© Kurier/Gilbert Novy

Kultur
11/02/2019

Seeed live in Wien: Den Speck weg und den Alltag abschütteln

Die Frontmänner Frank Delle und Peter Fox kamen bei der Comeback-Show ohne ihren verstorbenen Freund Demba Nabe gut zurecht.

von Brigitte Schokarth

„Oh Baby lass das Licht an, ich guck dich an, du guckst mich an“ schallt es zu einem entspannt dahin wippenden Reggae-Beat durch die Wiener Stadthalle. Das ist erst der vierte Song des Seeed-Konzertes, aber schon mögen auch die nicht mehr sitzen, die für einen Sitzplatz bezahlt haben. 

Locker und entspannt hat die Berliner Dancehall-Combo um die Frontmänner Peter Fox und Frank Delle das Comeback-Konzert mit „Ticket“, der ersten Single aus dem jüngsten Album „Bam Bam“ begonnen. Doch jetzt ist es Zeit, die Energie zu steigern. Seeed stimmen den Hit „Augenbling“ an und machen damit endgültig allen 14.500 Besuchern klar: Jeder Widerstand gegen den Live-Sound von Seeed ist zwecklos. 

Denn die zehnköpfige Band, die schon seit Gründung 1998 in derselben Besetzung zusammen ist und das übliche Rock-Instrumentarium mit Bläsern und DJ verstärkt hat, ist hervorragend eingespielt und hat noch dazu einen absolut klaren Sound. 

Auch dass Delle und Fox sich mit dieser Tour neu orientieren mussten, ist nicht zu merken. Im Mai 2018 starb nämlich der dritte Frontmann Demba Nabe, der auf der Bühne ein höchst aktiver Stimmungsmacher war.

Musikalisch fehlt er kaum, die Raps und Gesangspassagen haben sich die beiden gut aufgeteilt und für kleine Choreografien kommen immer wieder mal die Backingsänger nach vorne. Gelegentlich aber klafft in der Mitte der Bühne schon eine eigenartige Lücke auf, wenn Fox gerade nach links und Delle nach rechts geht. Gewollt ist das nur bei der Ballade „You & I“, die Seeed ihrem Freund widmen und seinen leeren Platz dabei mit einem Scheinwerfer beleuchten.

Doch für allzu lange Trauer ist kein Platz. Seeed zeigen, was man aus Dancehall alles rausholen kann. Sie erinnern mit dem poppigen „Komm In Mein Haus“ an Bob Marley, lassen bei „Dancehall Caballeros“ die Bässe so wuchtig durch die Halle wummern, dass man meint, in einem Techno-Club zu sein, und der Gitarrist soliert bei „Sie ist geladen“ (mit Rapperin Nura, die das Vorprogramm bestritten hatte) im Hard-Rock-Stil, und fügt sich damit trotzdem nahtlos in den Gesamtsound ein. Das tut auch „Schwarz zu Blau“, einer der Hits aus dem mit einem Orchester aufgenommen Rap-Solo-Album „Stadtaffe“ von Peter Fox

Schade ist nur, dass Seeed diesmal die souligen Einschübe, die die Show der vorigen Tour noch variantenreicher machte, weitgehend weglassen. Aber auch ohne die war es am Ende die perfekte Einstimmung auf das Wochenende, bei der man sich nicht nur (wie in einem Song gefordert) den Speck weg, sondern auch wunderbar den Alltag aus den Knochen schütteln konnte.

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