Filmseite: Conjuring

© COURTESY OF WARNER BROS. PICTURE /Warner

Neu im Kino
07/31/2013

Hausgemeinschaft mit Hexe

"The Conjuring": Übernatürliche Kräfte terrorisieren eine Familie – mit souveränem Nostalgie-Grusel. Weiters: "Paulette", "Dampfnudelblues", "Jackie – Wer braucht schon eine Mutter?" u.v.m.

Wochenlang regierte animierte Familienunterhaltung wie „Monster Uni“ und „Ich, einfach unverbesserlich 2“ das US-Boxoffice. Doch jetzt füllt Horror die Kinokassen.

Der superbe Haareraufer "Conjuring – Die Heimsuchung" machte dem Frohsinn ein Ende. Mit Einspielergebnissen von über 40 Millionen Dollar am ersten Wochenende stellte der Film einen neuen Rekord im Horror-Genre auf; und hält sich weiterhin ganz oben.

Tatsächlich liefert James Wan – Regisseur von Hardcore-Horror wie „Saw“ und „Insidious“ – souveränen, nostalgischen Haunted-House-Grusel. Allein das Klatschen von Händen produziert im Publikum kleine Sitzhüpfer. Mit eleganten, immer bewegten und langen Kamerafahrten eröffnet Wan beunruhigende Blickperspektiven. Effektvoll klappert er mit Kastentüren und erinnert uns daran, dass bereits Spinnweben im dunklen Keller modrigen Schauer verbreiten. Außerdem verweist „Conjuring“ genussreich auf seine Horror-Vorbilder – angefangen von Friedkins „Exorzist“ und seiner katholischen Mystik bis hin zu Hitchcocks „Vögel“, die sich kreischend vom Himmel schmeißen.

Aber bereits der Hund hätte die erste Warnung sein müssen: Eine Familie mit fünf Töchtern zieht im Hippie-Jahr 1971 in ein einsam gelegenes Haus. Nur der Collie weigert sich, eine Pfote über die Schwelle zu setzen. Was weiter mit dem wachen Tier geschieht, lässt sich denken.

Aber auch der Rest der Familie erlebt Seltsames: Im Kinderzimmer furzt ein Geist, die Mutter – eine furiose Lili Taylor! – bekommt blaue Flecken, Bilder stürzen von der Wand, und jede Nacht bleibt die Uhr um 3:07 stehen. Als das Randalieren immer ärger wird, ziehen die verzweifelten Eltern ein Geisterjäger-Paar zu Rate.

Geisterjäger

Ed und Lorraine Warren – gespielt von Patrick Wilson und der seelenvollen Vera Farmiga – beruhen auf zwei historischen Persönlichkeiten. Auch in Wirklichkeit ging das Ehepaar Warren auf Dämonenjagd; auf ihren Erlebnissen beruht etwa der Spuk-Klassiker „Amityville Horror“. Eher ungewöhnlich für einen Haunted-House-Film, nimmt „Conjuring“ ohne ironische Distanz wiederholt die Geisterjäger-Perspektive ein – und deren religiöse Berufung („Sie sollten sich taufen lassen!“).

Sowohl die sorgfältige Ausstattung als auch die verwendeten analogen Technologien zelebrieren den Zeitgeist der 70-er: Mit Tonbandgeräten zeichnet Warren Interviews auf, die im Hintergrund übernatürliches Gekrächze wiedergeben. Kameras werden installiert, deren Fotos zeigen bedrohliche Schatten über den Köpfen der Familie. Als wären sie die Vorläufer des „Paranormal Activity“-Franchise von Oren Peli, einem Freund von James Wan.

Immer wieder aber ist es die Figur der Mutter, auf die sich die greulichen Hexengeister konzentrieren. Die Mutter, Ursprung von Liebe und Fürsorge in der Familie – oder doch nicht?

Man könnte „Conjuring“ eine feministische Lesart gönnen und behaupten, der Film verhandle die sich verändernde Rolle der Frau in den 70er-Jahren. Oder thematisiere die mörderischen Gefühle, die vielleicht auch die liebevollsten Mütter manchmal gegen ihre Nachkommen hegen.

In jedem Fall legt sich Lili Taylor gehörig ins Zeug. Eindrucksvoll spuckt sie Gift und Galle und schmeißt sich brüllend durch ganze Kellergeschosse. Das wird die Töchter einige Analyse-Stunden kosten, um das Bild der Mutter als meuchelnde Medea aus dem Kopf zu kriegen. Als Kinobesucher hat man es da leichter – und verlässt nur angenehm erschöpft die Familientherapie. (Alexandra Seibel)

"Conjuring – Die Heimsuchung". USA 2013. 112 Min. Von James Wan. Mit Vera Famiga, Lili Taylor.

