Jeder Schauspieler hat die Sorge: Passe ich morgen noch in mein KostĂŒm?"

Weil Coppola erst wenig begeistert davon war, dass seine damals noch etwas unerfahrene Schwester Talia mitspielen wollte, nahm sie ganz normal am Casting teil. "Wenn ich heute 50 Jahre zurĂŒckblicke, hĂ€tte ich mich auch nicht eingestellt", scherzt die Schauspielerin, die anschließend als Adrian in den "Rocky"-Filmen weltberĂŒhmt wurde.

Star-Parade

Daneben spielten in "Der Pate" zahlreiche weitere Stars der 70er Jahre mit - und solche, die es werden sollten: Al Pacino als Don Vitos Sohn Michael, Diane Keaton als Michaels Freundin, Robert Duvall als loyaler Familienanwalt Tom Hagen, James Caan als aufbrausender Sonny, John Cazale als ĂŒberforderter Fredo oder SchmusesĂ€nger Al Martino, der einen Showstar spielt, dessen Ruhm verblasst ist.

FĂŒr Francis Ford Coppola brachte "Der Pate" gigantischen Ruhm. Dabei hatte er den Regiejob nach eigener Aussage gar nicht gewollt und nur zugesagt, weil ihn Geldsorgen plagten und er seine Familie ernĂ€hren musste. Seine Tochter Sofia Coppola, heute selbst eine etablierte Regisseurin ("Lost In Translation"), wurde wĂ€hrend der Dreharbeiten geboren und ist als Baby in einer Szene des Films zu sehen.

Als "Der Pate" endlich fertig war, musste sich Francis Ford Coppola anfangs anhören, sein Film sei "langweilig" und "zu lang". Talia Shire hingegen will sofort erkannt haben, dass ihrem Bruder ein Meisterwerk gelungen war. "Man wusste einfach, dass es großartig werden wĂŒrde", sagt sie und schwĂ€rmt: "Er ist ein kreatives Genie."

Bester Film

"Der Pate" erhielt den wichtigen Oscar als Bester Film und einen fĂŒr das Beste Adaptierte Drehbuch. Zudem wurde Marlon Brando als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Die Annahme seines Oscars verweigerte er aus Protest gegen die Behandlung indigener Amerikaner in der Filmindustrie. Insgesamt war der Film elfmal nominiert, darunter dreimal in der Kategorie Bester Nebendarsteller (Caan, Duvall und Pacino). Die Nominierung fĂŒr Nino Rotas Filmmusik wurde allerdings spĂ€ter zurĂŒckgezogen, als bekannt wurde, dass der Komponist die ikonische Titelmelodie schon 1958 fĂŒr den Film "Fortunella" verwendet hatte. Rota bekam zwei Jahre spĂ€ter einen Oscar fĂŒr "Der Pate II".

Die strapaziösen Dreharbeiten hatten sich also gelohnt, und Francis Ford Coppolas HartnĂ€ckigkeit zahlte sich fĂŒr alle Beteiligten aus. Talia Shire glaubt, dass die Mafia-Trilogie, die zum JubilĂ€um von "Der Pate" in ausgewĂ€hlten Kinos lĂ€uft und in einer neuen Box mit allen drei Teilen auf DVD und Blu-Ray erscheint, auch in Zukunft nichts von ihrer PopularitĂ€t einbĂŒĂŸen wird. "Ich erwarte, dass es auch zum 100. und zum 150. JubilĂ€um eine Feier geben wird", sagt Shire, "denn es ist ein Kunstwerk, und es ĂŒberdauert die Zeit."

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