Zahlreiche One Direction-Fans warten bereits am Mittwochnachmittag auf den Einlass ins Stadion.

© APA/GEORG HOCHMUTH

Wienkonzert
06/10/2015

Schlange stehen für One Direction

Knapp nach 16 Uhr befanden sich bereits an die 8.000 Fans im Oval in der Leopoldstadt

von Georg Leyrer

Die grundlegendste Eigenschaft des Teenagerdaseins ist, auf niemanden zu hören.

Was also machen die Teenies, wenn man sich nicht in der Nacht vor dem Wiener One-Direction-Konzert beim Stadion anstellen darf?

Genau, sich beim Stadion anstellen. 250 Aludecken mussten in der Nacht auf Mittwoch herbeigebracht werden, um die bereits auf den Einlass wartenden Fans zu wärmen. Offizieller Anstellbeginn war acht Uhr, knapp nach 16 Uhr befanden sich bereits an die 8.000 Fans im Oval in der Leopoldstadt, die den Auftritt von Louis Tomlinson, Liam Payne, Niall Horan und Harry Styles nicht mehr erwarten konnten. Der Einlassbeginn verlief erfolgreich. „Es gab nur ein paar kurzzeitige Ohnmachtsanfälle“, hieß es. Insgesamt wurden 44.000 Tickets verkauft.

Bilder von Wien-Konzert

Fröhlich

"Sie singen, sind fröhlich, friedlich und diszipliniert", lobte ein Sprecher des Roten Kreuzes im Laufe des Vormittags die Fans.

Gesprächsstoff für die Wartezeit gab’s genug; Etwa, dass One Direction und das Ex-Bandmitglied Zayn Malik bei den Teen Choice Awards in der selben Kategorie nominiert sind, also gegeneinander antreten.

So fängt, wie ein Fan twitterte, der dritte Weltkrieg an.

Davor aber sollte noch ein Konzert der Superstars der Teenagerunterhaltung absolviert werden. Für das ganz junge Publikum gab es eigene Sitzplatzbereiche; das Mitbringen von Selfie Sticks war verboten; und im Stadion herrschte Alkoholverbot.

Für die begleitenden Eltern war es eine gute Gelegenheit, die Songs der Band einmal kennenzulernen. In Österreich hatte die Truppe – 46 Millionen verkaufte Tonträger – bisher noch keinen riesigen Charterfolg.

One Direction in Wien: Einstiegsdroge in den Pop

Auch wer findet, dass früher alles besser war: Die Liste der Gegenstände, die man nicht zum One-Direction-Konzert mitnehmen darf, ist origineller als die Verbote unserer Jugend. Keine Selfie Sticks! Keine Tabletcomputer! Das muss man den hauseigenen Teenagern mal klarmachen: Ohne Selfie Stick zum wichtigsten Popereignis des Jahres, was sollen wir dann auf Snapchat teilen?

Das wird Geschrei geben. Themenverwandt eine für die begleitende Elternschaft wohl wichtigere Info: Es herrscht Alkoholverbot.

Am Mittwoch gibt es also im Wiener Happel-Stadion ein wahrhaftiges Popevent. Vier schöne junge Menschen machen Musik, und die jüngsten Fans erleben einen jener Abende, die ihr Popverständnis prägen werden.

Dass es sich um nicht unbedingt weltbewegende Musik handelt, macht dabei gar nichts: Das haben alle vorhergehenden Generationen mit ihren ersten Popidolen auch schadensfrei überlebt.

Wer erinnert sich noch daran, wie wir alle über Take That gelacht haben?

Die aus den Klatschspalten auf die Stadionbühne herabgestiegene Band One Direction ist nun die aktuelle Einstiegsdroge in die Popmusik, mit allem, was dazugehört: Der Veranstalter warnt eindringlich davor, dass übereifrige Fans vor dem Stadion übernachten (die müssten weggewiesen werden).

Erst ab 8 Uhr am Mittwoch soll man anstehen; für die Klopause während des Wartens gibt es ein eigenes Nummernsystem. Es gelten Ausweispflicht und Jugendschutzbestimmungen, u. a.: unter zwölf Jahren nur mit erwachsener Begleitperson.

Phänomen

Die nach dem – für viele Fans weltweit – tränenreichen Abschied von Robbie Williams, äh, nein, Zayn Malik zum Quartett geschrumpfte Band ist mehr als ein Vehikel für den üblichen Hitparadenpop. Denn kaum ein neuer Act erreicht derart viele Fans, dass sich ein Stadionkonzert ausgeht. Die Band hat in nur vier Jahren mehr als 46 Millionen Tonträger verkauft und 94-mal in diversen Charts die Nummer eins erreicht.

Der Altersschnitt der Popacts, die in den vergangenen zehn Jahren Wiener Stadionreife bewiesen, dürfte dank One Direction radikal sinken. Statt Rockern im Pensionsalter treten nun also Musiker auf, die ihr Leben noch vor sich haben.

Wenn auch nicht ihre Karriere, wie Oasis-Keppelzahn Noel Gallagher meint ("die gibt es höchstens noch fünf Jahre"). Damit steht Gallagher nicht allein: Seit Maliks Abgang wird jeder schiefe Blick, den sich zwei Bandmitglieder zuwerfen, wild als Auflösungsvorzeichen diskutiert.

Das Wien-Konzert ist also eine gute Gelegenheit, das Phänomen Pop in seiner reinsten Form zu studieren. Rasch, bevor die Erinnerung an die Lieder der britisch-irischen Boyband verblasst.

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