© Secession/Oliver Ottenschläger

Kunst
08/09/2021

Revolutionärer Aufmarsch in der Wiener Secession

In Dominique Gonzalez-Foersters Wimmelbild trifft Gustav Klimt auf Diego Rivera, Sgt. Pepper und viele andere: Bis 5. 9.

An der Epoche „Wien um 1900“, sagt Dominique Gonzalez-Foerster, hätten sie vor allem die „Reformkleider“ interessiert: Jene wallenden Gewänder, die etwa von Gustav Klimts Gefährtin Emilie Flöge gestaltet wurden und eine Abkehr von den Korsett-Normen der Zeit bedeuteten.

Ihre Idee, Bilder direkt auf Reformkleider zu platzieren und diese dem Ausstellungspublikum anzuziehen, ließ sich nicht realisieren – und so verpasste die französische Künstlerin dem Hauptraum der Secession ein „Reformkleid“ der anderen Art: Auf einem Panorama-Bild versammelte Gonzalez-Foerster Persönlichkeiten zu einem Demo-Marsch.

Reformgeist von heute

Vordenker der Geschlechterdebatte wie die Philosophin Judith Butler, Stars wie der Sänger Klaus Nomi, Künstlerkolleginnen Foersters wie Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl finden sich da. Mit „Black Lives Matter“- oder „Stop Asian Hate“-Transparenten sind weitere aktuelle Anliegen verewigt.

Die imaginäre Versammlung erinnert ein wenig an das Cover des Beatles-Albums „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, das einst vom Pop-Künstler Peter Blake gestaltet wurde. Gonzalez-Foersters direkte Anleihe ist aber das Wandgemälde „Traum von einem Sonntagnachmittag im Alameda Central“, einem Hauptwerk des Mexikaners Diego Rivera aus 1946-’47, in dem der Künstler revolutionäre Kräfte den beharrenden Eliten Mexikos gegenüberstellte.

Dominique Gonzalez-Foerster schloss die Bildidee mit Klimts „Beethovenfries“, zu sehen im Souterrain der Secession, kurz: Die Monstergestalt Typhoeus aus dem Fries wird hier von den Aktivisten übertrumpft. Die Künstlerin, die sich selbst im Gewand der Gorgonen aus dem Klimt-Fries im Bild versteckt, sieht ihren poppig-verspielten wie hintergründigen Massenauflauf als Ausdruck „non-binären Revolution“, in der Gegensatzpaare von Mann/Frau, Kultur/Natur, schwarz/weiß oder hetero/queer weggefegt werden.

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