Oliver Stone - Ein unbequemer Filmemacher

Kameramann, Drehbuchautor und Regisseur. Oliver Stone hat viele Talente. Am 15. September feiert er seinen 65. Geburtstag. Ein Überblick über sein filmisches Schaffen.

Oliver Stone machte sich in seinem Leben und mit seinem Schaffen schon einige Feinde. Grund dafür sind seine Filme und Freunde. Warum, sehen Sie in dieser Bildergalerie.

Zum Durchklicken... Stone wurde am 15. September 1946 in New York geboren. Er wuchs als Sohn eines jüdischen Börsenmaklers in New Yorks besseren Kreisen auf. Er besuchte die Ivy-League-Universität Yale, wo zur gleichen Zeit auch George W. Bush studierte. Schon nach einem Jahr ließ er Yale hinter sich und ging nach Vietnam, um Englisch und Geschichte an einer Schule zu unterrichten. Zwei Jahre später schloss er sich einer US-Infanteriedivision zum freiwilligen Kriegsdienst an. Er bestand darauf, an der Front eingesetzt zu werden. Dabei wurde er zwei Mal verwundet und mit dem Purple Heart und dem Bronze Star ausgezeichnet.

Zurück in New York erlernte Stone an der Filmschule der New Yorker Universität bei Martin Scorsese sein künftiges Handwerk. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich nebenbei als Taxifahrer. In dieser Zeit schrieb er mehrere Drehbücher. 1972 verkaufte er das erste und durfte es auch selbst verfilmen; ein Horror-B-Movie mit dem Titel "Die Herrscherin des Bösen" (Bild). Nach diesem ersten Erfolg, durchlebte Stone wieder eine Durststrecke. In dieser Zeit schrieb er allerdings 14 Drehbücher - darunter Platoon . 1978 konnte er das Skript für "12 Uhr nachts – Midnight Express" (Bild) verkaufen und erhielt prompt seinen ersten Oscar für das beste Drehbuch. Oliver Stone ist auch verantwortlich für die Drehbücher von "Conan der Barbar", mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle und ...

Bild: Arnold Schwarzenegger in "Conan der Barbar" (1982) ... "Scarface" mit Al Pacino als Antonio "Tony" Montana.

Bild: Al Pacino als Antonio "Tony" Montana in "Scarface" In "Platoon" (1986) verarbeitete Stone seine Erlebnisse an der Front. Der Film gilt in amerikanischen Medien bis heute als "historisch und politisch richtige" Darstellung des Vietnamkrieges. Gerüchten zufolge rauchte Stone gemeinsam mit den Schauspielern Marihuana, um eine Szene realistischer wirken zu lassen. Für "Platoon" erhielt Stone 1987 den Oscar für den besten Film, die beste Regie, den besten Schnitt und den besten Ton.
Gleichzeitig war er der Beginn der Karriere für viele der Schauspieler und spielte insgesamt 138 Millionen US-Dollar ein, das zweitbeste Einspielergebnis für einen Film über den Vietnam Krieg. Platz eins hält bis heute "Rambo 2 - Der Auftrag" mit 190 Millionen Dollar.

Bild: Charlie Sheen, Tom Berenger, Willem Dafoe (hinten, v.l.) Francesco Quinn und Kevin Dillon Mit dem Film "Wall Street" rechnete er mit seinem Vater ab. Dieser war, ähnlich wie Gordon Gekko (Michael Douglas), Broker an der Börse, hatte unzählige Affären und ging mit einigen seiner Investments baden. Allerdings soll sein Vater nicht das Vorbild für Gekko gewesen sein, sondern für den älteren Broker Lou Mannheim. 

Michael Douglas erhielt für seine Darstellung des Gordon Gekko den Oscar als bester Hauptdarsteller. Mit "Geboren am 4. Juli" (1989) drehte Stone den zweiten Teil seiner Vietnam-Trilogie, wie er selbst sagt. Der Film erzählt die Lebensgeschichte von Ron Kovic, auf dessen Autobiografie er auch beruht. 

