Strasser: Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende des derzeit „bestgeprüften“ Theaters

© APA/GEORG HOCHMUTH

Burgtheater
01/09/2015

Abgesichert statt insolvent

Aufsichtsratschef Christian Strasser tritt zurück und zieht positive Bilanz

Zu einer eher ungewöhnlichen Pressekonferenz bat der Aufsichtsratsvorsitzende des Burgtheaters, Christian Strasser, am Freitag. Ungewöhnlich deshalb, weil sich Mitglieder des Aufsichtsrats üblicherweise in der Öffentlichkeit selten zu Wort melden – und auch deshalb, weil das Burgtheater im Februar ohnehin traditionsgemäß Aus- und Rückblick hält.

Strasser, der erst vor einem Jahr bestellt wurde, kündigte seinen Rücktritt als Aufsichtsratschef an – und zog sozusagen Bilanz über ein Jahr Strasser. Kurzzusammenfassung: "Das Burgtheater ist wieder stabilisiert, der Betrieb ist abgesichert, auch Dank der Arbeit von Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann und Geschäftsführer Thomas Königstorfer." Die Situation vor einem Jahr – nach dem Auffliegen des hausinternen Finanzskandals – sei dramatisch gewesen, das Haus knapp vor der Insolvenz gestanden.

Die Eckdaten der aktuellen Situation: Durch ein Maßnahmenpaket seien in der laufenden Saison vier Millionen Euro eingespart worden (Mehreinnahmen beim Kartenverkauf; Einsparungen bei Personal-, Sach- und Produktionskosten). Die nötige "Luft" habe man durch den Verkauf der Probebühne (die auf 20 Jahre "zurückgeleast" wird) um 7,5 Millionen Euro und einen mit 1,05 Prozent verzinsten Kredit von fünf Millionen bekommen.

Die noch über dem Haus schwebenden Damoklesschwerter (Ex-Direktor Matthias Hartmann klagt auf Weiterbeschäftigung, es geht um bis zu zwei Millionen Euro, außerdem drohen hohe Steuernachzahlungen) seien durch Rücklagenbildung, bei der die Holding geholfen habe, entschärft.

Zudem rechnet man nur noch mit einer Million an Steuerforderungen statt zwei oder fünf Millionen, wie bereits kolportiert: Unterlagen und Belege im Ausmaß von 20 Millionen Euro seien gefunden bzw. "nachrekonstruiert" worden.

Budgets und Besuch

Strasser zeigte sich beeindruckt über die Qualität der Zusammenarbeit: Die Budgets für 2014/2015 und 2015/2016 seien bereits beschlossen. Hinter der Kulissen wird Strassers Bilanz als, vorsichtig formuliert, sehr optimistisch angesehen: Von einer Entwarnung könne frühestens in einem Jahr die Rede sein. Es gebe noch viel zu viele offene Punkte.

Burgdirektorin Karin Bergmann bedankte sich beim treuen Publikum der Burg. Obwohl es in der laufenden Saison drei Premieren weniger gebe, liege die Auslastung bei 80 Prozent. Sie befinde sich in guten Gesprächen mit Kulturminister Josef Ostermayer über eine Inflationsabgeltung bei den Subventionen. Bergmann äußerte sich erfreut über eine erste finanzielle Unterstützung durch den neuen Förderverein und über die Bereitschaft von Regisseuren, zu schlechteren finanziellen Konditionen zu arbeiten.

Charlie

Zu Beginn der Pressekonferenz nahm Bergmann auch zu den Mordanschlägen auf eine Pariser Redaktion Stellung: "Wir solidarisieren uns mit Charlie!" Es werde im Haus diskutiert, wie und ob das Theater auf die Anschläge reagieren solle. An aktuelle Auswirkungen auf den Spielplan sei nicht gedacht, dieser befasse sich ohnehin kritisch mit den Fragen der Zeit.

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