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Kultur
06/08/2019

"Nature Writing": Wenn der Maulwurf zwei Mal klingelt

Mit diesem Buch wird man schnell Aggressionen los, wenn der Rasen Löcher hat: Marc Hamer schrieb „Wie man einen Maulwurf fängt“

Es gibt nicht viele Maulwurffänger, die es auf die Literaturseite schaffen.
Marc Hamer aus Wales soll eine Ausnahme sein.
Das hängt weniger mit seinen lyrischen Anwandlungen zusammen, die er nach jedem Kapitel auslebt.
Aber mit seiner unverbrauchten Art, wie er – ein alter Gärtner – über die Natur schreibt.
Wie seine Autobiografie übergeht in Nature Writing – was  im Trend liegt; schon deshalb im Trend, weil man sich beim Lesen nicht   dreckig macht und keine Zecken in die Unterwäsche krabbeln.

Mit der Schaufel

Hamer schneidet z.B. Lorbeerhecken für die Reichen. Zweig für Zweig mit der Gartenschere.
Und jahrelang fing er als Nebenjob auf Wiesen, Feldern und Golfplätzen  Maulwürfe. In Großbritannien ist es – im Gegensatz zu Österreich – nicht verboten, Maulwürfe zu töten.
Das Maulwurffangen ist ein altes Handwerk, selbstverständlich  ohne Gift.
Hamer hat damit aufgehört, als eine seiner Röhrenfallen (kraftvoller Hieb auf Brust oder Bauch) nicht sofort tödlich war. Ein Maulwurf lebte noch. Um ihn zu erlösen, musste Hamer ihn mit der Schaufel erschlagen. Fünf Hiebe. Das ist eine andere Art zu töten.
Danach hat er geweint.
Danach hat er keine Maulwürfe mehr gefangen.
So wird sein Buch „Wie man einen Maulwurf fängt“ zur Aufforderung, ihn  Tunnel graben und Erde wegschaufeln zu lassen (= Hügel).
Es ist ein Bruderschaftstrinken mit der Natur, der man Ruhe geben soll, auch mit den Saatkrähen, mit Otter und Dachs.
Keineswegs wird der Maulwurf als niedliche Disney-Figur porträtiert.
 Er ist ein Räuber – Würmern beißt er den Kopf ab, und bis der Kopf nachwächst, können sie  nicht flüchten. Dann steckt er sie in seine Wurmvorratskammer, und wenn sie wieder kriechen können,  beißt er ihnen den neuen Kopf ab.
Ganz viel lernen wird man über diese kleinen, samtigen Tiere,  mit riesigen Händen ausgestattet, so kräftig, dass sie sich aus dem Griff eines Menschen befreien könnten.
Marc Harman ist keine schreiberische Naturgewalt.
Macht gar nichts.
Er nimmt mögliche Aggressionen, weil der Rasen nicht schön genug aussieht. Schon bei diesem Gedanken, den er hat, sollte sich negative Energie verflüchtrigen:
Kreuzt ein grabender Maulwurf  den fertigen Tunnel eines anderen Maulwurfs, so fiept er zur Warnung, damit es zu keiner Kollission kommt. Wie ein klingelnder Radfahrer bewegt er sich durch die Finsternis.

 

Marc Hamer:
„Wie man einen
Maulwurf fängt“
Übersetzt von Jenny Merling.
HarperCollins.
192 Seiten.
16,50 Euro.

KURIER-Wertung: ****