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Kultur
07/03/2019

Nestroy in Kobersdorf: Wenn Trautmann pointiert ermittelt

Schlossspiele: Wolfgang Böck und Katharina Stemberger in „Das Mädl aus der Vorstadt“ (Von Susanne Zobl).

Was hätte Nestroy, der Seelenforscher, der scharfe Analytiker seiner Zeit, wohl aus Ibiza-Gate und anderen Kalamitäten der Gegenwart gemacht? Man ahnt es, wenn man die Schloss-Spiele Kobersdorf besucht. Dort zeigt Intendant Wolfgang Böck Johann Nestroys Komödie „Das Mädl aus der Vorstadt“.

Beverly Blankenship vertraut der gültigen Kraft von Nestroys Text, was aber leichte Anspielungen ans aktuelle Geschehen in den Couplets nicht ausschließt (exzellent begleitet von Christoph Haritzer, Akkordeon und Klarinette). Als Vorbild diente Nestroy die Vaudeville-Komödie „La Jolie Fille du Faubourg“.

Tür auf, Tür zu

Erich Uiberlacker hat zumindest für den ersten Akt Türen auf seine in rosa gehaltene Bühne gestellt, die auch ordentlich genutzt werden. Dass im zweiten Akt eine überdimensionale Nähmaschine an die Fantasiewelt von Herbert Fritsch erinnert, tut nichts zur Sache.

Im Zentrum agiert Wolfgang Böck als Schnoferl. Ein Winkeladvokat, der seine Mitmenschen am Gängelband führt und wie Columbo – oder in seinem Fall eher Trautmann – gegen das Ungemach, das man ihm angetan hat, ermittelt. Wie Böck mit der Nestroy’schen Sprachkunst umgeht, ist beachtlich. Ganz natürlich spricht er und wirkt doch wie eine Kunstfigur.

Das zweite Kraftzentrum dieser Aufführung ist Katharina Stemberger als Frau von Erbsenstein. Sie wandelt sich glaubwürdig von der nervösen, verschmähten Braut, zu einer überlegenen Marschallin á la Strauss’schen „Rosenkavaliers“. Wolfgang Bachofner überzeugt als Spekulant Kauz. Michaela Schausberger als titelgebendes Mädl Thekla hält sich zurück.

Markus Weitschacher (Gigl), Tanina Beess (Storch) und Marina Margaritta Colda (intensiv), Sophie Gutstein, Laura Rauch, Sabrina Rupp und Karl Ferdinand Kratzl formieren ein solides Ensemble.