Kultur
31.08.2017

"United States of Love": Unbarmherzig zu Leibe rücken und bloßstellen

Silberner Bär für tristes Drehbuch.

Vier Frauen, vier Geschichten, verbunden durch die Tristesse ihrer Schicksale. Zwar geht es in den Episoden um Liebe, aber der in fahlen Farben gehaltene Film zeigt Frauen in Polen, die kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auf ein besseres Dasein westlicher Lebensart hoffen, aber unrealistische Wunschträume hegen oder an die falschen Männer geraten. Das harte Leben hat die Protagonistinnen nicht nur äußerlich, sondern auch psychisch deformiert: Sie sind frigide, devot, neurotisch und vor allem voller Angst vor der Zukunft, die durch die Öffnung immer bedrohlicher zu werden scheint. Kein Wunder, dass jede einzelne der Geschichten ein böses Ende nehmen wird. Bemerkenswert ist vor allem die Unbarmherzigkeit, mit der der Film Leib und Leben seiner Protagonistinnen bloßstellt – und zwar in jeder Beziehung. Manche Szenen erinnern sogar an einen schmutzigen Mainstream-Porno. Und dazu über allem der zynische Titel: " United States of Love". Das Drehbuch wurde auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet – eine faszinierende Zumutung.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: PL 2016. 106 Min. Von Tomasz Wasilewski . Mit Julia Kijowska, Magdalena Cielecka.

KURIER-Wertung: