Kultur
16.09.2018

"Presse"-Kommentar über ESC-Siegerin: Presserat belässt es bei Brief

Verletzende Worte des langjährigen und mittlerweile verstorbenen "Presse"-Herausgebers Thomas Chorherr ließen die Wogen hochgehen.

Der Presserat wird kein Verfahren wegen der Kolumne "Kann man anders hässlich sein? Was uns der Song Contest lehrt" einleiten, die am 22. Mai auf der Webseite der Presse erschienen ist. 

Obwohl Passagen aus dem Kolumnentext von dem Kontrollorgan als "persönlichkeitsverletzend im Sinne des Punkt 5 des Ehrenkodex für die österreichische Presse" eingestuft werden, habe der Senat beschlossen, diese Angelegenheit nicht in einem Verfahren weiterzuverfolgen. Der Hintergrund dafür sei, dass Thomas Chorherr, der Autor der Kolumne, vor kurzem verstorben ist. Das verlautbarte der Presserat auf seiner Webseite, wie auch der Standard berichtete.

"Jenseits aller Ideen zuwider"

Die Kolumne Chorherrs beschäftigte sich mit der israelischen Gewinnerin des diesjährigen Song Contest 2018. Chorherr, der langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der Tageszeitung war, äußerte sich darin sehr kritisch zum Aussehen der Sängerin Netta Barzilai und meinte unter anderem: "Sie war hässlich. Sie war dick. Sie war jenseits aller Ideen zuwider. Sie war abgrundtief schiach." Mehrere Beschwerden seien eingegangen, in denen der Text als "verletzend, rassistisch, antisemitisch und frauenfeindlich" eingestuft wurde, berichtet der Presserat.

Der Senat könne diese Kritik prinzipiell nachvollziehen, heißt es in einem Brief an Presse-Chefredakteur Rainer Nowak, den der Presserat nun veröffentlicht hat. Das Kontrollgremium verwies dabei auf aktuelle Debatten zum Thema "Body-Shaming", eine Form der Diskriminierung und Beleidigung von Menschen aufgrund ihres Äußeren.

In dem Brief fordert der Senat Nowak auf, "entsprechende redaktionsinterne Maßnahmen zu setzen, damit derartige diskriminierende und persönlichkeitsverletzende Formulierungen in Zukunft unterbleiben".

Die Kolumne war zuletzt noch online verfügbar.