Kultur
10.10.2018

Ulrike Sych kämpft gegen „Machtmissbrauch an jungen Menschen“

Die Rektorin steht dazu, einen Cellisten entlassen zu haben. Dieser klagte. Hier der Bericht des zweiten Prozesstages.

Die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien feuerte, wie berichtet, Mitte April „zum Schutz der Studierenden“ einen Professor, der seine Position „gröblich missbraucht“ habe. Doch dieser klagte gegen die Entlassung.

Am Mittwoch begann am Arbeits- und Sozialgericht um 9 Uhr die zweite Tagsatzung. Der grau melierte Kläger, vertreten von Michael Herzer und Maria Schedle, erschien mit seinem Cello.

Richterin Brigitte Erhart fragte zunächst, ob eine einvernehmliche Lösung denkbar wäre. mdw-Rektorin Ulrike Sych lehnte ab: „Machtmissbrauch an jungen Menschen kann ich nicht tolerieren.“ Auch der Musiker wollte nicht abrücken. Er sei gekündigt worden, weil er im März 2017 „kritische Äußerungen“ getätigt habe. Die Richterin schien von der zeitlichen Nähe der zwei Ereignisse wenig beeindruckt. Und sie warnte den Kläger, dass im Urteil möglicherweise etwas stehen könne, das er lieber nicht drinnen hätte.

Säumig mit Fakten

Erhart war sogar erzürnt. Denn der Kläger hatte nicht, wie für die Einschätzung der sozialen Situation erforderlich, seine Einkommensverhältnisse klar dargelegt. Sie bezweifelte, dass der Philharmoniker, der aufgrund der Vorwürfe von der Staatsoper bis Mitte September dienstfrei gestellt war, so gut wie nichts verdiente. Denn mdw-Anwalt Christoph Wolf warf ein, dass der Musiker das Grundgehalt bezogen habe.

Und auch die Richterin vermutete, dass es Nebeneinkünfte (z. B. Tantiemen) und Vermögen (z. B. Eigenheim) geben müsse. Die Anwälte des Klägers versprachen, die Fakten nachzuliefern. Sie führten ins Treffen, dass die Staatsoper die Vorwürfe untersucht habe – und den Cellisten exkulpierte. Die Richterin hielt dagegen, dass es im Prozess um Ereignisse in der Uni gehe – und nicht um jene in der Staatsoper.

Die Anwälte blitzten zudem mit dem Begehren ab, die eben eingebrachte Forderung nach Kündigungsentschädigung (samt Zinsen etwa 42.000 Euro) vorzuziehen. Denn draußen warteten die jungen Männer, die über ihre Erfahrungen mit ihrem Lehrer aussagen wollten. Erhart bat den Musiker, den Saal zu verlassen. Der erste erzählte, dass der Cellist, ein Landsmann, ihn nach dem Vorspiel zu einer „Meisterklasse nach Salzburg“ eingeladen habe. Was dann passierte? Zum Schutz der Privatsphäre etwaiger Opfer schloss Erhart die Öffentlichkeit aus. Fortsetzung am Freitag.