"Man kündigt nicht aus Jux und Tollerei": Ulrike Sych entließ den Cello-Professor N., um ihre Studenten zu schützen. Denn: "Ich dulde keinen Machtmissbrauch."

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Kultur
02/25/2020

Solo-Cellist der Philharmoniker: Fristlose bleibt aufrecht

Der Cellist N. wollte den Prozess, den er gegen die Musikuni angestrengt hatte, fortsetzen. Und blitzte bei der Richterin ab.

von Thomas Trenkler

Sie sei, sagte Richterin Brigitte Erhart, überrascht, den Solo-Cellisten N. wieder hier, im Saal 4 des Wiener Arbeits- und Sozialgericht, zu sehen. Denn für sie war der Fall bereits im Herbst 2018 abgeschlossen.

N., Mitglied der Wiener Philharmoniker und daher des Staatsopernorchesters, war von Ulrike Sych, Rektorin der Universität für Musik und darstellende Kunst, fristlos als Professor für Cello gekündigt worden, weil er gegenüber Studenten seine Macht missbraucht habe. Er beteuerte jedoch seine Unschuld – und klagte die mdw.

Im Oktober 2018 kam es auf Vorschlag von Erhart zu einer außergerichtlichen Einigung. Sych willigte ein, weil sie den Studenten ersparen wollte, vor N. im Gericht über deren traumatische Erlebnisse zu berichten. Michael Herzer, Anwalt des Klägers, und mdw-Beistand Christoph Wolf sagten zu den anwesenden Journalisten (KURIER und Kleine Zeitung): „Das Verfahren zwischen der Universität und Prof. N. wurde im beidseitigen Interesse beendet.“

Doch N. unterzeichnete die ausverhandelte Einigung nicht. Und nun, mit Rechtsanwalt Harald Hauer, wollte er den Prozess fortgesetzt wissen. Die Richterin fragte den grau melierten Musiker nach dessen Beweggründen. Er schwieg zunächst. Dann, nach einer Besprechung vor der Tür, erklärte dessen Anwalt, dass N. von Staatsoperndirektor Dominique Meyer gebeten worden sei, die Sache hinauszuzögern, bis seine Amtszeit ausgelaufen ist. Erhart runzelte die Stirn, denn sie konnte den Zusammenhang mit der mdw nicht erkennen. Dann schloss sie die Verhandlung. Sprich: Sie lehnte den Fortsetzungsantrag ab. Die Fristlose bleibt also aufrecht. Ob N. berufen wird, ist offen.

Der KURIER fragte bei Meyer nach. Der scheidende Direktor meinte erbost, dass die Aussage von N. jeglicher Grundlage entbehre. „Ich werde rechtliche Schritte prüfen lassen.“