Kultur 12.04.2018

Trenklers Tratsch: Was vom Mailath übrig blieb

© Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Andreas Mailath-Pokorny, Kulturstadtrat seit 2001, kündigte seinen Rückzug an. Dem Diplomaten glückte nicht allzu viel.

In der Kultur ist es umgekehrt: Der Erfolg eines Politikers wird auch daran gemessen, wie viel Geld er – sinnvoll eingesetzt – erkämpft. Da vermochte Andreas Mailath-Pokorny im letzten Jahrzehnt nicht groß zu punkten. Das Budget stagnierte, zuletzt sank es um zwei Millionen Euro. Aber, keine Frage: Der kunstaffine Diplomat verhinderte Schlimmeres.

„Der Lange“, wie der zwei Meter große Mailath-Pokorny genannt wird, durfte zumeist nur fortführen. 2001, als er vom Bund (als „roter“ Sektionsleiter unter dem „schwarzen“ Kunststaatssekretär Franz Morak) in die Wiener Stadtregierung wechselte, war das Museumsquartier mit der neuen Kunsthalle fertiggestellt, die Entscheidung für das Tanzquartier gefällt, das Mahnmal von Rachel Whiteread auf dem Judenplatz eingeweiht und die Rückgabe von NS-Raubkunst beschlossen.

Der Nachfolger von Peter Marboe (ÖVP) eröffnete zumindest den Dschungel, Theaterhaus für Kinder und Jugendliche. Und nach langen Debatten, die Marboe initiiert hatte, machte er das als Musicalbühne missbrauchte Theater an der Wien zum Opernhaus. Die von ihm immer wieder betonte „Erfolgsgeschichte“ des Stagione-Theaters ist allerdings sehr teuer erkauft.

Anfangs fällte Mailath mutwillige Entscheidungen. Er wollte z.B. dem Theater in der Josefstadt einen Publikumsaustausch zwangsverordnen. Das Experiment (mit Hans Gratzer als Direktor) missglückte völlig. Auch die „Theaterreform“ war nicht der erhoffte Wurf, und die Finanzsituation bei den Symphonikern negierte er. Er boxte Wolfgang Kos durch, der das Wien Museum aus dem Winterschlaf riss, und ließ Gerald Matt, den Selbstdarsteller in der Kunsthalle, fallen. Er bestellte Anna Badora, die als Volkstheater-Direktorin nicht überzeugt, und Tomas Zierhofer-Kin, der das Publikum der Festwochen brüskierte.

Das Konzept für das Musical blieb er schuldig. Und er hat nicht einmal sein wichtigstes Ziel erreicht: die Sanierung des Wien Museums. Zumindest die Finanzierung wurde jetzt beschlossen. Aber sie gelang eigentlich schon dem künftigen Bürgermeister.

( kurier.at ) Erstellt am 12.04.2018