© SF / Monika Rittershaus

Kultur
08/07/2021

Subtile Verwirrungen der Gefühle bei „Così fan tutte“

Meisterlich ausbalancierte Wiederaufnahme

Eine weiße Wand mit zwei weißen Türen, eine bühnenbreite Treppe zum hochgefahrenen Orchestergraben, keine Versatzstücke, keine Requisiten: Minimalistisch ist die Ausstattung (Johannes Leiacker) im Großen Festspielhaus, in Schwarz-Weiß gehalten sind die einfachen Kostüme, nur wenn sich die beiden Männer verkleiden, tauchen sie in bewusst geschmacklosen, kitschigen Gewändern auf. Diese „Così fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart wurde 2020 aus der Pandemie-Not geboren und gekonnt gekürzt.

Glaubhafte Charaktere

Und sie war damals und ist auch heuer bei der Wiederaufnahme ein regelrechter Glücksfall. Dafür sorgt einerseits Christoph Loy. Der deutsche Regisseur zeigt mit meisterlicher Personenführung immer ganz am Libretto und an der Musik ein subtiles, psychologisch durchdachtes Kammerspiel von Mozarts heiklem Liebes- und Lebensexperiment. Er schuf glaubhafte Charaktere, deren Gefühlsverwirrungen man oft nur durch Blicke und kleine Geste erkennen kann. Er zeigt klar die Zeitlosigkeit von Liebe, Verführung und Untreue und einen tiefen Blick in die menschliche Seele. Dafür sorgt auch ein wunderbar, homogenes Sängerensemble, ident wie im Vorjahr: Elsa Dreisig ist eine innige, fein phrasierende Fiordiligi mit tiefgründiger Empfindung, reinsten Koloraturen und ungefährdeten Höhen.

Ein Glücksfall

Marianne Crebassa ist eine sängerisch exzellente Dorabella mit wunderbar dunklem und berührendem Timbre. Lea Desandre singt eine quirlige und kecke Despina. Bogdan Volkov als Ferrando tritt als vielversprechender, lyrischer Tenor auf. Andrè Schuen verfügt als sehr viriler Guglielmo über einen warmen, kernigen Bariton. Johannes Martin Kränzle singt den Don Alfonso als kraftvollen Strippenzieher. Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor singt wenig, das aber sehr homogen und aus dem Off. Dass diese Produktion ein Glücksfall ist, dafür sorgen auch die Wiener Philharmoniker unter der ungemein agilen Joana Mallwitz. Mit großer Eleganz und Energie, delikaten Farbabmischungen, mit denen sie die sich sichtlich wohl fühlenden Musiker immer sicher, durchhörbar, pointiert, vital und duftig durch die Partitur führt.

Großer Jubel!

Helmut Christian Mayer

Wiederholungen: 9., 15. und 19. August 2021

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