Kultur
25.08.2018

Peter Henisch: Lieber gegen Unmenschen anschreiben

"Siebeneinhalb Leben" ist Werbung für einen alten Roman und für die kommende Autobiografie des Wieners.

„Siebeneinhalb Leben“ hat nur rund 120 Seiten, aber ist kein „schmales Bändchen“: Peter Henisch (Bild oben) hasst diese „Kritikerfloskel“, und er soll hier  nicht geärgert werden – übermorgen, Montag, wird er 75.
Außerdem wiegt „Siebeneinhalb Leben“ um einiges mehr als dicke Bücher (freilich auch dicke Bücher von ihm) ... geht es doch, auf orignelle. trickreiche, auf weise Weise auch um den Vorwurf:
Wie kann denn jemand seine unnötige Autobiografie schreiben – wann er auf den Kahlenberg geradelt ist, wann er die erste Schreibmaschine gekauft hat –, wenn es doch heute darum gehen MUSS, gegen den sich manifestierenden Antisemitismus, den Rassismus, gegen die Unmenschlichkeit anzuschreiben?

Mitspielen

Henisch arbeitet tatsächlich an seiner Autobiografie. Und weil es dauert, hat  er  in „Siebeneinhalb Leben“ zwischendurch darüber geschrieben, wie er seine Autobiografie schreibt ...
Eitel fürwahr.
Aber, man würd’s ja anfangs gar nicht glauben,  sehr interessant.
Darauf einlassen will man sich und mitspielen.
Er sitzt also im Türkenschanzpark und notiert  Erinnerungen an die Jugend, da stellt sich ein Mann vor, Max Stein, und beschwert sich: Ungefragt habe der Autor sein Leben erzählt: in „Steins Paranoia“.
Da kann man nur ins nächste Taxi flüchten. Die Figur des Max Stein in Henischs (kurzem und wenig erfolgreichem)  Roman aus dem Jahr 1988 war eine Erfindung. Wesentlich war, dass ein Jude, es war zur Zeit Waldheims, beschimpft wurde und sich danach vor der Welt versteckte.
Der Max Stein aus dem Park will einige Korrekturen – 30 Jahre danach!  –, und wenn das nicht möglich ist, will er gemeinsam eine Fortsetzung schreiben. Das sei wichtiger als süße Lebenserinnerungen.
So macht „Siebeneinhalb“ Werbung für „Steins Paranoia“ (14,90 €) und Werbung für Henischs kommende Autobiografie, und zum Kriminalfall wird der Roman auch noch.

 

 

Peter Henisch: „Siebeneinhalb
Leben“
Deuticke Verlag.
128 Seiten.
18,50 Euro.

KURIER-Wertung: ****