© KURIER/Gilbert Novy

One Direction
06/10/2015

Kampfkreischen aus 44.000 Kehlen

Ein Abend der allergrößten Gefühle, ohne Widerspruch: One Direction im Wiener Happel-Stadion.

von Georg Leyrer

Zuerst einmal tanzten alle zu "Macarena", und das war richtig nett: Im Anwärmsoundtrack zu One Direction erklang die alte Tanz-Nummer, und 44.000 gut gelaunte Menschen im Ernst-Happel-Stadion machten mit.

Das war das einzig wirklich Überraschende des Abends. Denn der Song stammt aus 1994, einer Ur-Zeit also, als die meisten One-Direction-Fans noch lange nicht geboren waren. Und ihre Mütter Take That für die tollste Band aller Zeiten hielten.

Jetzt aber, und das ließen die Fans am Mittwochabend ohne jede Möglichkeit zum Widerspruch wissen, jetzt aber erleben wir die ehrlich wirklich sicher richtig tollste Band aller Zeiten.

One Direction nämlich.

Kaum kommen die endlich auf die Bühne, beweisen die Fans – weiblich und sehr jung bis jung – beeindruckende Multitasking-Fähigkeit: Sie können zugleich die Videoaufnahme am Handy starten, dieses in die Höhe reißen und ohrenbetäubend kreischen. So laut, dass sie die Soundanlage niederringen.

Bilder vom Wien-Konzert

Belohnung

Zuvor hatten sie sich die Oberarme bemalt, lustig blinkende Haarreifen aufgesetzt und, zum Teil, schon in der Nacht oder zumindest stundenlang am Tag vor dem Happel-Stadion gewartet. Sie wurden dafür mit dem belohnt, was sie sich erhofft hatten. Liam Payne, Niall Horan, Louis Tomlinson und Harry Styles ließen inmitten einer bombastischen, bunten Pop-Produktion ihren Bubencharme spielen. Zeigten ihre Tattoos und ihre Tanzschritte, grinsten, flirteten und feixten. Versicherten den Anwesenden, dass diese die tollsten Fans aller Zeiten sind.

Und verließen sich musikalisch auf all das, was sich in den letzten 30 Jahren als stadiontaugliche Popmusik herauskristallisiert hat.

(Einmal, einmal rutschte eine Hand in Richtung Schritt; es folgte das lauteste Gekreische des Abends.)

Ihnen begegnete dafür große Liebe. Eine Liebe, die Berge versetzen kann, das Leben verändern, eine Liebe, für die man alles tun würde (sogar die Leibwinde unterdrücken, wie ein lustiger Fan via Poster wissen ließ).

Durch Wien also zog eines jener Popereignisse, die das Genre ausmachen: Eine bunte, schöne, große Show, mit adäquater Begleitmusik für die emotionale Achterbahn des Erwachsenwerdens. Professionell dargeboten von postertauglichen Menschen, auf die sich überbordende Gefühle ausrichten lassen.

Das hat eine besondere Energie; das ist wahrer Pop.

Man hat die "beste Zeit des Lebens", wie die Musiker rufen; man singt mit, lässt die Handykameralichter zu den Balladen leuchten, kreischt gemeinsam mit der Freundin, man weiß, wann man rote oder weiße Ballons oder vorbereitete Zettel mit der Aufschrift "Forever" hochhalten muss.

Die Eltern wiederum standen am Rand des Stehplatzbereiches, boten ihren hin und wieder vorbeischauenden Kindern Jacken zur Wärmung und Getränke zur Labung an; die aber lehnten ab.

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