Marcus Mumford über sein Comeback: „Ich weigere mich, Pessimist zu sein“
„Ich bin ein Fan von Martin Luther King. Ich denke, dass wir immer zu Gerechtigkeit neigen, dass wir nur hin und wieder einen kleinen Stoß in diese Richtung brauchen und gerade in einer der Phasen sind, wo wir das brauchen.“
Marcus Mumford, Sänger und Hauptsongwriter der britischen Indie-Folk-Band Mumford & Sons, erzählt das im KURIER-Interview, weil es ihm wichtig war, in jeden Song des am Freitag erscheinenden Albums „Prizefighter“ Botschaften der Hoffnung zu packen: „Ich weigere mich, Pessimist zu sein. Mit all dem Mist, der zurzeit in der Welt abgeht, wäre es leicht, pessimistisch zu werden. Aber ich bin ewiger Optimist. Ich glaube, dass in jedem Menschen Gutes steckt.“
Er kenne so viele Beispiele dafür, erklärt er weiter: „Wir haben sehr enge Freunde – sowohl in Amerika als auch im Heiligen Land. Sie sind in einer schlimmen Situation, und ich bin so inspiriert von den Storys, die sie über Leute erzählen, die trotzdem die Kapazität haben, zusammenzukommen, und sich weigern, sich von einer pessimistischen Einstellung davon abhalten zu lassen.“
Diesen Storys jagt Mumford bewusst nach, indem er auf „Zuhör-Trips“ geht, bei denen er sich aus dem Leben anderer erzählen lässt. Sie spielen speziell in die „Prizefighter“-Perlen „Conversation With My Son (Gangsters And Angels)“ und „Begin Again“ hinein. In anderen Highlights wie „Rubber Band Man“ (mit Hozier als Gaststar) oder „Here“ und „Run Together“ besingt Mumford, der seit 2012 mit der Schauspielerin Carey Mulligan verheiratet ist, die Liebe.
Nach der Krise
Mit dem Sound von vorwiegend akustischen Instrumenten, dem Banjo und dem bestechend perfekten, vielstimmigen Gesang schließen Mumford & Sons an die Zeiten an, als sie ab Ende 2009 mit dem Debüt-Album „Sigh No More“ und dem zweiten Longplayer „Babel“ die Welt erobern konnten. „Prizefighter“ ist ein unaufdringliches, verspieltes Werk, das mit einprägsamen Melodien glänzt.
Es hat gute Gründe, dass die mittlerweile zum Trio geschrumpfte Band mit „Prizefighter“ auf einem neuen Schaffenshöhepunkt angekommen ist. Schon vor einem Jahr starteten Marcus Mumford, Keyboarder Ben Lovett und Bassist Ted Dwane nach sieben Jahren mit dem Album „Rushmere“ das Comeback. Der Sänger sagt, dass er nach der Krise, die bei der Tour 2019 begann, jetzt „mehr Freude denn je“ daran habe, in der Band zu sein.
Damals war er ausgebrannt, litt an Depressionen und kompensierte das mit viel zu viel Alkohol und ungesundem Essverhalten. Die Pandemie zwang die Band zur Pause. Mumford ging in Therapie, schaffte den Entzug und veröffentlichte 2022 ein Solo-Album. Schon davor, 2021, stieg Banjo-Spieler Winston Marshall nach einer heftigen Kontroverse um eines seiner Internet-Postings aus der Band aus. Er hatte ein Buch des umstrittenen, rechtsgerichteten Autors Andy Ngo gelobt. Es folgte ein Shitstorm, der sich auch gegen die anderen Bandmitglieder richtete. Um sie zu schützen, sagte Marshall damals, habe er sich entschieden, Mumford & Sons zu verlassen.
Im KURIER-Interview will sich das verbliebene Trio dazu nicht äußern: Man habe beschlossen, nur mehr nach vorne zu schauen, ist der Leitsatz dazu. Marcus Mumford erklärt aber gerne, warum er jetzt wieder so viel Spaß an seiner Band hat: „Es ist eine zweite Chance. Als wir 2023 wieder zusammenkamen, haben wir unsere Gelübde erneuert, dass wir uns in den nächsten Jahren ganz dieser Band widmen und hart arbeiten wollen.“
Andere Gründe für den unverkrampften, herzerwärmenden Sound von „Prizefighter“ sind möglicherweise, dass diese Songs gar nicht für ein Album gedacht waren und Mumford & Sons dafür ohne bestimmtes Ziel mit ihren besten Freunden musiziert haben. „Wir waren mit ‚Rushmere‘ fast fertig“, erklärt Ben Lovett. „Wir hatten aber einige Songs, die da nicht reingepasst haben. Als wir ‚Rushmere‘ dann in New York abmischten, kam Aaron Dessner rein. Wir spielten ihm ein paar dieser übrig gebliebenen Songs vor, er liebte sie und sagte, ich habe auch einige, bei denen ich an euch gedacht habe. Wir haben das alles aufgenommen, und auf einmal arbeiteten wir an einem zweiten Album.“
Auch Gracie Abrams ist darauf vertreten. Mumford nennt sie „die gute Fee“ des Albums: „Sie hat sich die Demos angehört und uns wertvolles Feedback gegeben. Das war, als hätte sie diese Songs mit ihrem Zauberstab berührt. Wir lieben sie über alles.“
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