© Chris Christodoulou

Kritik
08/29/2021

Grafenegg: Ein Fest des Musizierens mit einem phänomenalen Solisten

Die Tschechische Philharmonie mit Buchbinder und Bychkov in Grafenegg (Von Susanne Zobl).

Der Wolkenturm in Grafenegg blieb am Donnerstag und Freitag leer, doch nur wetterbedingt. Dass man bei den beiden Konzerten der Tschechischen Philharmonie auf die pittoreske Naturkulisse verzichten musste, war bald vergessen, als Chefdirigent Semyon Bychkov mit dem „Mysterium der Zeit“ von Miloslav Kabelac den Auftakt für die beiden Gastspielkonzerte gab.

Kabelac? Nie gehört? Kein Wunder. Der 1908 in Prag geborene Tonsetzer wurde Zeit seines Lebens ob seiner avantgardistischen Musik verschwiegen, erst von den Nazis, dann von den Kommunisten. Bychkovs Interpretation seiner „Passacaglia für großes Orchester“ geriet zum aufregenden Plädoyer, ihn öfter zu spielen. Das Opus 31 zog mit seinen wogenden Klangflächen, meditativen ineinander übergehenden Passagen, seinen Anklängen an Schostakowitsch ganz in den Bann seines Schöpfers.

Glücksfall

Was für ein Glücksfall Semyon Byckov für dieses Orchester ist, war bei der fünften Symphonie von Gustav Mahler zu hören. Seit 2018 ist er Chefdirigent der Tschechen, ein genialer Gestalter stand da am Pult, der Mahlers Symphonie in jedem Winkel ausleuchtete – man merkte die intensive Beschäftigung mit dem Komponisten, derzeit spielt Bychkov mit seinem Orchester alle Symphonien von Mahler ein. Faszinierend die Tempoführung beim „Trauermarsch“, eine eigene Dynamik brach sich da Bahn, und das „Adagietto“ hört man selten so weich.

Mit dem zweiten Klavierkonzert von Johannes Brahms in B-Dur (op. 83) mit Rudolf Buchbinder als Solisten folgte das nächste Ereignis. Dieses Werk fordert vom Pianisten alles, aber es bietet ihm keine eingängigen Soli, bei denen er leicht „abräumen“ kann. Ein Horn-Solo gibt den Auftakt, das Klavier stimmt ein. Brillant schon die ersten Kadenzen, Buchbinder war Kraftzentrum und virtuose Schaltstelle zwischen den kammermusikalischen Momenten und symphonischem Vollklang. Atemberaubend diese Läufe und die Kantabilität am Flügel.

Ganz in ihrem Element waren die Musikerinnen und Musiker bei Antonin Dvoráks achter Symphonie in G-Dur (op. 88). Das war echter Originalklang. Bychkov zelebrierte den weichen Klang, der sein Orchester auszeichnet, das sich aber stets eine gewisse Bodenhaftung bewahrte, auch bei den wogenden Tonmalereien, die zum Schwelgen einluden. Nicht genug kann man die musikantischen Qualitäten dieses Orchesters schätzen. Sehr gut die Holz- und die Blech-Bläser, einnehmend der sanfte Streicherklang, famos, das kurze Konzertmeistersolo. So hört man Dvorák gern. Jubel.

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