Kultur
03.07.2018

Staatspreis für Europäische Literatur an Zadie Smith

Blümel: Die britische Autorin hat "unser Bewusstsein für die ethnische, soziale und kulturelle Vielstimmigkeit unserer Welt geschärft"

Die britische Autorin Zadie Smith erhält den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2018. In ihrem bisherigen literarischen Oeuvre habe die 42-Jährige „unser Bewusstsein für die ethnische, soziale und kulturelle Vielstimmigkeit unserer Welt geschärft, indem sie in ihren Romanen die Frage nach Herkunft und Identität stellt“, so Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) in einer Aussendung.

Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird heuer am 27. Juli in Salzburg vergeben, jedes Jahr wird ein europäischer Literat oder eine Literatin mit internationaler Strahlkraft dafür ausgewählt. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass Smith seit ihrem Debüt „Zähne zeigen“ (2000) sowohl „große Vielseitigkeit bewiesen“ habe, als auch „ihrem Leitmotiv treu geblieben“ sei: „Wie wichtig sind ethnische Herkunft und Hautfarbe im Europa des 21. Jahrhunderts? Wie schafft man es, das eigene Milieu zu verlassen, und ist das überhaupt ein erstrebenswertes Ziel? Woher stammen wir, und wie weit wird dadurch unser Lebensentwurf determiniert?"

Smith, Autorin von erfolgreichen Romanen wie „Von der Schönheit“ (2005), „ London NW“ (2012) oder „Swing Time“ (2016), habe die Gabe, „gesellschaftspolitische Themen und philosophische Reflexionen in scheinbar einfachen Geschichten über Familie und Freundschaft zu vermitteln“. Smith hat für ihre Bücher bereits zahlreiche Preise erhalten und neben fiktionalen Werken auch Essaysammlungen veröffentlicht. In Wien konnte man darüber hinaus auch in ungewöhnlichem Setting Bekanntschaft mit dem Schaffen der Autorin schließen: 2015 wurde ihre Erzählung „Die Botschaft von Kambodscha“ im Wiener Jörgerbad als szenische Lesung geboten.

Geboren als Tochter eines englischen Vaters und einer jamaikanischen Mutter in London 1975, studierte Smith Englisch in Cambridge und erlangte mit ihrem ersten Roman „Zähne zeigen“, der ein zeitgenössisches, multikulturelles London durch die Brille dreier ethnisch diverser Familien schildert, schnell internationale Beachtung - der Roman wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und fürs Fernsehen adaptiert. Gefeiert wurden auch ihre Folgeromane, insbesondere „Von der Schönheit“ und „London NW“, das in jenem Londoner Viertel spielt, in dem Smith selbst aufgewachsen ist. Heute ist sie als Professorin der New York University sowohl in London, als auch im Big Apple zu Hause.