Die Muse der Surrealisten

Eine Frau mit geschlossenen Augen und einer mit schwarzer Farbe bedeckten Hand vor dem Gesicht.
Das Sprengel Museum zeigt zum 100. Geburtstag Werke der deutsch-schweizer Künstlerin Meret Oppenheim.

Sie gilt als Muse der Surrealisten und wurde in den 1970er Jahren zum Leitbild für junge Künstlerinnen: Die Deutsch-Schweizerin Meret Oppenheim wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeigt das Sprengel Museum Hannover von Mittwoch bis zum 5. Mai die Ausstellung: " Meret Oppenheim. Über den Bäumen". Zu sehen sind gut 60 Werke aus dem Zeitraum von 1936 bis 1984 sowie etwa 20 Arbeiten von Künstler-Kollegen wie Hans Arp oder Max Ernst. Der Schwerpunkt liegt auf den bisher weniger beachteten Zeichnungen der 1985 gestorbenen gebürtigen Berlinerin.

"Sie ist eine der faszinierenden Frauengestalten in der Kunst des 20. Jahrhunderts", betonte Museumschef Ulrich Krempel am Dienstag. Ihren Ruhm begründete das 1936 entstandene Objekt "Das Frühstück im Pelz". Oppenheim kleidete eine Porzellantasse mit weichem, haarigem Fell aus. Der Pelz verwandelt das Gedeck in einen sinnlichen Gegenstand. In Hannover ist ihr Objekt "Das Paar (mit Ei)" aus dem Jahr 1967 zu sehen. Zwei schwarze Stiefeletten sind an den Spitzen verbunden, die abgeschnittenen Spitzen bilden das Ei. "Dieser Witz ist typisch für Meret Oppenheim", sagte Kuratorin Isabel Schulz.

Impressionen der Ausstellung

Eine ältere Frau hält eine Tasse mit Fell und einen Löffel in den Händen.

Zwei pelzartige Handschuhe mit rot lackierten Holzfingernägeln liegen auf einem weißen Hintergrund.

Ein Glas Bier mit einem Eichhörnchenschwanz dahinter.

Ein Schwarz-Weiß-Porträt einer Frau im Profil, aufgenommen 1933 von Man Ray in Paris.

Ein Röntgenbild eines Schädels mit Ohrringen und Ringen an den Fingern.

Zwei braune, lederne Schnürstiefel stehen einander gegenüber.

Eine Frau mit Farbe an der Hand lehnt an einem großen Rad.

Eine goldene Drahtkonstruktion mit zwei Kugeln, einer Holzkugel und einem orangefarbenen Anhänger mit der Aufschrift „Bäh“.

Ein arrangiertes Stillleben mit einem Brot auf einem Teller, platziert auf einem Schachbrett.

Eine Künstlerin malt in ihrem Atelier auf einer Leinwand.

Das Schwarzweißporträt einer Frau mit Gesichtsbemalung.

Ein surrealistisches Gemälde mit zwei baumartigen, anthropomorphen Figuren vor einer Landschaft.

Abstrakte Malerei mit schwarzen Linien auf gelbem Grund.

Eine Skulptur einer zusammengerollten Schlange auf einem Jutesack.

Ein stilisierte Landschaft mit einem Vogel auf einer Linie zwischen zwei Inseln.

Abstrakte Malerei mit roten, blauen, braunen und schwarzen Formen auf weißem Grund.

Ein blaues Haus mit erleuchteten Fenstern steht am Ufer eines Sees unter einem gelben Himmel.

Ein Gemälde von Joan Miró mit abstrakten Formen und einer Kette.

Ein abstraktes Gemälde mit einem weißen, sternförmigen Objekt und bunten Streifen.

Eine nackte Frau schwebt über einer Landschaft, während ein Wagen mit Rosen und einer Taube durch den Himmel fährt.

Abstrakte Malerei mit geometrischen Formen in Weiß, Blau, Beige und Schwarz.

Illustration eines High Heels mit Fell und einem angedeuteten Fuß.

Eine abstrakte Zeichnung mit einem braunen Baum und einer blauen Pflanze.

Eine abstrakte Darstellung mit organischen Formen und Texturen in Blau und Weiß.

Zwei schwarze, lederne Schnürstiefel mit Absatz stehen auf einem weißen Hintergrund.

Eine Landschaft mit einem See, Bäumen und einem bewölkten Himmel, dargestellt in Pastellfarben.

Ein abstraktes Gemälde mit geometrischen Formen in Braun-, Blau- und Rosatönen.

Abstrakte Komposition mit roten Kreisen, einer horizontalen Linie und einer weißen Form auf blauem Grund.

Schwarzweißporträt einer Frau mit Gesichtsbemalung und Halskette.

Die teils abstrakten, teils konkreten Zeichnungen geben einen Einblick in ihre stilistische Vielfalt. Sie interessierte sich für Prozesse in der Natur, für das Werden und Vergehen, für Verwandlungen und das Unbewusste. Der Kuratorin ist wichtig, Oppenheims künstlerische Bandbreite zu zeigen. In der Vergangenheit habe oft nicht ihr eigenes Schaffen, sondern ihre Rolle als Muse der Pariser Surrealisten im Mittelpunkt gestanden, erklärte Schulz.

Oppenheims beeindruckende äußere Erscheinung spielt aber auch in der Schau im Sprengel Museum eine Rolle. Zahlreiche Fotografien zeigen die stolze Frau mit der androgynen Ausstrahlung. Die bekannteste Aufnahme ist Man Rays "Erotique-Voilee/Erotisch verhüllt" (1933). Das Bild zeigt Meret Oppenheim nackt mit geschwärztem Arm hinter dem Rad einer Druckerpresse. Das Bild löste einen Skandal aus.

Viele Rollen

Model, Modedesignerin, Traumfängerin, Literatin - Meret Oppenheim lebte viele Rollen. Gegen eine feministische Vereinnahmung als weibliche Künstlerin wehrte sie sich. Das Bank Austria Kunstforum in Wien widmet der eigenwilligen Künstlerin vom 21. März bis zum 14. Juli eine große Retrospektive. Die Schau "Meret Oppenheim" wird anschließend im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt.

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