Neue Heller-Show: "Magnifico" in München

Einen "Ort der Traumlogik" hat André Heller geschaffen. Seine neue zirkusartige Show "Magnifico" liefert Pferde in homöopathischen Dosen.

Der künstlerische Tausendsassa Heller hat in München seine neueste Show "Magnifico" vor gut 2.500 Menschen uraufgeführt. "Schicken Sie gute Energie", hatte er vor Beginn der Show die Anwesenden gebeten. Gestaltet ist das 18 Mio. Euro teure Gesamtkunstwerk als Mischung aus Zirkus, mystischer Poesie, Artistenshow und Lichtspektakel. Als Leitmotiv dient das Einhorn Magnifico, dessen Bildnis die Großmutter einst zum Schutz vor schlechten Träumen über das Bett des jungen Hellers gehängt hatte. Auf eine narrative Handlung verzichtet Impresario Heller weitgehend und zielt mit seiner Nummernrevue wie beim Vaudeville auf die Schau- und Staunlust des Publikums. Einzig seine Stimme kündigt an, dass es sich bei den folgenden 22 Szenen um einen Traum von Oma Hellers altem Schlafwächter Magnifico handelt - zumal die Einhörner über "das Reich jenseits der Logik" herrschen. Entsprechend assoziative Bilder hat Heller mit seinen Artisten, Clowns und Pferdetrainern arrangiert. Cowboys und Musketiere sind tabu. Stattdessen wechseln sich poetisch-schlichte Schattenspiele mit wilden Hip-Hop-Tänzern und chinesischen Akrobaten ab, drehen sich Derwische zur Hohen Schule der Dressur und entkugeln sich Schlangenmenschen alle nur erdenklichen Gliedmaßen. In schneller Abfolge jagen sich da Szenen mit Titeln wie "Johann-Strauss-süchtige Mangas amüsieren sich mit Diabolos" oder "Eine verquere Liebesnarretei". Die Manga-Figuren und das Diabolo. Die Pferde kommen bei der vermeintlichen Pferdeshow hingegen in homöopathischen Dosen, dürfen oftmals frei über die Bühne galoppieren oder sind als Pegasus oder Einhorn verkleidet. Dabei changiert das Panoptikum zwischen klassischen Zirkusnummern und Szenen, die mit zum Teil erstaunlichem technischen Aufwand inszeniert werden und an den Cirque du Soleil erinnern. Eine Glanzleistung stellen dabei die zahlreichen Großpuppen dar, die an die frühere Arbeit des Produktionsdesigners Michael Curry erinnert: Das Musical "König der Löwen". So hat "Magnifico", wenn nicht Fuß, so doch zumindest Hand - so eines der im wahrsten Sinn des Wortes berührendsten Bilder, wenn eine überdimensionale Gummihand einen widerspenstigen Bräutigam jagt oder zum Abschluss ein Pferd umklammert und dieses über die Bühne führt. Auch Riesenquallen und jodelnde Spinnen bevölkern das Heller'sche Reich - ebenso wie einige unerträglich fröhliche Clowns.

Bild: Heller und die Großpuppen aus "Magnifico" Artisten mit Buchstaben auf der Brust: ERSTAUNEN verwandelt sich flugs in UNSEEN ART. Und schließlich in: BEWUNDERN. Immerhin drei Monate hatten die Proben, die in den Messehallen Tulln begannen, in Anspruch genommen. Und da Heller mit dem "Ort der Traumlogik" auf Tournee gehen will, wurde eigens eine Landschaft aus sieben Zelten gefertigt, die 25.000 Quadratmeter misst und bei der allein das Hauptzelt 20 Meter hoch ist und mehr als 2.500 Zuschauer fasst. Schließlich hat Heller auch schon vor "Magnifico" Erfahrung im Zirkusbereich gesammelt, zumal er 1976 mit Bernhard Paul den "Zirkus Roncalli" gründete, Mitte der 1980er Jahre chinesische Artisten für seine Show "Begnadete Körper" nach Europa holte oder 2005 die Show "Afrika, Afrika!" zu Erfolg führte und im Jahr darauf für die Eröffnungsshow der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland verantwortlich zeichnete.

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(apa, red. / tem) Erstellt am
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