© Wiener Staatsoper/Ashley Taylor

Kritik
11/15/2021

Staatsballett-Premiere: Ein Vogel hebt ab Richtung Tanzhimmel

Das Wiener Staatsballett in der Staatsoper (Von Silvia Kargl).

„Im siebten Himmel“ ist das Wiener Staatsballett mit diesem neuen dreiteiligen Abend in der Staatsoper noch nicht ganz angekommen. Aber die Öffnung zu zeitgenössischen Choreografien unter Ballettdirektor Martin Schläpfer ist ein wichtiger Schritt.

Dies vor allem Dank der Uraufführung von Marco Goeckes „Fly Paper Bird“ zu „Stürmisch bewegt. Mit größter Vehemenz“ und dem Adagietto aus Gustav Mahlers 5. Symphonie. Goeckes Bewegungsvokabular ist so spezifisch, dass es kaum in wenigen Probenwochen zu erlernen ist. Doch haben sich die elf beteiligten Tänzerinnen und Tänzer angenähert, was für die Offenheit des Wiener Staatsballetts gegenüber Neuem, aber auch für ihr Können spricht.

Unter Strom

Die Körper stehen wie unter Strom, sind fast hyperaktiv, mit ganz besonderen Arm- und Handbewegungen. Die Deutung von Mahlers Komposition führt nicht zuletzt zu Sigmund Freud, zu tief vergrabenen Ängsten, eigenen Kommunikationsformen, changiert zwischen Lebensfreude und Albträumen.

Neben Mahler war Ingeborg Bachmanns Gedicht „Mein Vogel“ eine weitere Inspirationsquelle für Goecke, das die hervorragende Solistin Rebecca Horner in Ausschnitten zitiert.

Wie die Tänzerinnen und Tänzer zu Wesen werden, die vogelhafte Züge annehmen, ist insbesondere beim berühmten Adagietto große Kunst: oft vertanzte Musik, aber so eigenständig und doch mit Musik und Poesie verwoben noch nie. Ungewöhnlich und fernab von Klischees ist auch Martin Schläpfers 2006 entstandenes „Marsch, Walzer, Polka“ zu Musik von Johann Strauß Vater und Sohn sowie Josef Strauß. Da ist in Wien der Blick von außen durch Schläpfers Umsetzung zunächst ungewohnt. Einleitungen von großen Konzertwalzern sind eher Soli, und da, wo man in Wien vielleicht Fleckerlwalzer oder große Formationen erwartet, steht oft ein Innehalten der Bewegung als Kontrapunkt. Manchmal wirken die Tänzerinnen und Tänzer puppenhaft, dann wieder wie oft bei Schläpfer akrobatisch. Durchaus humorvoll sind die für Wien geschaffenen Trios zur Neuen Pizzicato-Polka. Fantasievolle Akzente setzen die neuen Kostüme Susanne Bisovskys, die Tradition und Gegenwart gekonnt verbinden.

Den Abschluss des Abends macht George Balanchines „Symphony in C“ zur Musik von Georges Bizet, auch diese von Patrick Lange am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper umsichtig geleitet. Die ehemalige Balanchine-Ballerina Patricia Neary betreute die Einstudierung des eleganten neoklassischen Meistwerks, das 1948 in New York uraufgeführt wurde.

Da brillieren mit Balanchine vertraute Solistinnen und Solisten wie Liudmila Konovalova, Kiyoka Hashimoto, Davide Dato und Roman Lazik. Sonst ist nicht zuletzt die lange, von Covid-19 erzwungene Zwangspause im Ballettsaal spürbar, da bleibt noch Luft nach oben.

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