Der rote Wien...

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Kultur
09/26/2019

Teurer Festwochen-"Schwarzmarkt": Reden über das Rote Wien

Trenklers Tratsch: Am Abend vor der NR-Wahl wird im Rathaus über das Rote Wien geredet – um 220.000 Euro.

von Thomas Trenkler

Erstmals 2005 organisierte die Mobile Akademie Berlin unter der Leitung von Hannah Hurtzig ein neues Format für Wissensvermittlung: Auf dem „Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen“ referieren Experten zu einem Überthema in 30-minütigen Vieraugengesprächen. Das Publikum kann Time-Slots „buchen“ – oder den Experten per „Schwarzmarkt-Radio“ über Kopfhörer einfach nur zuhören.

Bis 2016 fanden 19 dieser Schwarzmärkte statt, darunter im Rahmen des Steirischen Herbstes 2007, der damals von Veronica Kaup-Hasler geleitet wurde. Die Intendantin stellte dabei ihr Wissen über „Korruption durch Subvention“ zur Verfügung. Auch der Journalist Claus Philipp fungierte als Experte (für Horrorfilme).

2008 gastierte die Wissens-Börse in Wien – im Rahmen der Festwochen. Unter der Hundertschaft an Experten: die Ex-Festwochen-Dramaturgin Veronica Kaup-Hasler und Claus Philipp.

In den letzten Jahren verebbte das Interesse an dem Event. Bis zum November 2018: Kaup-Hasler, mittlerweile von der SPÖ nominierte Kulturstadträtin von Wien, regte bei den Festwochen an, die Mobile Akademie Berlin mit einer weiteren Veranstaltung zu beauftragen – anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Rotes Wien“. Bis zur normalen Festwochensaison im Mai ließ sich das nicht machen. Und so findet der Schwarzmarkt „Das Rote Wien. 1919 – 2019 – 2119“ eben jetzt statt: am Abend vor der Nationalratswahl im Festsaal des Rathauses. Eintritt frei.

Als Experten fungieren neben Veronica Kaup-Hasler und Claus Philipp, der auch als Teil des Teams genannt wird, Bürgermeister Michael Ludwig, Landtagspräsident Ernst Woller (beide SPÖ) und viele der SPÖ nahe stehende Personen. Als Feigenblatt für politische Weltoffenheit dient Köchin Sarah Wiener (als Grüne).

Thomas Weber, Kultursprecher der Neos, wurde zwar eingeladen. Nach einem genauen Blick in den Förderakt, der von der SPÖ und den Grünen beschlossen wurde, lehnte er aber ab: „Die Summe von 220.000 Euro für einen einzigen Abend, an dem sich die SPÖ mit ihrem Roten Wien inszenieren kann, ist für mich nicht akzeptabel.“ Nachsatz: „Es muss endlich Schluss sein mit dem parteipolitischen Griff ins Kulturbudget!“

Dass die Show just am Abend vor der Wahl stattfindet, ist Zufall. Aber kaum ein Künstler in sozialer Notlage wird die Subvention (zuzüglich des gratis bereitgestellten Festsaals) nachvollziehen können. Die Festwochen rechnen laut Förderakt mit 500 bis 1000 Teilnehmern. Jeder Besuch wird also mit 220 bis 440 Euro subventioniert. Das braucht man nicht weiter zu kommentieren.

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