Kultur
05.12.2011

Peter Alexander: Die Leinwandkarriere

Teil 4 der KURIER-Serie: Peter Alexanders Ehefrau Hilde führte ihn, oft gegen seinen Willen, von einem Erfolg zum anderen.

Peter Alexander hatte bereits seine ersten Platten aufgenommen, als er zu einem Schlagerwettbewerb nach München fuhr. "Ich war völlig unbekannt", erzählte er, "während sich Spitzenstars wie Vico Torriani und Cornelia Froboess einfanden, neben denen ich mich als Außenseiter fühlte."

Seine Plattenfirma wollte ihn mit dem Lied "Der alte Stiefel" ins Rennen schicken", doch Ehefrau Hilde protestierte: "Damit hast du keine Chance, da schlafen dir die Leute weg", sie schlug stattdessen den Schlager "La bella, bella musica" vor.
Da Peter es nicht wagte, dem Produzenten zu widersprechen, kam es zur ersten Ehekrise. Er beugte sich Hildes Wunsch - und von da an bestimmte sie, wo's langgeht, denn er gewann mit "La bella, bella musica" den Wettbewerb, wurde über Nacht bekannt und feierte seinen Durchbruch im Showgeschäft.

Suche via Interpol

Franz Antel nützte die Gunst der Stunde und engagierte den neuen Star 1954 für die Hauptrolle seiner Filmkomödie "Verliebte Leute". Da die Alexanders zu diesem Zeitpunkt jedoch die Flitterwochen nachholten und niemand wusste, wo sie waren, ließ der Regisseur seinen künftigen Star via Interpol suchen - gefunden hat er ihn dann aber durch einen gemeinsamen Freund in Grado. Die Flitterwochen wurden abgebrochen, Peter Alexander kam ins Studio.

Nicht alleine, denn Hilde war dabei. Und mischte sich schon am ersten Drehtag in Antels Regiearbeit ein, was dieser sofort stoppte. "Sie hatte in dieser Ehe eindeutig die Hosen an", erzählte er, "vor allem lag die Auswahl der Film-Partnerinnen in ihrer Hand. Harmlose, liebe Mädel wie die Waltraut Haas waren kein Problem. Da war der Peter sicher und völlig ungefährdet. Aber Sexbomben wären nicht infrage gekommen, da hätte Hilde sofort ein Veto eingelegt." Die einzige Ausnahme war der Film "Das Liebeskarussell", den Alexander 1965 an der Seite von Anita Ekberg drehte, nachdem es Regisseur Axel von Ambesser gelungen war, Hilde Alexander bei mehreren Glas Rotwein zur Zusammenarbeit ihres Mannes mit der größten Sexbombe dieser Zeit zu überreden.

Seit Mitte der 50er-Jahre drehte Alexander einen Film nach dem anderen, mehr als 50 sollten es insgesamt werden. Zuerst spielte er kleine Rollen, dann größere, ehe er zur Nr. 1 der Unterhaltungsbranche wurde. Dabei wollte er selbst vom Film nichts wissen, da den Schöngeist das stundenlange Warten nervte, bis die nächste Szene drehreif war. Er konnte es sich aber auch bald leisten, so manches Filmangebot abzulehnen, da er mit seinen Plattenaufnahmen viel Geld verdiente.

Flugangst

Auch der Produzent Carl Spiehs erkannte das Talent des singenden Charmeurs und versuchte ihn für den Film "Bel Ami 2000 oder Wie verführt man einen Playboy?" zu engagieren. Doch Peter Alexander wollte nicht, "da die Dreharbeiten in Rom, Paris und Tokio waren und er unter großer Flugangst litt". Mit Hildes Hilfe gelang es Spiehs dann doch, ihn zu diesem Film zu überreden, der auch ein Renner wurde.

"Das Geheimnis des großen Erfolgs beim Filmschauspieler Peter Alexander ist, dass er überhaupt kein Filmschauspieler ist", meinte der Regisseur Géza von Cziffra, der mit ihm ein Dutzend Kassenschlager drehte, darunter die "Graf Bobby"-Schwänke, "Charleys Tante" und "Die Fledermaus". Alexander, sagte Cziffra, "hat sich immer nur selbst gespielt. Er war auch vor der Kamera immer der nette, reizende Bursche, der er auch im Leben ist."
Mit Caterina Valente entstanden "Liebe, Tanz und 1000 Schlager" und "Bonjour, Kathrin". Dass es zu keinen weiteren Filmen des Traumpaares kam, lag laut Insidern an Hilde Alexander, die an den Plattenmarkt dachte und verhindern wollte, dass nur Duett-Platten verkauft würden. Also empfahl sie Peter: "Warum immer als Partner der Valente? Wir probieren es allein!" Hilde sollte recht behalten - und die doppelten Verkaufserlöse erzielen.

Furcht vor Hilde

Kein Wunder, dass Hildes Vertragsverhandlungen bald gefürchtet waren. "Sie trieb Peters Gage innerhalb von fünf Jahren auf das Sechsfache", verriet Cziffra. Dazu kamen enorme Tagesdiäten und prächtige Villen, in denen die Alexanders an den Drehorten wohnten. "Peter stellte auch prinzipiell keine Anzüge zur Verfügung, die mussten alle neu angefertigt werden. Er übernahm sie dann nach den Dreharbeiten zu einem Drittel der Kosten."
Was er mit all den Anzügen anfing, blieb Cziffra unklar: "Privat trug er immer nur Sporthose und Pullover. Es würde mich nicht wundern, wenn Hildchen die Anzüge weiterverkauft hätte."

Auch wenn Alexander nun extrem teuer war, kam es zwischen den Regisseuren Antel und Cziffra zu regelrechten Kämpfen, wer mit ihm den nächsten Film drehen durfte. "Ich hätte gerne mit Peter weitergearbeitet", erklärte Antel, "aber Cziffra hat ihn geradezu vereinnahmt. Es waren nette Lustspiele mit Gunther Philipp, aber völlig unbedeutend, seine Karriere war im wahrsten Sinne des Wortes eine komische Karriere, Peter hätte mehr gekonnt, hat sich aber zu wenig zugetraut. Zu ,Peter dem Großen' ist er erst durch TV-Shows und gigantische Konzerte geworden, nicht durch schauspielerischen Leistungen."
Nach "Charleys Tante" im Jahre 1963 zog sich Peter Alexander weitgehend aus dem Filmgeschäft zurück, da sich die Drehorte mehr und mehr in Richtung Bett verlagerten. Seinen letzten Spielfilm "Hauptsache Ferien" drehte er 1972 unter der Regie von Peter Weck. Hilde konnte da nicht widerstehen, hatte sie doch für vier Wochen Drehzeit die Supergage von 400.00 DM ausgehandelt.
Zu diesem Zeitpunkt war er längst der große Star der Fernsehunterhaltung.

Lesen Sie in Folge 5:
Fernsehstar und Quotenkaiser