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Kultur
09/29/2012

Nationalbibliothek will neue Bücher nur noch digital sammeln

Mit der "Vision 2025" will sich die ÖNB zum "offenen Wissenszentrum" entwickeln und setzt ganz auf Digitalisierung und Vernetzung.

Zu einem "offenen Wissenszentrum" mit Begegnungsräumen im virtuellen wie realen Raum möchte sich die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) in den kommenden Jahren entwickeln. "Wir sind die erste Kultur- und Wissensinstitution, die eine Vision für die Zukunft entwickelt hat", zeigte sich Generaldirektorin Johanna Rachinger am Freitagvormittag stolz. Die präsentierte "Vision 2025" setzt stark auf Digitalisierung und größtmögliche Demokratisierung des Wissenszugangs. Auch eine heilige Kuh will man schlachten: Eine angestrebte Novelle des Mediengesetzes soll die Pflicht zur physischen Sammlung von Neuerscheinungen streichen. Bis auf wenige Ausnahmen will die Nationalbibliothek nur noch E-Books archivieren.

Den lange geforderten und bisher noch nicht finanzierten Bücherspeicher unter dem Heldenplatz werde man dennoch benötigen, unterstrich Rachinger, mit der Burghauptmannschaft spreche man darüber, dies im Rahmen eines ebenfalls geplanten Garagenprojekts verwirklichen zu können. Näheres soll im Spätherbst bekannt gegeben werden. "Wir sind schon nächstes oder übernächstes Jahr voll. Noch immer erscheinen jährlich an die 50.000 Bücher, die von uns physisch gesammelt werden." Man rechne jedoch damit, dass künftig immer mehr Bücher nur noch digital erscheinen werden.

Für die Speicherung, bei der auch Cloud-Lösungen geprüft werden sollen, wirft dies neben neuen Rechts- und Sicherheitsfragen auch technische Probleme auf: "Wir werden alle paar Jahre, wenn Hard- und Software wieder überholt sind, den kompletten Bestand auf neue digitale Technologien umkonvertieren müssen", sagte Bettina Kann, Hauptabteilungsleiterin der "Digitalen Bibliothek". "Das ist eine Herausforderung, die Bibliotheken nur gemeinsam bewältigen können."

Gemeinsames Agieren wird auch in der Wissenschaftscommunity und bei Public Private Partnerships eine immer größere Rolle spielen. Schließlich gilt es, die archivierten Daten möglichst gut aufbereitet allen zugänglich zu machen. Verträge mit privaten Unternehmen wie Google (von den zur Digitalisierung geplanten 600.000 Büchern vom frühen 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sind im Rahmen des "Austrian Books Online ABO"-Projekts bereits 100.000 digitalisiert) sollen nach einer neuen Direktive der EU-Kommission nach einer bestimmten Maximalfrist die allgemeine Verfügbarkeit sichern.

"Wir stehen für einen freien Zugang zum Wissen, für Innovation, Bildung und Verantwortung", formuliert die ÖNB ihre Werte, die der "Vision 2025" zugrunde liegen. Dabei legt Rachinger Wert darauf, dass diese Vision "bottom up" erarbeitet wurde und somit "von allem mitgetragen" werde. Künftig soll der Großteil der Bestände online und möglichst in Volltextsuche angeboten werden. Die Sammlungstätigkeit wird sich stärker als bisher digitalen Publikationen, sozialen Netzwerken, Webinhalten und anderen neuen Formaten widmen. Dabei wird die Anreicherung mit Metadaten und die Vernetzung und Verlinkung mit Zusatzinformationen im Rahmen eines "semantischen Web" (Web 3.0) vorangetrieben und als "Open Data" der Allgemeinheit zur kostenfreien und uneingeschränkten Weiternutzung zur Verfügung gestellt.

2011 besuchten rund 500.000 Menschen die ÖNB, 62 Millionen Seitenaufrufe und 9,3 Millionen Abfragen in den Onlinekatalogen und Datenbanken wurden verzeichnet. Dieses Verhältnis dürfte sich künftig dramatisch verschieben. "Unser Ziel ist es, die Wissensgesellschaft von morgen aktiv mitzugestalten", so Rachinger. Lesesäle werde es aber auch 2025 weiterhin geben.

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