Spektakulärer Dreh: "Die Tore zur Welt"

Das 33 Millionen Euro teure TV-Event mit Cynthia Nixon und Nora von Waldstätten ist zur Hälfte abgedreht. Fotos vom Set der Follett-Verfilmung.

Ein mittelalterlicher Marktplatz, der Galgen im Zentrum, rundherum Dutzende Menschen in schlichten Kleidern, die sich auf ein Spektakel freuen. Eine Hängung steht bevor, dann eine Vierteilung und eine öffentliche Kastration. Plötzlich reiten Ritter herbei, gehüllt in edle Gewänder, der König naht. Er wird all jene Kriminellen begnadigen, die gewillt sind, an seiner Seite gegen Frankreich zu kämpfen. Wer dieses Angebot schließlich aller annehmen wird, wissen derzeit nur die Leser von Ken Folletts Bestseller "Die Tore der Welt", der seit Juli rund 40 Minuten westlich von Budapest als TV-Mehrteiler unter Beteiligung des ORF und mit internationaler Topbesetzung - darunter "Sex and the City"-Star Cynthia Nixon - verfilmt wird. Gedreht wird nicht nur in Ungarn, sondern auch in der Slowakei und in Österreich. Die Wiener Votivkirche diente etwa ebenso als Schauplatz wie ab 13. Oktober die niederösterreichische Burg Kreuzenstein. Auch der Star der Produktion, Cynthia Nixon, hat schon einige Tage in Wien verbracht, wie sie am Set erzählte, auch bei den Lipizzanern, im Belvedere und im Musikverein. Selbst im mittelalterlichen Kostüm wird sie das Image ihrer Serienfigur Miranda nicht los, was die 45-Jährige aber nicht stört: "Ich liebe 'Sex and the City' und ich bin stolz und glücklich, sie immer bei mir zu haben, fast wie in meiner Tasche." Ob ein dritter "Sex and the City"-Film kommen wird, ist ungewiss - fix ist, dass Nixon als durchtriebene Petranilla in den "Toren der Welt" voraussichtlich 2012 zu sehen sein wird. 115 Drehtagen aus den unterschiedlichsten Perspektiven stehen am Programm, inmitten des Mittelalterdorfes Kingsbridge, das in der idyllisch-friedlichen Ortschaft Göböljaras aus Holz und Kunststoff aus dem Boden gestampft wurde. Die Kathedrale im Hintergrund, deren Bau in Folletts Vorgänger "Die Säulen der Erde" eine zentrale Rolle einnahm, steht laut dem Roman nunmehr bereits seit rund 200 Jahren. Doch die Not in Kingsbridge ist Mitte des 14. Jahrhunderts groß, die Pest wütet, Adel und Klerus intrigieren um Macht und Pfründe. Und während die englische Krone sich in den Hundertjährigen Krieg mit Frankreich stürzt, kämpfen junge Frauen wie die Kaufmannstochter Caris oder die Revolutionärin Gwenda an der Schwelle zur Renaissance gegen die Willkür der Mächtigen. Gwenda wird von der Österreicherin Nora von Waldstätten verkörpert, die schon in Olivier Assayas' Revolutionsepos "Carlos" in einer der Hauptrollen glänzte. "Starke Frauen finde ich immer gut", meinte die junge Schauspielerin, die sich u.a. durch mittelalterliche Küche in die damalige Zeit einfühlte und die mehrsprachige Arbeit am Set genießt. Das "babylonische Sprachenwirrwarr" sei zwar bei "Carlos" eindeutig größer gewesen, doch nicht zuletzt von den englischsprachigen Schauspielern sei sie begeistert: "Die haben einfach ein anderes Spieltempo, sehr schnell und sehr genau, immer mit einer guten Prise Humor und Ironie drin - und wahnsinnig kollegial." Auffallend ist nicht zuletzt die eifrige Detailtreue, die hier herrscht: von den großen Bauten bis hin zu den Kostümen, der gebräunten Haut und dem Dreck unter den Fingernägeln. "Natürlich geht es in erster Linie um Unterhaltung", sagte der Schauspieler Peter Firth, einer der zwölf Hauptdarsteller in dem rund 80 Sprechrollen und mehr als 100 Statisten umfassenden Cast. "Aber es ist alles auch historisch sehr akkurat. Wir machen das Leben vielleicht ein bisschen mehr sexy, als es damals war." Diese Sexyness lassen sich die Produzenten rund um Tandem Communications - darunter auch Ridley Scott - einiges kosten: 44 Millionen US-Dollar (33 Mio. Euro) stehen den rund 200 Mitgliedern der Crew zur Verfügung, neben dem ORF sind auch ProSiebenSat.1, Cuatro und Sky Italia beteiligt. Tom Cullen spielt vor einer imposanten Kulisse und auf einem mehr als einem Hektar großen Gelände die Rolle des Wulfric. Newcomer Oliver Jackson-Cohen (bekannt aus Faster) miemt Ralph, den späteren Graf von Shiring. Bleibt diee Frage, ob die neue Follett-Verfilmung die 22 Prozent Marktanteil von den "Säulen der Erde" im ORF toppen wird.
(apa / cark) Erstellt am
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