INTERVIEW: RUDOLF BUCHBINDER

© APA/ROLAND SCHLAGER / ROLAND SCHLAGER

Kritik
07/05/2021

Rudolf Buchbinder, Daniil Trifonov: Höchste Klavierkunst in Wien

Auftritte im Wiener Konzerthaus (Von Susanne Zobl).

Wie ein packender Roman in Fortsetzung: Rudolf Buchbinders Beethoven-Zyklus

Welches Potenzial jede von Beethovens Klaviersonaten in sich birgt – auch die frühen –, ließ Rudolf Buchbinder in Teil fünf seines Beethoven-Zyklus im Wiener Konzerthaus hören. Auf dem Programm standen die Sonaten Nr. 5, 12, 22 17 und 18.

Eigentlich müsste man die einzelnen Teile seiner Beethoven-Reihe Episoden nennen. Denn er führt die 32 Kompositionen nicht chronologisch auf. Er stellt durch seine virtuosen Interpretationen die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Werken dar und baut so seinen Zyklus wie einen Roman in Fortsetzung oder wie eine packende Netflix-Serie auf, die nicht nur durch ihren herausragenden Darsteller, sondern durch kluge Dramaturgie besticht. Dabei kann jede Folge auch als geschlossene Geschichte für sich betrachtet werden.

Ohne große Geste

Erfrischend, leicht begann er mit der Sonate in c-Moll, op. 10/1. Buchbinder brauchte keine großen Gesten, um die Bizarrerien dieser 15-minütigen Komposition hervorzuheben. Feingliedrig leuchtete er die Nuancen aus und verwies pointiert auf das berühmte Thema der 5. Symphonie. Den „Trauermarsch“ bei der darauffolgenden As-Dur-Sonate, op. 26, ließ er zur veritablen Hommage an einen Helden geraten und schlug den Bogen zur F-Dur-Sonate, op. 54. Die Teile zwei und drei des Opus 31 packte er schlüssig in einen Block. Atemberaubend schuf er bei der sogenannten „Sturmsonate“ in d-Moll Atmosphäre – manche Passagen klangen wie ein warmer Sommerregen –, stellte einzelne Töne in Höchstspannung düsteren Akkorden gegenüber.

Zum Feuerwerk an Virtuosität geriet die Sonate in Es-Dur. Mit der Zugabe, dem Finale der „Pathétique“, schloss Buchbinder bei diesem umjubelten Konzert genuin den Kreis. Susanne zobl

Absolutes Künstlertum: Klaviervirtuose Daniil Trifonov in Wien umjubelt

Mit seinen 30 Jahren zählt Daniil Trifonov zu den gefragtesten Pianisten unserer Zeit. Zu Recht, wie bei seinem Solo-Abend im vollbesetzten großen Saal im Konzerthaus zu erleben war. Ja, es gibt wieder Vollbelegung, und aus der Maskenpflicht wurde eine Empfehlung, die von gar nicht wenigen angenommen wurde.

Doch nun zum Wesentlichen: Mit der selten gespielten Sonate Nr. 3 in d-Moll von Karol Szymanowski – im Konzerthaus gab es erst zwei Aufführungen – nahm ein aufwühlender Abend seinen Anfang. Irisierende Klangfarben ließ Trifonov wie auf einem Gemälde in düstere Akkorde übergehen, changierte zwischen pointillistischen Skizzen und expressiven, ungestümen Passagen, die den Bogen zum Impressionisten Claude Debussy schlugen. Dessen „Suite: Pour le piano“ durchmischte er mit rhapsodischem Flair. Leichthändig brachte er die Toccata zum Schweben.

Grüblerisch

Bei Sergej Prokofjews „Sarkasmen“, op. 17, verwandelte er sich zum eloquenten Erzähler. Phänomenales Staccato, brillante Läufe wiesen den vorzüglichen Techniker aus, doch Trifonov hat weitaus mehr zu bieten. Das demonstrierte er etwa in den langsamen Passagen als grüblerischer Vermittler von Gemütsregungen. Das war absolutes Musizieren, absolutes Künstlertum! Da wurden Töne zur wahren Entfaltung gebracht.

Seine prosaische Lesart der Sonate Nr. 3 in f-Moll, op. 5, von Johannes Brahms durchwehte ein Hauch von Schumann. Elaboriert ließ er die symphonischen Motive durchscheinen. In den sanften Passagen war es, als liebkoste er mit seinen zarten Anschlägen die Tasten. Seine subtile Art der Melodieführung faszinierte. Sein umjubeltes Konzert beendete er mit drei Zugaben.

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