© Caroline/Evan Tan

Gespräch
07/10/2020

Soko sieht das Smartphone als Waffe gegen Polizeibrutalität

Die als Stephanie Sokolinski geborener Musikern spricht über Black Lives Matter, ihre Therapie und die CD „Feel Feelings“

von Brigitte Schokarth

So schön hatte sich Soko, die als Stephanie Sokolinski in Bordeaux geborene Musikerin, ihr Video zum Song „Oh To Be A Rainbow“ aus dem neuen Album „Feel Feelings“ vorgestellt. „Ich wollte einen Ball der Queer-Szene zeigen, mit ganz vielen Leuten, die tanzen und glücklich sind“, erklärt die 34-Jährige, die mit ihrer Freundin in Los Angeles lebt. „Wegen des Corona-Lockdowns musste ich stattdessen eines mit null Leuten und einer Mini-Crew machen. Ich habe selbst Regie geführt, damit eine Person weniger am Set ist, habe mir etwas Weißes angezogen, mein digitales Equipment in eine große Halle gestellt und Bilder von Regenbogen auf mich projiziert.“

Auch wenn Soko das als künstlerischen Kompromiss sieht, eine falsche Interpretation des Songs ist es nicht. Denn der hat nicht nur das Feiern der Queer-Community zum Thema, sondern auch die Gefühlswelt der Menschen im Allgemeinen: „Es geht auch um die Magie eines Regenbogens, den es nur gibt, wenn Sonne und Regen gleichzeitig da sind“, erklärt sie im Interview mit dem KURIER. „Das ist für mich die perfekte Parallele zu unseren Gefühlen: Die Magie des Glücklichseins kannst du nicht erfassen, wenn du immer glücklich bist. Das geht nur, wenn du das Auf und Ab des Lebens annimmst. Dann kannst du das Glücklichsein als Silberstreif am Horizont erkennen und dafür dankbar sein.“

Soko hat ihr heute erschienenes neues Album, das mit atmosphärischem Dream-Pop aufwartet, aus gutem Grund „Feel Feelings“ genannt. Denn bevor die Ex von Schauspielerin Kristen Stewart im November 2018 ihr erstes Baby zur Welt brachte, ging sie für eine Woche in eine Art Retreat, zog sich zurück, um mithilfe des Hoffmann-Prozesses mehr über sich selbst und ihre Gefühle zu lernen.

„Dabei geht es darum, dass man lernt sein Gehirn neu zu programmieren, um seine schlechten Angewohnheiten, Unsicherheiten und Ängste zu heilen“, erklärt sie. „Es geht darum, angelerntes Verhalten zu verlernen, das du als Kind von deinen Fürsorgebeauftragten mitbekommen hast, das als Erwachsener aber für dich nicht mehr stimmt und dein Leben behindert.“

Obwohl Soko zugibt, dass es in vielen Songs um das Scheitern ihrer Beziehung zu Stewart geht, verneint sie, dass sie aus diesem Grund in die Therapie ging. „Ich bin einfach nur daran interessiert, ein besserer Mensch zu werden. Jeder sollte das sein.“

Eigentlich war „Feel Feelings“ schon 2018 fertig. Doch dann wurde Soko schwanger, wollte eine Weile nur für Söhnchen Indigo Blue da sein und drehte die Filme „A Good Man“, „Mayday“ und „Little Fish“, die gerade fertiggestellt werden.

Und dann kam Corona. Soko verschob die Veröffentlichung ein weiteres Mal, von Frühjahr auf Juni. Dann noch einmal auf 10. Juli.

Das letzte Mal aber wegen der „Black Lives Matter“-Bewegung: „Es fühlte sich so falsch an, in dieser Zeit Promotion für mich selbst zu machen. Ich habe stattdessen Songs geschrieben und den Erlös für Basis-Projekte gegen Brutalität gegenüber Schwarzen gespendet. Ich glaube daran, dass sich jetzt wirklich etwas ändert. Denn wir alle haben unsere Smartphones, können Übergriffe filmen und anprangern. Wir werden die Täter nicht mehr davonkommen lassen.“

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