© Wiener Staatsballett/Ashley Taylor

Kultur

Staatsoper: Choreografische Meilensteine am Weg zum modernen Ballett

William Forsythe, Hans van Manen und Jirí Kylián als Wegbereiter des Balletts im 21. Jahrhundert.

04/16/2019, 11:01 AM

Sie zählen nicht nur zu den Höhepunkten im Schaffen der Choreografen William Forsythe, Hans van Manen und Jirí Kylián, sondern zu den Wegbereitern des Balletts im 21. Jahrhundert. Erstmals sind „Artifact Suite“, „Trois Gnossiennes“, „Solo“ und „Psalmensymphonie“ an einem Abend beim Wiener Staatsballett in der Staatsoper zu sehen.

Am Anfang steht Forsythes „Artifact Suite“, aus seinem ersten, 1984 entstandenem abendfüllenden BallettArtifact“ 2004 zusammengestellt. Zu Bachs Partita für Violine in d-Moll gibt es extreme Dehnungen, dynamische Schritte, Drehungen, Sprünge und wagemutige Balancen. Die von den Paaren Nikisha Fogo/Jakob Feyferlik und Nina Poláková/Roman Lazik angeführten Tänzerinnen und Tänzer meistern die technischen Herausforderungen mit Bravour.

Oxana Kiyanenko tanzt „Other Woman“, die wie eine Muse ins Geschehen tritt. Die Form des Pas de deux erscheint von Forsythe klar strukturiert und folgt nicht mehr dem Schema des klassischen Balletts.

Hans van Manen führt den Pas de deux in noch andere Dimensionen. Das 1982 entstandene Stück „Trois Gnossiennes“ ist dafür ein gut gewähltes Beispiel. Als einziges wird dazu an diesem Abend die Musik von Erik Satie live gespielt. Die Pianistin Laurene Lisovich ist auf der Bühne Partnerin eines Paares und dreier Beobachter.

Stärker als bei Forsythe rückt die Beziehung der Frau zum Mann in den Mittelpunkt. Maria Yakovleva und Jakob Feyferlik tanzen dies in der vorgegebenen Mischung einer gewissen Härte, aber auch mit einer Prise Humor.

Der zeigt sich wiederum im 1997 von van Manen kreierten „Solo“ zu Bachs Partita für Violine in h-Moll. Solo ist hier nur die Violine. Denys Cherevychko, Richard Szabó und Géraud Wielick beweisen neben ihrem Können auch große Musikalität.

Einen ganz anderen Weg schlug 1978 Jirí Kylián ein. Auch er durchbricht in „Psalmensymphonie“ (zu Strawinski) die üblichen Hierarchien, indem er acht Paare gleichermaßen solistisch fordert. Doch bei ihm spielt Theatralik eine größere Rolle, geht es auch um eine religiös anmutende Atmosphäre um Abschied und Leid.

Anforderungen

Dieser Abend zeigt, wie sehr sich die Anforderungen in den letzten Jahrzehnten gesteigert haben. Klassik ist die Basis, genügt aber längst nicht mehr. Verschiedene Stile bis zur Akrobatik erlauben Vergleiche zum Spitzensport, doch in dieser Kunstform kommen noch Ebenen der Musikalität und Interpretation gleichbedeutend dazu. Das verdient größte Anerkennung.

Silvia Kargl

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