"Geboren am 4. Juli" gewann zwei Oscars für die Beste Regie und für den Besten Schnitt. Tom Cruise wurde für seine Darstellung als "Ron Kovic" für einen Oscar nominiert. 1991 verfilmte Oliver Stone die Erfolgsgeschichte der Kultband The Doors. Stone konzentrierte sich dabei hauptsächlich auf Jim Morrison. Ebenfalls sei es keine exakte Darstellung der Ereignisse von der Doors-Geschichte. Dies bekrittelte auch Ray Manzarek, der Keyboarder der Doors, der in seiner Biografie schrieb, dass Stone anscheinend absichtlich Entstellungen und Verfälschungen einbaute. Der nächste Aufreger in Oliver Stones Karriere war "JFK - Tatort Dallas" (1991). Bei dem Film wollte er, mit Hilfe von authentischem und eigenem Filmmaterial, die Hintergründe des Kennedy-Attentates zeigen. Der Film basiert auf dem Buch von Staatsanwalt Jim Garrison, der der Meinung ist, dass Oswald kein Einzeltäter gewesen sei. Kritiker warfen Stone vor, geschichtliche Fakten und fiktionale Ereignisse zu vermischen, damit zu polemisieren und die Zuschauer zu manipulieren. Stone widersprach diesen Kritiken mit entsprechenden Quellenverweisen. Der Film wurde für insgesamt acht Oscars nominiert und konnte zwei davon gewinnen. Mit "Zwischen Himmel und Hölle" komplettierte Oliver Stone 1992 seine Vietnam-Trilogie. In diesem Film zeigt er den Krieg aus Sicht einer vietnamesischen Frau, die zwischen die Fronten gerät, als Verräterin behandelt wird und schlussendlich als Ehefrau eines US-Soldaten (Tommy Lee Jones) den Alltagsrassismus in San Diego erfahren muss.
Als Basis für sein Drehbuch dienten Stone die autobiografischen Romane "Die Geschichte einer mutigen Frau" und "Geboren in Vietnam – leben in USA. Der Lebensweg einer tapferen Frau" von Le Ly Hayslip. 1994 handelte sich Stone mit "Natural Born Killers" den Vorwurf der Gewaltverherrlichung ein. Der Film zeigt die Mordserie des Killerpärchen Mickey (Woody Harrelson) und Mallory Knox (Juliette Lewis) und den Umgang der Medien mit diesem Thema. Den Vorwürfen der Gewaltverherrlichung entgegnete Stone damit, dass der Film nicht die Gewalt glorifiziere sondern auf satirische Weise die Glorifizierung von Gewalt durch Amerikas Medien zeige. Der Krimi-Autor John Grisham warf ihm vor, er sei mit diesem Film dafür verantwortlich, dass zwei Jugendliche einen Bekannten von ihm töteten. Vor Gericht wurde er von diesem Vorwurf allerdings freigesprochen. 

Drogen war Stone nie abgeneigt und so soll er auch während den Dreharbeiten ständig halluzinogene Pilze gegessen haben. 

Das Drehbuch für "Natural Born Killers" schrieb übrigens Quentin Tarantino und den Soundtrack stellte Nine Inch Nails-Mastermind Trent Reznor zusammen. Oliver Stone konnte die Finger allerdings weiterhin nicht von zeit- und politkritischen Filmen lassen. So führte er 1995 auch bei dem Biopic "Nixon - Untergang eines Präsidenten" Regie. Dafür musste er sich die selben Vorwürfe, wie beim "JFK"-Film anhören. Auch dieses Mal konterte er mit Quellenverweisen.

Bild: Anthony Hopkins als Richard Nixon und Ed Harris als E. Howard Hunt 1997 führte er bei "U-Turn - Kein Weg zurück" Regie. Das darin geschilderte Martyrium eines von Mafiakillern verfolgten Kleingangsters, nach John Ridleys Roman "Stray Dogs", ist ihm zufolge der "nihilistischste Film", den er je gedreht habe.

Bild: Jennifer Lopez und Sean Penn 1999 beschäftigte sich Oliver Stone mit der typischen amerikanischen Sonntagsbeschäftigung: Football. "An jedem verdammten Sonntag" erzählt die Geschichte des Football-Teams der Miami Sharks und deren Trainers Tony D’Amato (Al Pacino). Von Kritikern wurde der Film hoch gelobt. Stone war auch als Dokumentarfilmer tätig. 2003 portraitierte er den kubanischen Regierungschef und Staatspräsidenten Fidel Castro. Der Film "Commandante" wurde von Kritikern allerdings als unkritisches Bild seines Freundes Fidel Castro verrissen. Eines seiner kostspieligsten Leinwanddramen, das Epos "Alexander", fiel 2005 bei Kritikern und Publikum durch und wurde zum Kassenflop. Ungeachtet der Selbstkritik halten viele Amerikaner Stone für einen Polit-Berserker oder sogar Vaterlandsverräter. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 ließ er in ersten emotionalen Kommentaren Verständnis für die Terroristen erkennen. Hinterbliebene von 9/11-Opfern kreiden ihm an, dass er sich weigerte, einen Aufruf an das Publikum in den Abspann von "World Trade Center" aufzunehmen. Die Opferfamilien hatten an Menschen in aller Welt appellieren wollen, Brücken zu schlagen und durch persönliches Engagement künftige Terroranschläge zu verhindern. Seinem ehemaligen Kommilitonen, dem späteren US-Präsidenten Bush, widmete er 2008 die Filmbiografie "W. - Ein missverstandenes Leben". Die Kritiker waren geteilter Meinung, sahen das Biopic aber als realistisches Abbild an. Lediglich das Umfeld von Bush kritisierte den Film als schlecht recherchiert und teilweise "hochgradigen Unsinn". Stones letzter Kassenknüller wurde die späte Fortsetzung seines Wall-Street-Thrillers "Wall Street: Geld schläft nicht" mit Michael Douglas und Shia LaBeouf in den Hauptrollen. Der Film beginnt quasi dort, wo der erste Teil aufhörte. Dazwischen liegt "nur" die Haftzeit von Gordon Gekko. Stone wollte eigentlich nie einen zweiten Teil von Wall Street drehen, erst die zweite Weltfinanzkrise 2008/2009 motivierte ihn, es doch zu tun.

Oliver Stone hat eine Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und wird in einer Liste der größten Regisseure der Filmgeschichte in der Zeitschrift Entertainment Weekly auf Platz 43 geführt.
(KURIER.at, apa / moe) Erstellt am
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