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Kultur
12/14/2018

So ist Raimunds „Der Bauer als Millionär“ im Theater in der Josefstadt

Wenn die Geister losgelassen, hat das Publikum auch viel zu lachen.

Weihnachten steht vor der Tür, und in vorweihnachtlicher Stimmung präsentieren sich auch die meisten Wiener Theater. So setzte etwa die Burg erst unlängst auf Alan Ayckbourns Komödie „Schöne Bescherungen“. Im Theater in der Josefstadt steht mit Ferdinand Raimunds „Der Bauer als Millionär“ nun ein „Romantisches Original-Zaubermärchen“ auf dem Spielplan. Und – das lässt sich nach der Premiere sagen – diese Produktion ist ein Fest für die ganze Familie.

Denn Regisseur Josef E. Köpplinger spielt das 1826 uraufgeführte Stück rund um den reich gewordenen Bauern Fortunatus Wurzel so, wie es Raimund geschrieben hat. Selbst die Musik von Joseph Drechsler bleibt fast unangetastet. Und dennoch hat Köpplinger auf Walter Vogelweiders praktikabler Drehbühne (die teils schrillen Kostüme stammen von Alfred Mayerhofer) dezent in einen zeitlosen Rahmen überführt. Denn Raimunds Botschaft „Geld allein macht nicht glücklich“ ist ja immer noch gültig.

Geistreich

Und so geht es drunter und drüber im Geister,-und Feenreich, wie auch auf Erden. Eine Leuchtschrift spielt permanent mit Worten wie „Geisterreich“, „Reich“, Geist“ oder „Geistreich“, ein fünfköpfiges Bühnenorchester (Musikalische Leitung und Arrangements: Jürgen Goriup) sorgt für den passenden Ton. Auch Köpplingers Personenführung überzeugt. Es geht stets schnell und zügig zur Sache, wobei jede einzelne Figur liebevoll-individuell geschildert wird.

Wandlungsfähig

Ein idealer Rahmen somit für die Darsteller, die diesen meist zu nützen wissen. Michael Dangl etwa wandelt sich als Fortunatus Wurzel überzeugend vom prassenden Säufer hin zu einem alten, gebrochenen Mann, der erst spät die wahren Werte im Leben erkennt. Sehr anrührend sein Abschied von der Jugend (stark: Theresa Dax). Großartig auch dank des so fabelhaften Wolfgang Hübsch der Eintritt des Alters in die Glamourwelt.

Und die vielen Geister? Die muss man einfach gern haben. An der Spitze Alexander Pschill, der als tollpatschiger Ajaxerle nicht nur perfekt schwäbelt. Oder Julia Stemberger, die ihrer Zufriedenheit eine große Noblesse verleiht. Und natürlich Martin Niedermair als köstlicher Neid. Dazu kommen noch Dominic Oley, Alexandra Krismer, Alexander Strömer, Patrick Seletzky, Oliver Rosskopf und Ljubiša Lupo Grujcic.

Die Menschenseite wird von Johannes Seilern und Paul Matić tadellos komplettiert; das junge Liebespaar ist bei Tobias Reinthaller (Karl Schilf) und Lisa-Carolin Nemec (Lottchen) sehr gut aufgehoben. Denn letztlich ist dieser „Bauer als Millionär“ auch ein Triumph des exzellenten Ensembles.

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