© Seeed/Erik Weiss

Kultur
10/07/2019

Seeed propagieren humorvoll und tanzbar den Diskurs

Die Dancehall-Formation aus Berlin startet nach dem Verlust einer ihrer Sänger mit dem Album "Bam Bam" zum Comeback.

Nach dem Tod von Demba Nabé und sieben Jahren Pause veröffentlichen Seeed das Album „Bam Bam“.Ein Alternativangebot für „Kids, die sonst zu ,Prada, Prada, Gucci, Gucci, Koka, Koka, Bitches, Bitches’ abfeiern“ will die deutsche Dancehall-Formation Seeed mit ihrem fünften Studioalbum „Bam Bam“ bieten.


Damit feiern die Sänger Pierre „Peter Fox“ Baigorry und Frank Dellé mit ihren Freunden ein Comeback, das beinahe nicht zustande gekommen wäre. Denn im Mai 2018 verstarb überraschend der dritte Seeed-Frontmann Demba Nabé im Alter von nur 46 Jahren. Ein tiefer Einschnitt für die Band, deren elf Mitglieder seit der Gründung 1998 eng zusammengehalten haben.


„Es gab einen kurzen Moment, in dem wir uns überlegt haben, in dieser neuen Konstellation weiterzumachen“, erzählt Dellé. „Bei mir war relativ schnell ausgeräumt, dass das in Frage gestellt wird. Wir leben schließlich für die Musik und müssen dementsprechend weitermachen. Wenn ich nicht mehr da wäre, hätte ich definitiv nicht gewollt, dass die anderen nicht mehr weitermachen, weil sie mich und den Umstand, dass ich da war, dadurch ja weitertragen.“

So machten Seeed den Verlust und das Füllen der Lücke, die Nabé hinterlassen hat, zu „einem neuen Aufbruch“. Musikalisch bleiben die Berliner dabei weitgehend bei ihrem bewährten Sound und der allzeit ansteckenden, tanzbaren Mischung aus Dancehall, Reggae, Ska und Hip-Hop, klingen bei „Bam Bam“ aber frischer als auf dem Vorgänger „Seeed“ von 2012. Die neuen Texte sind aber deutlich direkter als bisher.

 

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„Je älter ich werde, desto wichtiger finde ich Texte, die weniger Verrenkungen haben“, erklärt Baigorry. „Dann kann ich sagen, was ich will und hundertprozentig dazu stehen. Es muss mit meinem Leben zu tun haben und einen unantastbaren realen Kern haben.“

Natürlich bleibt wie immer der Humor nicht auf der Strecke. Im Video zu dem von wummernden Bässen bestimmten „G€LD“ tanzen Baigorry und Dellé mit monströsen falschen Bäuchen durch ein Millionärsschloss und beklagen, dass Geld keine Liebe bringt.

 

Sozialkritik schwingt auch in „Komm In Mein Haus“ mit, wobei Baigorry die Deutung dieses entspannt dahin wippenden Songs bewusst offen gestaltet hat: „Darunter kann man verstehen, dass Flüchtlinge willkommen sind, aber auch ganz andere Leute, mit denen man erstmal nicht viel gemein hat. Grundsätzliche Gesprächsbereitschaft zwischen auseinanderdriftenden Gesellschaftsteilen finde ich super wichtig. Ich glaube, dass die sogenannten aufgeklärten, progressiven Großstadtbewohner auch viel verbockt haben. Dieses ,Wie wir drauf sind ist super geil und alle anderen sind dumme Trottel’ stößt ja auch ab und macht Probleme. Wir wollen vermitteln, dass es in jeder Hinsicht Potenzial für Verbesserung gibt.“

 

INFO

Seeed treten am 1. November in der Wiener Stadthalle und am 2. November in der TipsArena in Linz auf. Beide Konzerte sind aber seit langer Zeit ausverkauft.