Tricia Tuttle will Berlinale-Chefin bleiben: „Emotionen kochen auf allen Seiten hoch“
Klare Ansage: Tricia Tuttle will Chefin der Berlinale bleiben.
Die diesjährige Berlinale endete nicht nur mit der Verleihung des Goldenen Bären an Regisseur İlker Çatak und seinen Politfilm „Gelbe Briefe“, sondern auch mit einer Diskussion um die Zukunft des deutschen Filmfestivals – und seiner Intendantin.
Tatsächlich hatten die Berlinale-Chefin Tricia Tuttle und Kulturstaatsminister Wolfram Reimer, so die Amerikanerin, die Möglichkeit eines einvernehmlichen Rücktritts besprochen.
Diesen Überlegungen waren politische Kontroversen vorausgegangen. Während des Festivals hatten Filmschaffende kritisiert, die Leitung habe sich nicht eindeutig genug an die Seite der Palästinenser im Gaza-Krieg gestellt. Bei der Abschlussgala warf der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib der Bundesregierung vor, Partner „des Völkermords im Gazastreifen“ zu sein. Israels Regierung weist den Völkermord-Vorwurf strikt zurück, ebenso wie die deutsche Bundesregierung. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ die Gala aus Protest. Wenige Tage später meldete die Bild-Zeitung, Tuttle solle als Intendantin abberufen werden.
Dies löste wütende Reaktionen in der Kulturszene aus, viele Kulturschaffende solidarisierten sich mit der Festivalchefin. So hielt der österreichische Schriftsteller Daniel Kehlmann in einem Interview mit der deutschen taz fest, dass in Deutschland zwar „nicht die Meinungsfreiheit, aber das Meinungsklima in Gefahr“ sei. Er warnte davor, Tuttle gehen zu lassen, denn dann würden „keine renommierten Filmemacher ihre Arbeit auf der Berlinale zeigen wollen“. Auch Berlinale-Sieger İlker Çatak stieß in das gleiche Horn. Auch er würde im Falle einer Kündigung „nie wieder einen Film der Berlinale geben. Dann kann man die Berlinale gleich beerdigen.“
Volles Vertrauen
Nun scheinen sich die Gemüter beruhigt zu haben. Tricia Tuttle will Berlinale-Chefin bleiben: „Ich bin sehr stolz auf mein Team und das Festival und möchte die gemeinsam begonnene Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Vor einer weiteren Krisensitzung zur Zukunft des Filmfestivals am Mittwoch gibt es damit eine klare Ansage. Gefragt nach den Grenzen der Meinungsfreiheit auf der Bühne, sagte Tuttle: „Wir leben in einer Welt, die zutiefst polarisiert und emotional aufgeladen ist. Es ist völlig legitim, dass Menschen mit dem, was auf der Bühne gesagt wird, nicht einverstanden sind. Demokratischer Diskurs beinhaltet Meinungsverschiedenheiten, und die Emotionen kochen auf allen Seiten hoch. Aber diese Art von Meinungsverschiedenheiten sollte nicht zu einer institutionellen Krise oder Richtlinie führen.“
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