Schwerpunktkomponist der diesjährigen Ausgabe von Wien Modern: Peter Eötvös.

© APA/BARBARA GINDL

Ein paradiesisches Gedankenexperiment
10/27/2013

Ein paradiesisches Gedankenexperiment

"Paradise Reloaded (Lilith)": Erfolgreiche Eötvös-Uraufführung im Museumsquartier.

Was wäre geschehen, wenn unsere abendländische Kultur Adams erste Frau, die gleichberechtigte Lilith, und nicht die untertänige Eva zur Ahnfrau der Menschheit erwählt hätte? Dieser Hypothese geht Peter Eötvös in seiner neuen Oper „Paradise Reloaded (Lilith)“ nach, die jetzt von der Neuen Oper Wien im Rahmen des Wien Modern Festivals im Museumsquartier uraufgeführt wurde.

Eigentlich wollte der erfolgreiche ungarische Komponist ja nur seine Oper „Die Tragödie des Teufels“ aus 2010 einem Relaunch unterziehen. Doch nach Umarbeitung des Librettos von Albert Ostermaier entstand eine völlig neue Geschichte, die Lilith in den Mittelpunkt stellt, zu welcher Eötvös eine völlig neue Musik komponierte: In seinem typischen Stil, in einer teils reduzierten, dann wieder komplexen Tonsprache, mit viel Perkussivem, untermalenden Klängen, schneidend schrill und Ausbrüchen, eben immer theatralisch auf das jeweilige Geschehen fokussiert. Sie wird von Walter Kobéra am Pult des groß besetzten amadeus-ensemble Wien mitreißend und konzentriert umgesetzt.

Gesungen wird exzellent und wortdeutlich mit Mikros, was zusätzliche Effekte erlaubt: Annette Schönmüller ist eine sehr erotische, expressive Lilith. Rebecca Nelsen singt Eva mit reinstem Sopran, mit allen extremen Höhen und Tiefen. Eric Stoklossa ist ein geschmeidiger Adam, David Adam Moore ein viriler Lucifer. Auch die kleineren Partien singen tadellos.

Der Plot und die Sprache wirken sehr bedeutungsschwer und nihilistisch. Johannes Erath hat sie packend, symbolstark und dicht inszeniert. Vor einer Tribüne mit immer wieder eingesetzten Neonröhren und mehreren kleineren schiefen Ebenen (Ausstattung: Katrin Connan) führt Lucifer das erste Menschenpaar durch die Geschichte, um ihnen das missratene Experiment Gottes vor Augen zu führen. Bedeutet das Ende – Adam entscheidet sich wieder für Eva – einen Neubeginn für alle Beteiligten?

KURIER-Wertung:

Nächste Vorstellungen: 29. und 31. Oktober, 1. November.www.wienmodern.at

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare