"Parsifal": Welchen Wunders abstraktes Musikglück

Ein Dirigent mit Brille und lockigem Haar dirigiert ein Orchester.
Kritik: Franz Welser-Möst analysiert an der Wiener Staatsoper Wagners "Parsifal" durch.

In Trauer und Trümmer/ stürz’ er die trügende Pracht", singt Parsifal, mit dem wiedererlangten Speer in der Hand. Und das ist wohl die entscheidende Stelle für jene Deutung von Wagners Bühnenweihfestspiel, die derzeit an der Wiener Staatsoper (wieder) zu erleben ist: In vielen Details löst Christine Mielitz’ "Parsifal"-Inszenierung die Oper als Absage an die Illusion auf, an die politische, religiöse, aber auch künstlerische Illusion.

Man sieht zuletzt hinter die Kulissen der Oper – und weiß: Bei aller Bildmacht war es nur ein Spiel.

Auch musikalisch wird derzeit hinter die Kulissen geblickt: Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst hat Wagners letzte Oper offen gelegt. Oft lässt sich erleben: Wird "Parsifal" nicht unter Kontrolle gehalten, dann landet man schnell im entrückt-mäandernden Wagner-Wohlklangbad, im ortlos-weltabgewandten Dahintreiben. Das hat Welser-Möst auf die nachhaltigste Art vermieden: Der Dirigent agiert hier fast schon als Tontechniker, der die Regler am Orchester-Mischpult fest in Händen hält. Und an diesen auch kräftig rührt: So stellt Welser-Möst jene abstrakten Stolpersteine heraus, die sich sonst im gefälligen Klangfluss verbergen; er zeigt deutlichst, dass Wagner bei seiner letzten Oper das 20. Jahrhundert ins Visier – und vieles schon vorweg genommen hat, was die Musikwelt später umkrempeln sollte. Mit wenigen Worten: Es ist kein leicht verdaulicher, sondern ein überaus spannender, durchanalysierter "Parsifal", der Aufmerksamkeit reich belohnt (und den kleine Unsauberkeiten im Orchester kaum trüben konnten).

Sänger

Und es ist auch ein schwieriger "Parsifal", gilt es doch, mit der überaus luxuriös besetzten Wagnerjahr-Spielserie des Vorjahres mitzuhalten. Man bot hierfür einiges an Sängerkraft auf, nicht alles wurde aber eingelöst. Bewährt kraftstrotzend Johan Botha in der Titelrolle, der zwar manche ursprünglich Inszenierungsvorgabe neu interpretierte, aber vor allem im zweiten Aufzug hervorragend sang. Peter Rose war im dritten Aufzug dann jener tragende Gurnemanz, den man sich erhofft (und den man im ersten Aufzug vermisst) hat, Matthias Goerne kein überwältigender Amfortas, Boaz Daniel ein wenig furchteinflößender Klingsor, Andreas Hörl ein kaum hörbarer Titurel. Waltraud Meier als Kundry bleibt ein herausragendes Erlebnis.

KURIER-Wertung:

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