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Kultur
12/05/2011

"Otello": Packendes Eifersuchtsdrama

Stephen Lawless weiß am Opernhaus Graz atmosphärisch dicht und effektvoll aufzuregen.

Blitze zucken. Wie bei einem Schiff hebt und senkt sich der Bühnenboden. Auch der Plafond fällt immer wieder bedrohlich auf den Chor herab. Eine mannsgroße Christusfigur, die an die Galionsfigur eines Schiffes erinnert, schwingt auf Seilen wild quer über die Bühne und wird erst beim Auftritt vom Titelhelden aufgefangen: Bereits mit der anfänglichen "Sturmszene" aus Giuseppe Verdis "Otello" weiß Stephen Lawless am Opernhaus Graz atmosphärisch dicht und effektvoll aufzuregen.

Christus Und er lässt diesen Christus immer wieder auftauchen: So bei Jagos "Credo", wenn dieser auf die zu Boden geworfene Figur, die jetzt wie Jago eine Narrenkappe trägt, verächtlich mit dem Fuß tritt. Der britische Regisseur zeigt damit die antiklerikale und ironisierende Haltung des Komponisten zur Religion wie auch den Gegensatz von Gut und Böse, von Hell und Dunkel (durch faszinierende Lichtstimmungen) auf. Dabei genügen ihm auf der beinahe leeren Bühne (Frank Philipp Schlößmann), deren Wände und Decke, wie einem alten Gemälde nachempfunden, mit Motiven aus dem "Jüngsten Gericht" bemalt sind, weiße durchscheinende Vorhänge, ein Stuhl und später ein Bett.

Seine Inszenierung ist ideenreich, klug und durchdacht, seine Personenführung vital bei den Massenszenen, packend bei den historisch kostümierten Protagonisten.

Mit packendem Zugriff weiß auch Johannes Fritzsch die Grazer Philharmoniker zu aufregendem und detailreichen Musizieren zu animieren. Seine recht straffen und manchmal zu unnachgiebigen Tempi bewirken jedoch, dass nicht jede lyrische Phrase ausgiebig ausgekostet werden kann.

Wahnsinn

Intensiv führt Frank van Aken den Titelhelden vor: ein hoch eifersüchtiger, vor Wut und Wahnsinn immer wieder emotional explodierender Titelheld, der die Partie kraftvoll mit allen Spitzentönen, nur fallweise etwas angestrengt bewältigt. Gal James ist eine berührende und jugendliche Desdemona.
J
ames Rutherford, ein als Harlekin oder Hofnarr kostümierter Jago, singt diesen sehr kraftvoll, mit reichem Tremolo in der Tiefe. Er wird als listiger Intrigant ohne Dämonie gezeigt. Aufhorchen lassen Taylan Memioglu als Cassio sowie Dshamilja Kaiser als Emilia. Stimmgewaltig vernimmt man den bewegungsfreudigen Chor. Ein gelungener Saisonstart!

KURIER-Wertung
: **** von *****

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