Ed Skrein und Mandy Moore in „Midway“ von Roland Emmerich. Der Film über die Wende im Pazifik-Krieg ist ab Freitag in den österreichischen Kinos zu sehen

© Constantin

Interview
11/03/2019

Roland Emmerich: "Krieg ist kein Computerspiel“

Der Regisseur über seinen neuen Film, den Klimawandel und warum er nie mit Tom Cruise arbeitet.

Roland Emmerich lässt es wieder krachen. Diesmal hat der deutsche Erfolgsregisseur in Hollywood keinen Katastrophenfilm gedreht, sondern einen Kriegsfilm um die Schlacht von Midway, die die entscheidende Wende im Pazifikkrieg brachte.

„Master of Desaster“ war lange Emmerichs Spitzname, weil er in seinen Kino-Filmen gerne Katastrophen ins Bild setzte und dabei sogar das Weiße Haus in Schutt und Asche legte. Einen Film über dessen jetzigen „Insassen“ zu machen, lehnt er aber strikt ab. Wie er überhaupt allen ans Herz legt, sich weniger mit Donald Trump zu befassen. Darüber hinaus hofft er sogar, dass es keinen Film über den US-Präsidenten geben wird, weil ihm jede Form von Präsenz als Publicity dienen könnte.

Die Schlacht um Midway ist schon mehrfach verfilmt worden, auch von Hollywood mit Charlton Heston. Es handelt von amerikanischen Soldaten, die 1942 – nachdem die USA in der Schlacht von Pearl Harbour von den Japanern besiegt worden waren – in neuerlichen Kämpfen um die Midway-Inseln die Wende im Pazifikkrieg einleiten.

Produziert wurde der Film von dem österreichischen Filmkomponisten und Drehbuchautor Harald Kloser, der zu „Midway“ auch den Soundtrack lieferte.

KURIER: Sie haben einen pro-amerikanischen Film über den Zweiten Weltkrieg, genau gesagt über Pearl Harbour, gedreht. Einen Film über einen Krieg, aus dem die US-Soldaten als Helden hervorgehen. Haben Sie da nicht die Sorge, dass man Ihnen so etwas wie Propaganda vorwerfen könnte?

Roland Emmerich: Nein, ganz im Gegenteil. Der Film zeigt ja über weite Strecken, dass die amerikanischen Soldaten in der Schlacht um Pearl Harbour die „Underdogs“ waren. Sie hatten schlechtere, Kriegsgeräte, schlechtere Flugzeuge und Schiffe als die Japaner – und zunächst auch die schlechtere Strategie. Ich finde es gut, wenn die Jugend von heute sieht, wie es in einem Krieg wirklich zugeht und wie viele Schwerverwundete und Todesopfer es zu beklagen gibt. In einer Zeit, in der so viele Regierungen – auch mehr oder weniger demokratisch gewählte – mit dem Ausbruch bewaffneter Auseinandersetzungen drohen oder liebäugeln, muss man den jungen Menschen zeigen, dass Krieg kein Computerspiel ist.

Und jetzt haben Sie „Midway“ mit chinesischem Geld gedreht – und die Chinesen waren in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ja auch erbitterte Gegner Japans. Wird Ihr Film in Japan überhaupt in die Kinos kommen?

Ja, sicher. Ich habe den Film japanischen Produzenten und Verleihern gezeigt und sie waren beeindruckt, dass ich die japanischen Soldaten nicht einfach als nur „Kanonenfutter“ zeige. Die Japaner kommen in „Midway“ fast genauso ausführlich zu Wort wie die Amerikaner. Ich zeige nicht nur, wie sie ihre Strategien entwickeln, sondern auch ihre Sorgen um die Schicksale ihrer Familien und auch ihre Angst um ihr eigenes Leben.

Es fällt tatsächlich auf, dass es Ihnen trotz der gigantischen Materialschlachten in der Luft, zu Lande und am Wasser die Menschen sehr wichtig sind. Es gibt viele Großaufnahmen von Gesichtern, die dem Zuschauer die einzelnen Charaktere nahebringen.

Es war mir vor allem auch wichtig, bei der Besetzung der Schauspieler sehr sorgfältig vorzugehen. Alle Gesichter sollten prägnant und unverwechselbar sein. Denn es ist für das Publikum ohnehin schwierig, bei Kampfszenen zu achten, wer gerade gegen wen kämpft. Es ist wichtig für die Empathie, die einzelne Figuren in uns wecken sollen, dass man auch ihren Gesichtern, die Gefühle lesen kann, die so ein Krieg auslöst.

Sie haben auch einige Stars besetzt, mit denen Sie bereits mehrmals zusammengearbeitet haben. Arbeiten Sie gerne mit Freunden oder ist es eher deren Appeal für das Publikum?

Diesmal waren es Dennis Quaid und Woody Harrelson, der heute auch ein persönlicher Freund ist. Er ist ein absoluter Profi vor der Kamera. Ich besetze immer sehr charakterorientiert. Schauspieler wie Tom Cruise habe ich nie gemocht.

Warum?

Wenn man eine Rolle mit ihm besetzt, weiß der Zuschauer von Anfang an, dass er gewinnt.

Ist ihnen die Glaubwürdigkeit Ihrer Filme wichtig?

Ja, absolut. Ich habe nie bloße Katastrophen-Filme gemacht. Es gab immer Komponenten, die für den Alltag oder gar die Existenz der Menschen wichtig sind. Bei „The Day After Tomorrow“ war es eine neue Eiszeit, die auf uns zukommt, ausgelöst durch die Menschheit selber. Ich habe die Klimaerwärmung aufgegriffen, als sie noch nicht ein großes Thema wie heute war.

Denken Sie schon darüber nach, wer in Ihren nächsten Filmen als feindliche Figur oder feindliche Institution infrage käme?

Ja, darüber habe ich schon nachgedacht. Es könnte ein Katastrophen-Film über das Bank- und Börsenwesen sein. Es gibt eine Theorie, wonach es 2025 weltweit zu einer ganz großen Krise kommt. Dieses Thema würde mich schon interessieren – eine Geschichte zu erzählen, von einer Investmentbank an der Wall Street, wenn die Welt untergeht und es dann zu Unruhen und Auseinandersetzungen kommt. Das wäre wie der Wilde Westen, wenn es so richtig abwärts geht.

Gabriele Flossmann

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