Kultur
20.06.2017

Neuer Chef für Wiener Philharmoniker

Der Primgeiger löst Andreas Großbauer als Orchestervorstand ab.

Im Brahmssaal des Wiener Musikvereins wurde am Dienstag über die Zukunft der Wiener Philharmoniker entschieden – aufgrund des Statuts und der Selbstverwaltung ausschließlich von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker selbst. Dabei entschieden sich die Musikerinnen und Musiker für einen Richtungswechsel: Der Primgeiger Daniel Froschauer wurde zum neuen Vorstand ab 1. September 2017 gewählt; der bisher und bis dahin in dieser Funktion tätige Andreas Großbauer erhielt keine Mehrheit mehr.

Das mag nach außen hin vielleicht überraschend sein, Insider hatten einen solchen Wechsel durchaus für realistisch gehalten, weil zuletzt innerhalb des Orchesters intensiv und kritisch über diese Funktion diskutiert und mehr oder weniger offen Wahlkampf betrieben wurde. Die großen Themen waren dabei ebenso der Arbeitsaufwand (der etwa durch einen neuen Vertrag mit den Salzburger Festspielen steigen dürfte) wie die Einnahmen für die einzelnen Musiker.

Mit Vorstand Großbauer wird auch dessen Geschäftsführer Harald Krumpöck abgelöst, und zwar durch den Kontrabassisten Michael Bladerer. Alexander Steinberger bekleidet fürderhin die Funktion des Vizevorstandes. Unmittelbar nach der Wahl stand für das Orchester (und auch die neue Führungsspitze) eine Probe mit Mariss Jansons für die Salzburger Premiere der „Lady Macbeth von Mzensk“ von Schostakowitsch auf dem Programm. Am Abend spielte Daniel Froschauer schon wieder in der Staatsoper „Pelléas et Mélisande“. Daher gab es vorerst keine Stellungnahme von ihm.

Drei Jahre lang wird Großbauer, der Clemens Hellsberg (17 Jahre lang) als längstdienenden Vorstand abgelöst hatte, am Ende des Sommers als Orchesterchef tätig gewesen sein. Am kürzesten waren nach dem Zweiten Weltkrieg Fritz Sedlak und Gottfried Ritter von Freiberg tätig sowie Gustav Hawranek in den 1930ern (jeweils nur ein Jahr).

Der neue Chef wurde am 30. Dezember 1965 in Wien geboren, ist seit Februar 1998 Mitglied der Wiener Philharmoniker (zuletzt Primgeiger und Stimmführer). Er ist langjähriges Komiteemitglied und verantwortlich für die philharmonischen Kammermusikaktivitäten und für den „Vienna Philharmonic and Suntory Music Aid Fund“, also sehr Japan-affin. Er ist der Sohn von Helmuth Froschauer, dem langjährigen Chordirektor des Singvereins und der Staatsoper.
Andreas Großbauer sagte in einer ersten Reaktion: „Ich gratuliere meinen Kollegen, die in diese wichtigen Ämter gewählt wurden. Und freue mich auf die Umsetzung vieler spannender Projekte.“

Und der philharmonische Rekordhalter Clemens Hellsberg über die Entscheidung für Froschauer: „Ich freue mich über die Wahl und wünsche ihm alles Gute für diese schwierige, aber unendlich schöne Aufgabe.“