"Paulette": Haschcookies backen als Nebenerwerb für die Alterspension

Komödie. Arm und alt ist eine der schlechtesten Kombinationen, die man sich vorstellen kann. Paulette, eine griesgrämige Pensionistin, wohnhaft in den Pariser Banlieus, kann davon ein Lied singen. Die Mindestpension reicht nie aus, und zuletzt wird ihr gar der Fernseher gepfändet. Natürlich sind „die Ausländer“ schuld – denn Paulette ist überzeugte Rassistin.

Die „nichtfranzösischen“ Drogendealer in ihrer Nachbarschaft werden ihr erst sympathischer, als sie ein gutes Geschäft mit Haschdealen wittert. Wer verdächtigt schon eine alte Oma?

Außerdem kann sie hervorragend backen und betreibt bald mit ihren Freundinnen ein florierendes Geschäft mit Haschcookies.

Die tolle, gerade erst verstorbene Bernadette Lafont – einst eine Inspiration für die Nouvelle Vague – verleiht ihrer schablonenhaften Rolle der kauzigen Alten resolute Gediegenheit. Als Sozialkomödie bleibt „Paulette“ vordergründig und gefällig – dafür aber streckenweise recht unterhaltsam. (Alexandra Seibel)

KURIER-Wertung: **** von *****

"Paulette". F 2012. 87 Min. Von Jérŏme Enrico. Mit Bernadette Lafont, Carmen Maura, D. Lavanant.

"Dampfnudelblues": Mordermittlung mit Leberkäs’-Semmerl

Wieder einmal ist die Idylle eines oberbayrischen Örtchens trügerisch, denn ein dunkles Geheimnis verbirgt sich hinter den Hausmauern: Der verhasste Schuldirektor Höpfl – herzhaft grantig: Robert Palfrader – wird tot aufgefunden.

Gott sei Dank gibt es da den strafversetzten Dorfpolizisten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), dessen ruhiger Alltag samt Leberkäs’-Semmerl-Frühstück und Feierabend-Bier durch die Ermittlungen unterbrochen wird. Die Aufklärung gestaltet sich trotz oder gerade wegen der Hilfe seines übereifrigen Ex- Kollegen Rudi (Simon Schwarz) schwierig. Zum Glück hat Oma Eberhofer genügend Dampfnudeln für ihren Enkel.

Die Krimi-Handlung tritt hinter die Komödie zurück; leider geht der altbewährte Schmäh von der Oma, die ruppig, aber herzlich ihren Enkel unter der Fuchtel hat, nicht ganz auf. Amüsanter wirken die leicht trotteligen Freunde von Franz, die auch gerne einmal zu AC/DC abrocken. Schwarzhumorige Verfilmung des Romans von Rita Falk, mit nur wenig „political correctness“. (Elisabeth Hofer)

KURIER-Wertung: **** von *****

"Dampfnudelblues". D 2013. 90 Min. Von Ed Herzog. Mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Robert Palfrader.

Jackie – Wer braucht schon eine Mutter?

Ja, wer braucht schon eine Mutter? Sicher nicht die toughe Sophie, die gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester bei einem schwulen Vaterpaar aufgewachsen ist. Als sich plötzlich die leibliche Mutter meldet, fährt sie nur widerwillig mit der Schwester nach New Mexico. Holly Hunter spielt die US-Trailer-Trash-Mutter mit grantiger Würde, und auch die beiden jungen Frauen sorgen für etwas Pep. Ansonsten fällt der Konzept-gesteuerten Regisseurin Antoinette Beumer nur wenig Originelles ein. Ein bisschen wie in „Thelma und Luise“ emanzipieren sich die beiden Schwestern während ihres Roadtrips mit Mama – und am Ende wirft die eine sogar das nervige Handy in den Canyon.

KURIER-Wertung: *** von *****

Die Schlümpfe 2 (3-D)

Seelenlose Fortsetzung des Schlumpfabenteuers, in dem Zauberer Gargamel die blonde Schlumpfine nach Paris entführt. Nachlässig gefilmt, unwitzig und sentimental.

KURIER-Wertung: ** von *****

Ein griechischer Sommer

Zwei Attraktionen bestimmen die spannungsfreie Verfilmung eines griechischen Sommerkomödchens für Kinder und Junggebliebene: Der schlecht gelaunte Emir Kusturica in einer Vaterrolle und der Pelikan seines Sohnes.

KURIER-Wertung: *** von *****

"Un Amor – Eine Liebe fürs Leben"

Drama Die Jugendliebe zwischen einem Mädchen und zwei Burschen: 30 Jahre später treffen die Drei wieder zusammen und suchen nach jenen Spuren, die sie zu dem gemacht haben, was sie jetzt sind. Feinfühlige Dreiecksgeschichte aus Argentinien von Paula Hernández.

KURIER-Wertung: **** von *****

"Endstation Krasnokamens – Ein Heimatbesuch"

Doku Olga Delane besucht ihren Geburtsort in der sibirischen Steppe. Sensible Doku.

KURIER-Wertung: **** von *****

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