Kultur 14.06.2018

Otto Waalkes im Interview: "Ich bin ja so käuflich"

© Bild: David Bitzan

Nova Rock: Late-Night-Act Otto (Freitag, 0.50 Uhr) erinnert sich an seinen Auftritt von 2011, an die Scorpions und an Falco.

Am 22. Juli wird Otto 70 Jahre alt. Bevor der als Otto Gerhard Waalkes in Emden geborene Komiker den Runden ausgiebig feiert, kommt er als Late-Night-Act nach Nickelsdorf – zur großen Freude aller Nova-Rock-Fans, die ihn dort schon 2011 sahen. Denn damals konnte er am Abschlusstag als absolut letzter Act des Events die Massen begeistern. Keiner dachte daran, zu packen und heimzufahren – obwohl es weit nach Mitternacht war. Selbst der Veranstalter war überrascht, wie gut Otto bei den harten Rockern ankam.

Der Grund dafür: Der vielleicht berühmteste Ostfriese hat nicht nur unwiderstehlichen Schmäh, sondern auch die musikalische Expertise. Er begann als Musiker, spielt seit dem 12. Lebensjahr Gitarre, tingelte als Teenager fünf Jahre lang mit der Band The Rustlers durch Ostfriesland und spielte Beatles und andere Klassiker nach. Später wohnte er in Hamburg in der Wohngemeinschaft „Villa Kunterbunt“ zusammen mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen. Die Musik war seine erste Liebe.

KURIER: Sie waren 2011 schon einmal am Nova Rock, wie war das damals?

Otto: Das war eine sehr ungewöhnliche Erfahrung. Denn es war ein ganz anderes Umfeld mit diesen stahlharten Hard-Rock-Bands und diesen beiden Riesenbühnen. Ich mit meinen kleinen Friesen-Jungs, ich habe gedacht, oh Gott, wir werden hier total untergehen, ich bin völlig fehl am Platz. Nach Mitternacht, nach Iron Maiden, mussten wir zum großen Finale auf die Bühne, und die 50.000 oder 60.000 sind gleich mit eingestiegen und haben uns so wohlwollend aufgenommen. Das ging richtig ab, das rockte und fetzte. Am Ende war es eines der schönsten Erlebnisse, die ich mit meiner Band je hatte. Ich hatte davor schon ein paar Festivals in Deutschland gemacht, aber das war in einem anderen Genre, nicht mit so vielen, so heftigen, weltberühmten Hard-Rock-Bands. Aber merkwürdigerweise hat es funktioniert.

Wieso, glauben Sie, hat es so gut funktioniert? Normalerweise sind die Leute zu diesem Zeitpunkt schon etwas betrunken.

Nein, die haben auf mich einen sehr nüchternen Eindruck gemacht. Hey, machen Sie mir mein Publikum nicht schlecht! Nein, am Alkohol lag es nicht. Die waren konzentriert dabei und sehr engagiert. Aber auch nicht unkritisch, die haben aufgepasst, ob ich den Text korrekt singe. Ich habe ja eingedeutschte Rock-Songs gesungen, alles, was ich sonst nur ausnahmsweise mache. Trotzdem haben alle alles mitgesungen. Da ist mir aufgefallen: Ich scheine ja in Österreich nicht ganz unbekannt zu sein.

Wie werden Sie das Programm anpassen, wenn Sie jetzt wiederkommen?

Ich habe mir noch kein Konzept überlegt. Wir gehen so etwas meistens konzeptlos an und passen uns dann den Stimmungen an. Das sind ja alles gestandene, gute Musiker, mit denen ich auf der Bühne arbeite, die führen mich dann durchs Programm.

Welches sind Ihre Lieblingssongs aus dem Rock-Genre?

Oh, ich bin leicht zu begeistern. Sachen von Kiss, „Otto Meets Kiss“. Ich war auch schon mit Bon Jovi und mit den Scorpions in Deutschland unterwegs. Mit den Scorpions war es besonders lustig, da hatten wir „Wind Of Change“ eingedeutscht und die Fans sangen: „Ottilein, du bist und bleibst unser kleiner Sonnenschein“. Die Scorpions mussten auch mitsingen – sogar Klaus Meine. Das klappt, weil meine Musiker unglaublich flexibel sind. Und die Scorpions kannte ich schon seit den Anfängen in den 80er-Jahren in Hannover. Da liegen ja meine Wurzeln: Mit 13 oder 14 Jahren habe ich eine Band gegründet und Rocksongs gecovert: „Just let me hear some Rock and Roll music . . .“

Wie kam der Umstieg auf die Komik?

Das hat sich dann ergänzt. Ich stand dann als Solist auf der Bühne und konnte die Songs mit Gags verbinden – oder umgekehrt. Ich bin da nicht festgelegt, ich mache alles, was mir Spaß macht. Ich male gern zwischendurch. Das ist das Schöne an diesem Beruf. Ich transportiere meinen Lebensstil, mit Band, ohne Band auf die Bühne – wie immer man mich haben will. Ich bin ja so käuflich.

Sie haben 2011 auch einen Falco-Song gesungen...

Ich habe viele Falco-Stücke in meinem Repertoire. Und ich habe ihn damals auch noch persönlich kennengelernt, denn er musste mir das ja genehmigen, weil ich seine Songs eingedeutscht beziehungsweise für Parodien verändert habe. Und da hat Falco nur gesagt: „Passt scho!“

Ihr „Schifoan“ hat damals die Massen bewegt.

„Am Freitog auf’d Nocht, montier i die Schi . . .“ – Wolfgang Ambros, das war ja die heimliche Hymne! Das werde ich auch heuer wieder machen. Mal sehen, wie es diesmal angenommen wird. Wenn die Leute es nicht mögen, gehe ich von der Bühne und schau, dass ich schnell nach Hause komme – zu Tafelspitz mit Apfelkren, einem 16er-Blech und Germknödel oder Palatschinken.

Humor ist etwas, das in der Rockmusik häufig fehlt, da geht es zumeist entweder um ernsthafte Themen oder um Sex und Drogen . . .

Deshalb werde ich ja wohl eingeladen bei Nova Rock. Wir versuchen, den Leuten noch mehr Spaß und Freude zu machen, immer nur Headbanging – das kann’s ja wohl nicht sein. Ich glaube, Rock-Musik ist manchmal nur zu ernst genommen worden. Einiges war auch mal als großer Spaß gemeint, nämlich Spaß daran, mit Traditionen zu brechen. Und zum Beispiel: „I’m on a highway to hell . . .“ – wer soll denn das ernst nehmen? Da singe ich doch lieber: „Auf dem Heimweg wird’s hell“ – dann hat das eine gewisse Glaubwürdigkeit.

( kurier.at ) Erstellt am 14.06.2018