Kultur
07.05.2018

(Seelen-)Verwandte, die man sich aussuchen kann

Die Sammlung Friedrichshof zeigt die Ausstellung „Wahlverwandtschaften“ – mit exzellenten Künstlern.

Jonathan Meese, der große Wagner-Analytiker, als Künstler sein eigenes Gesamtkunstwerk, hat extra für diese Ausstellung im nördlichen Burgenland neue Bilder gemalt – kraftvoll und zutiefst theatralisch.

Sandro Kopp, der Maler, der auch als Animationszeichner erfolgreich ist, zeigt Menschen aus seinem Umfeld wie etwa Tilda Swinton und deren Facettenreichtum – mit präzisem Blick und in Rahmen, die er über Jahre hinweg aus Farbresten oder Haaren der Porträtierten geformt hat.

Von der Schauspielerin Lea Draeger sind überhaupt erstmals Werke öffentlich ausgestellt, Zeichnungen von Päpsten, in allen Ausformungen bis hin zu Superman, ironisch und zutiefst kritisch.

Sofia Goscinski, Bjarne Melgaard, Sabine Pigalle, Iris Schomaker, Erwin Wurm etc. – sie alle sind in dieser faszinierenden Schau im von Hubert Klocker geleiteten Friedrichshof vertreten. Mit Porträts, in Form von Bildern oder Skulpturen, mit Gesichtszügen oder gesichtslos, radikal heutig oder in der Analyse historischer Bilder ebenso zeitgemäß. Und in Bezug zu den Aktionisten Otto Mühl oder Hermann Nitsch gesetzt.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Denise Wendel-Poray, die Goethes gleichnamigen Roman als Basis für ihre Überlegungen nimmt. Dort geht es um Beziehungen zwischen Individuen, die chemisch determiniert sind.

Gleich im ersten Raum der klug zusammengestellten Schau, die alle Werke in ihrer Individualität, aber auch als Gruppe wirken lässt, begrüßt ein Bild einer Domina-Figur von Bjørn Melhus die Besucher und macht auf die Gefahren aufmerksam, die sich bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Verwandtschaft ergeben können. Was eint diese Porträts? Wie nahe sind sie verwandt? Wie stark bedingen Anziehung und Abstoßung einander? Und wie sehr ist der künstlerische Schaffensprozess ein völlig autonomer Akt oder doch determiniert?

Da man sich ja Verwandte bekanntermaßen nicht immer aussuchen kann, ist aber die subjektive Frage besonders interessant: Mit welchen Porträts geht man als Besucher selbst eine (Seelen-)Verwandtschaft ein?