Rasante Retro: Roadmovies im Filmmuseum

Das Österreichische Filmmuseum gibt zum Saisonauftakt spektakulär Gas: mit Teil 2 seiner Autokino-Retrospektive: "Drifter: 1974 bis 2007"

Sein Auto fühle sich zart wie Babyhaut an, sagte einmal David Hasselhoff alias Knight Rider.
Ja, ja das Auto. Es kann heilige Kuh sein, Freiheit und Flucht bedeuten, Zuhause und Fremde, ...

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Bild: Maria Schneider und Jack Nicholson in "Professione: Reporter" (1975) von Michelangelo Antonioni ... Subversion und Sex. Denkt man beim Film etwa an David Cronenbergs unvergesslichen Auto-Erotik-Film "Crash" (1996), der Sex und Autounfälle verstörend miteinander verknüpfte.
Letzterer steht auch auf dem gegenwärtigen Programm des Österreichischen Filmmuseums in der Wiener Albertina. 

Protese, Lack und Leder: Rosanna Arquette in "Crash" Schon vergangenes Jahr hatte man dem Roadmovie eine rasante Retrospektive gewidmet. Jetzt, zum Saisonauftakt, zeigt man den zweiten Teil der Schau: "Drifter: 1974 bis 2007". 

Bild: "Le Plein de super", 1975, Alain Cavalier Drifter heißt soviel wie Weltenbummler, Reisender ohne festes Ziel, Geisterfahrer. Und nein, es geht keineswegs nur um Fahren, Fahren und Fahren.

Bild: "Sans toit ni loi", 1985, Agnès Varda Die Schau (bis 5. Oktober) konzentriert sich auf europäische Filme und Blickwinkel – "auf ein nomadisierendes Kino der Streuner und Ausreißer, der romantischen oder existenziell motivierten Flucht- und Reisebewegungen" wie Filmmuseum-Chef Alexander Horwath es im Programm nennt.

Bild: "Messidor". 1979, Alain Tanner Und da reiht sich Meisterwerk an Meisterwerk; vereinen sich Autofilme mit Autorenfilmen zu brillanten Autoautorenwerken von Künstlern wie Wim Wenders, Chantal Akerman, ...

"Paris, Texas", 1984, Wim Wenders ... Theo Angelopoulos , Jacques Rivette und Werner Herzog (mit seinem großartigen, immer wieder anzuschauenden "Stroszek" (1977). 

Bild: "Le Pont du Nord", 1981, Jacques Rivette Jim Jarmuschs "Stranger Than Paradise" (1984) fällt zu diesem Thema jedem gleich ein und ja, der wird selbstverständlich auch gespielt. Ein anderer, auch nicht gerade Unbekannter sei noch besonders herausgehoben: Michelangelo Antonionis "Professione: Reporter" (1975), in dem ein Journalist (Jack Nicholson) auf dem Weg zu Widerstandskämpfern in der afrikanischen Wüste stecken bleibt und sich die Identität eines Toten aneignet. 
Bestürzende politische Fakten und Bilder einer Hinrichtung (als Film im Film) bilden da den Kontrapunkt zu einer utopischen Autofahrt durch eine Baumallee, wo sich die Kamera mit Maria Schneider im Rausch der Bewegung verliert. Scheinbar ganz im Gegensatz dazu stehen die Genre-Filme wie etwa der comichaft stilisierte "Mad Max II: The Road Warrior" (1982) des großen Regisseurs George Miller: Dort gerät Mel Gibson in einen Kampf um Benzin und unter wilde Biker-Barbaren, die wie in einem Western die Öl-Festung umzingeln. Hoch zu empfehlen ist auch Walter Hills meisterhaft reduzierter Action-Thriller "The Driver" (1978), in dem Ryan O’Neal mit Kofferradio und Country-Musik am Ohr einen wortkargen Fluchtfahrer spielt. Obsessiv gejagt von Polizist Bruce Dern. Isabelle Adjani ist The Player, die Frau zwischen ihnen.

Bild: "The Driver", 1978, Walter Hill 


Jüngster Film im Programm ist der vier Jahre alte "Into the Wild", die visuell eindrucksvolle Regiearbeit von Sean Penn basierend auf einem Roman von Jon Krakauer. Ein junger Mann (Emile Hirsch) bricht da nach seinem College-Abschluss in die Wildnis auf, auf einer "Straße, die immer schon in den Westen geführt hat". Selbstsuche in berauschenden Naturpanoramen. Jüngster Film im Programm ist der vier Jahre alte "Into the Wild", die visuell eindrucksvolle Regiearbeit von Sean Penn basierend auf einem Roman von Jon Krakauer. Ein junger Mann (Emile Hirsch) bricht da nach seinem College-Abschluss in die Wildnis auf, auf einer "Straße, die immer schon in den Westen geführt hat". Selbstsuche in berauschenden Naturpanoramen. Drifter. Road | Movie: 1974 bis 2007
1. September bis 5. Oktober 2011

Österreichisches Filmmuseum, Augustinerstraße 1, 1010 Wien (im Gebäude der Albertina)

Infos/Tickets: Tel. 01/533 70 54


Bild: "Route One/USA", 1989, Robert Kramer Das Autorenkino ist in der Filmreihe des Filmmuseums stark vertreten: Von Wim Wenders ist neben "Paris, Texas" auch "Im Lauf der Zeit" (1976) zu sehen, mit einem jungen Hanns Zischler (Bild), ... ... sowie "Alice in den Städten" von 1974. "Jesus' Son", 1999, Alison Maclean "Something Wild" (1986) von Jonathan Demme - mit Ray Liotta. "Candy Mountain" 1988, Robert Frank, Rudy Wurlitzer Auch eine kritische Sicht auf die Gesellschaft lässt sich über die Straße erkunden. In den sogenannten "Road Movie-Essays".


Bild: "The United States of America", 1975, James Benning, Bette Gordon Von US-Autorenfilmer Gus Van Sant sind zwei zentrale Frühwerke zu sehen: "Drugstore Cowboy" (1989) mit Matt Dillon und Kelly Lynch, sowie ... ... "My Own Private Idaho" (1991), in dem River Phoenix und Keanu Reeves zwei Stricher in Oregon spielen. Wie im Programmheft des Filmmuseums hervorgehoben wird, nehmen diese beiden Filme "mit ihrem magischen Realismus" die Ära der Post-Roadmovies vorweg. Zu dieser Kategorie zählen auch Christian Petzolds "Pilotinnen" (1995) und ... ... Vincent Gallos elegische Reise ins Nichts - "The Brown Bunny" (2007). Monumentale Odyssee: Christian Schochers 
"Reisender Krieger" (1981) zeigt einen Handelsreisenden namens Krieger, der für die Kosmetikfirma Blue Eye unterwegs ist und sehr eigenwilligen Menschen begegnet.
(KURIER, KURIER.at / Veronika Franz, tem) Erstellt am
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