Styriarte: Ein opulentes Fest für alle Sinne

„La Margarita“: Spektakuläres Rossballett und feine barocke Opernszenen vor dem prächtigen Schloss Schielleiten

(Von Helmut Christian Mayer)

Die „Festa à Cavallo“ zu Ehren des Kaisers Leopold I. und seiner Gemahlin stellten 1667 in Wien alles in den Schatten, was der Wiener Hof bis dato gesehen hatte und soll die Geburtsstunde der hohen Wiener Reitkunst mit dem historischen Rossballett im Zentrum gewesen sein. Die Styriarte hat dieses Hochzeitsfest abgekupfert und kreierte im wunderbaren Ambiente von Schloss Schielleiten, nördlich von Gleisdorf eine Symbiose aus klassischer Dressur und barocker Musikpracht: „La Margarita“, so Titel dieses Opernpasticcios, nach dem Namen der spanischen Braut, wurde so zum Fest für alle Sinne, das auch schon zuvor und danach mit Musik und Kulinarik an verschiedensten Orten im Schlosspark begleitet wurde.

Nach den Musikern des Trompetenconsorts Innsbruck mit ihren prunkvollen Fanfaren sind es die acht Andalusier-Hengste und ihre Reiter aus der Spanischen Reitschule Ungarn „Epona“ (Choreographie: Dorottya Borsó) die auf einem Turnierplatz samt aufgebauten Tribünen vor der beleuchteten, prächtigen Schlosskulisse ihre kunstvollen Figuren und schwierigsten Lektionen wie Serienwechsel, Pirouetten, und Pfaffen dicht aneinandergereiht aber auch Schulsprünge wie die Levade, die Capriole und die Courbette, berückend und majestätisch zeigten. Sie tanzten dabei im Takt zu authentischer barocker Musik aus Wiener Rossballetten von Johann Heinrich Schmelzer und Antonio Cesti.

Auf der dekorierten Opernbühne am anderen Ende des Festplatzes antworteten ihnen die phantasievoll und völlig überzogen gewandeten Sänger mit kühnen Frisuren (Lilli Hartmann): Der Altus Flavio Ferri-Benedetti als Herkules, anfänglich mit Intonationsproblemen und zu leise verstärkt u.a. mit einer der berühmtesten Barockarien „Ombra mai fu“ jedoch nicht von Händel sondern von Francesco Cavalli. Julla von Landsberg sang mit klarem Sopran als „La Margarita“ u.a. eine Arie aus Cestis „Il pomo d’oro“. Jochen Kupfer trat als König Hesperos mit profundem Bariton auf, u.a mit einer Arie aus Alessandro Stradellas „San Giovanni Battista“ und  Daniel Johannsen als Leopold I. höchstpersönlich mit hellem Tenor mit einer Arie, die vom Kaiser selbst erdacht wurde.

Sie wurden stilistisch perfekt, frisch und schwungvoll von der Neuen Hofkapelle Graz, die manchmal mit der Intonation der alten Instrumente zu kämpfen hatte unter der Leitung von Michael Hell am Cembalo begleitet.

Dieses von Thomas Höft zusammengestellte Opernpasticcio (weitere Arien waren aus Opern von Emilio de Cavalieris „La Pellegrina“, Antonio Cestis „Orontea“, Francesco Cavallis „Il Giasone“ zu hören) wurde von ihm mit eigenen humorvollen Texten als Haushofmeister und einer eigens kreierten Story über den Raub der Hesperiden-Äpfel erzählt. Viel Applaus!

Kurier-Wertung: ****

(KURIER) Erstellt am
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