„Lebenswerk“: Das Selbstmitleid der Mutter beim Stillen
Mütter: Birgit Stöger, Jeanne Werner und Michèle Rohrbach.
Die Geburt des ersten Kindes ist zugleich die Geburt der Frau als Mutter. Mit dem Ereignis, das tatsächlich „life changing“ ist, kommen manche gut zurecht. Es macht richtig Freude, der Autorin Stefanie Sargnagel zu folgen: „Du wirst mit Schlafentzug gefoltert, aber dein Folterknecht schaut dich so an“, schreibt die junge Mutter. Und dann sieht man ein strahlendes Baby.
Die Mehrzahl jedoch kämpft mit Überforderung, darunter die kanadisch-britische Autorin Rachel Cusk, 1967 geboren. Sie war verheiratet, gebar zwei Mädchen und erzählt in „Lebenswerk“ über ihre bitteren Erfahrungen in der Schwangerschaft und als stillende Mutter. „Das Baby und ich fahren mit einem Taxi nach Hause. Ich habe allein das Haus verlassen, und nun kehre ich zu zweit zurück.“
Marginale Rolle
Der Vater spielt eine marginale Rolle. In der Dramatisierung, die am Mittwoch im Nestroyhof Hamakom als Gastproduktion des vazierenden Teatas der Sara Ostertag ihre Uraufführung erlebte, wird er gar nur einmal erwähnt – nach der Geburt der Tochter: „Der Vater nimmt sie in den Arm.“
Die 70-minütige Performance basiert auf einer geradezu radikalen Strichfassung, sie hat, wie der autobiografische Essay, auch keinen Erzählbogen: In Blöcken werden von drei Schauspielerinnen als Teilmenge der unterjochten Mütter Themenfelder abgehandelt. Das Ergebnis wirkt gar ein wenig selbstbezüglich: Bei der Premiere verbeugte sich Regisseurin Ruth Mensah mit ihrem Baby im Arm.
Davor haben Michèle Rohrbach, Birgit Stöger und Jeanne Werner pointierte Sätze ins Publikum schleudern dürfen (sie wurden mit dem hellen Auflachen leidgeprüfter Mütter belohnt) und wiederholt schwer schnaufen müssen: in rosaroten Sneakers beim gehetzten Laufen als Metapher der Überforderung. Ausstatterin Nanna Neudeck macht „Lebenswerk“ aber sehenswert: mit einer gewaltigen Fruchtblase aus irisierendem Stoff – und sehr viel Luft.
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