© John Maher

Kultur
09/25/2019

Sänger Edwyn Collins: Glücklich trotz schwerem Schicksalsschlag

Der Singer/Songwriter spricht im KURIER-Interview über seine Genesung nach einem Schlaganfall und sein neues Album „Badbea“.

von Brigitte Schokarth

Nur vier Dinge konnte Edwyn Collins sagen, als er 2005 nach einem verheerenden Schlaganfall im Spital aufwachte: „Ja“, „Nein“, den Namen seiner Frau Grace und als einzigen Satz: „Die Möglichkeiten sind endlos!“

14 Jahre danach hat der Musiker seine Sprache wiedergefunden, gibt sogar Interviews. Das allerdings nur mit Grace, die „assistiert, wenn er das braucht“. Die beiden sind ein eingeschworenes Team, beenden die Sätze des anderen und machen deutlich, dass „Die Möglichkeiten sind endlos“ immer noch ihr Motto ist.

 

„Ich schätze mich tatsächlich glücklich“ sagt Collins. „Nur einer von 100 Leute überlebt diese Art von Schlaganfall, die ich hatte. Und die Verbesserung, die ich hatte: Ich kann wieder spazieren gehen, ich kann wieder sagen: ,Ich bin froh, am Leben zu sein’, anstatt es nur zu spüren. Und ich kann immer noch Musik machen.“

Das macht Collins, der mit der Band Orange Juice startete und solo mit „A Girl Like You“ einen Hit hatte, auf dem jüngsten Album „Badbea“ wieder hervorragend, beeindruckt mit großartigem Songwriting, Humor und einem perfekten Mix von Melancholie und Energie. Der 60-Jährige blickt dabei auf seine Kindheit und die aufregende Zeit mit Orange Juice zurück und singt kräftiger denn je.

Das Singen, erklärt Grace, war ohnehin das Erste, was wieder zurückkam: „Er konnte nach sechs Monaten im Spital immer noch nur wenige einzelne Worte sagen. Kurz bevor er entlassen wurde, durfte ich ihn für ein Abendessen aus dem Spital holen. Im Auto begann er ,Searching For The Truth’ zu singen, den Refrain eines späteren Songs. Ich war so glücklich.“

Sechs Monate war Collins damals im Spital, hatte neben dem Schlaganfall auch noch eine Infektion. Aber nie, sagt Grace, war er wegen seines Gesundheitszustandes depressiv oder wütend. „Ich war im Spital wütend, weil ich das gehasst habe“, fügt Collins hinzu. „Aber das war gut, das gab mir die Kraft rauszukommen. Danach war nur mehr Grace gelegentlich wütend.“

Die Fähigkeit zu sprechen, hat Collins mithilfe der sozialen Medien wiedererlangt. Heute ist nur mehr das Formulieren von langen Sätzen ein Problem.

„Einen Tweet zu tippen, hat Wunder dafür bewirkt, dass ich lernen konnte, diese Worte auch wieder auszusprechen“, sagt er. „Dafür bin ich extrem dankbar. Denn wenn du geistig klar bist, aber nicht sprechen kannst, fühlst du dich unglaublich isoliert. Das ist beängstigend.“

Nur das Gitarrespielen ist noch nicht zurückgekehrt. Collins kann zwar mit der linken Hand die Akkorde greifen, aber mit der rechten Hand keine Saiten anschlagen. Gelegentlich machen Grace oder ihr Sohn William das für ihn, während er die Akkorde greift. Meist schreibt er die Songs, indem er die Melodien in einen Mini-Kassettenrekorder singt. „Ich singe auch den Bass dazu und die Keyboard-Riffs. Das gebe ich den Musikern zum Nachspielen.“

In Therapie ist Collins nicht mehr. „Jetzt ist das Spazierengehen auf den Klippen in Schottland, wohin Grace und ich 2014 gezogen sind, meine Therapie. Und die Freude am Leben.“


„Ich bin dem Himmel nahe“ singt Collins auch in „It All Makes Sense To Me“, einem der berührendsten Songs von „Badbea“. Dabei lobt er ein Schicksal, mit dem die Meisten hadern würden. „Warum nicht? Ich bin glücklich, weil ich besser denn je weiß, was wichtig ist. Denn es stimmt: Man weiß nicht, was man hat, bis es einem genommen wird.“

Edwyn Collins auf Tour:

26. 9. Innsbruck/Treibhaus

27. 9. Salzburg/Rockhouse

28. 9. Linz/Posthof

30. 9. Wien/WUK

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