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Kultur
09/25/2019

Nu-Metal-Band Korn: Von dunklen Mächten verfolgt

Sänger und Textautor Jonathan Davis verarbeitet auf dem neuen Album "The Nothing" den Tod seiner Frau Deven.

„,The Nothing’ ist das emotionalste Album, das wir je gemacht haben“, sagt Brian „Head“ Welch, Gitarrist von Korn, im KURIER-Interview. Und das hat einen traurigen Grund: Im August 2018 starb Deven Davis, Gattin von Sänger und Textautor Jonathan Davis, an einer Überdosis.

Davis und die ehemalige Pornodarstellerin, die zusammen zwei Kinder im Alter von 12 und 14 Jahren haben, lebten seit einiger Zeit getrennt. Trotzdem veröffentlichte Davis nach Devens Tod ein berührendes Statement: „Ich liebte sie mit meinem ganzen Wesen. Sie hatte eine ernste psychische Erkrankung. Der Drogenmissbrauch war eine Folge davon. Ich würde alles dafür geben, sie noch einmal halten zu können.“

Brian Welch, der in Phoenix lebt, rief Davis in dessen Haus in Malibu/Kalifornien sofort an, als er die Nachricht bekam: „Ich wollte seine Stimme hören, wollte dass er meine Stimme hört. Die anderen von der Band sind zu ihm gefahren, ich war erst zwei Tage später dort. Aber wir kennen uns seit 1993, das ist eine sehr lange Zeit. Da will man in solchen Krisen einfach füreinander da sein. Dass Jonathan dieses Album über den Prozess der Trauer schreiben konnte, war wie Therapie für ihn.“

Davis, der von übernatürlichen Phänomenen fasziniert ist und jüngst erzählte, dass er in seinem Haus Geister hat, kleidet das allerdings in ein mystisches Gewand und spricht von „The Nothing“ als die dunkle Energie aus dem Erdinneren, die ihn verfolgt.

„Für mich ist ,The Nothing’ die Leere, die sich in Jonathans Leben breit machte, als Deven starb“, sagt Welch. „Jeder weiß, wie sich das Leben anfühlt, wenn so schlimme Dinge passieren. Aber bei Jonathan häuft sich so etwas natürlich tatsächlich.“

Die Dramen, die Davis immer wieder in den Korn-Songs verarbeitete, begannen in der Kindheit. An schwerem Asthma leidend wurde er in der Schule für sein Anderssein gehänselt. Zu Hause schikanierte ihn die Stiefmutter, die ihn nicht mochte, und von seinem Kindermädchen wurde er sexuell belästigt. Als Teenager entwickelte Davis ein Interesse für den Tod und Serienmörder, arbeitete später als Leichenbeschauer. Mit Korns Erfolg tauchte er tief in den exzessiven Rock-N’-Roll-Lebensstil ein, wurde alkohol- und drogensüchtig. Erst mit der Geburts seines Sohns aus erster Ehe wurde er clean.

Musikalisch bleiben Korn mit „The Nothing“ ihrem Sound weitgehend treu, klingen aber befreiter. „Als wir die musikalische Basis für Jonathans Lyrics gemacht haben, haben wir viel mit ihm gesprochen“, erklärt Welch. „Früher schrieben wir Songs, von denen Jonathan dann manche mochte und manche ablehnte. Diesmal haben wir ihn gefragt: ,Wie fühlst du dich, was willst du hören?’ Da sagte er etwa, einen vulgären Ausbruch von Kraft, was wir dann spielten. Deshalb hatten wir diesmal alle ein Gefühl von Nähe.“

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