Der Konzert von James Last in der Stadthalle muss verschoben werden

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James Last
06/10/2015

Abschied vom Großmeister der Unterhaltungsmusik

Der deutsche Komponist und Bandleader James Last ist 86-jährig verstorben.

Seine Platten nannte er "Beachparty", "Viva Espana" oder "Copacabana". Zu seiner Musik tanzten Millionen. James Last komponierte den Soundtrack von Nachkriegsdeutschland. Alles entspannt, alles easy - der Bandleader und Arrangeur stillte die Sehnsucht nach Harmonie und Ferne. Am Dienstag ist der Gute-Laune-Botschafter "made in Germany" in seiner Wahlheimat Florida mit 86 Jahren gestorben.

Eine öffentliche Trauerfeier für Last ist in Hamburg geplant, wobei der genaue Termin noch nicht feststeht. Einstweilen können Freunde und Fans sich via Online-Kondolenzbuch von James Last verabschieden. Ö1 ändert indes sein Programm und widmet die heutige "Spielräume"-Sendung ab 17.30 Uhr dem Verstorbenen.

Der war noch bis April mit seinem Orchester unterwegs. "The Last Tour" hatte er seine angebliche Abschiedstournee im vergangenen Jahr genannt, dann hängte er noch eine an: "Non stop music". Bis zuletzt bot Last alles, wofür er geschätzt wurde: Klassiker und Evergreens, den Wechsel leiser und temperamentvoller Stücke. Kunstvoll gedrechselte Arrangements von Bach bis Beyonce brachten den Saal zum jubeln und Paare zum tanzen. An Rückzug denke er nicht, er mache weiter bis zum Umfallen, hatte er noch wenige Monate zuvor verkündet. Er klang so, als ob er vor seinem nächsten Karrieresprung steht.

Video-Galerie: Von "Biscaya", "Traumschiff" bis "Kill Bill" - die größten Hits von James Last

GERMANY MUSIC JAMES LAST

James Last wird 80

James Last…

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James Last wird 80

Ohne Titel

German big band leader Last attends sound check be

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Katharina Lehmann, Hendrik Martz, Gila von Weiters

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ACTRESS REBECCA DE MORNAY AT RUNAWAY JURY PREMIERE

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James Last

Beamtenkind Hans Last aus Bremen

Dass Hans Last, ein Beamtenkind aus Bremen, zum Star aufsteigen würde, war nicht unbedingt zu erwarten, aber auch nicht völlig überraschend. Der 1929 geborene Last lernte das Musikgeschäft von Grund auf. Sehr früh saß er am Klavier, seine älteren Brüder Werner und Robert musizierten auch. 1943 besuchte er die Heeresmusikschule Bückeburg, in den ersten Friedensjahren spielten die Brüder im Tanzorchester von Radio Bremen. Dann gründete James eine eigene Band, Anfang der 50er wurde er dreimal in Folge zum besten Jazzbassisten in Deutschland gewählt, 1955 engagierte ihn der NWDR.

Irgendwann habe es bei ihm gefunkt und sein Sound war geboren, sagte er später: Pop im Bigband-Format. Wie ein Film in Cinemascope. Last tourte damals mit Unterhaltungsmusikern wie Helmut Zacharias und Michael Jary, für die er auch Arrangements schrieb. "Ich wollte einfach Partymusik machen", lautete die Last-Formel.

Zur Musik mischte Last Geräusche, Lacher oder Gläserklirren. Die Hörer sollen das Gefühl bekommen, dass die Feier längst im Gange ist, wenn sie an der Haustür klingeln. Besonders erfolgreich war Last mit Arrangements der Titel von Popgrößen - von den Beatles bis Christina Aguilera. Die Songs gehen im Wohlfühlklang ineinander über.

Vorbild Karajan

An einem Vorbild hat er sich immer wieder orientiert: Herbert von Karajan. Den legendären Dirigenten sah Last in Hamburg. "Ich war unglaublich beeindruckt von seiner Aura und wie er dann mit geschlossenen Augen dirigierte." Doch auch hinter Lasts Erfolg stand viel musikalisches Können. Er schrieb die Noten für jedes Instrument. "Jeder Musiker weiß genau, was er zu spielen hat. Da kann nichts schieflaufen."

Seit seiner ersten Platte "Non Stop Dancing" 1965 verkaufte er mehr als 80 Millionen Scheiben - das dürfte wohl auch gelassen machen. Irgendwann habe die Plattenfirma aufgehört zu zählen, sagte er.

1967 stieg Last in den britischen Hitparaden auf, es folgten Tourneen durch Kanada, später Europa, USA und Asien. Er gewann mehr als 200 Goldene Schallplatten. 1977 trat er mit seinem Orchester im "Palast der Republik" in Ost-Berlin auf. Für die ZDF-Reihe "Das Traumschiff" schrieb er die Musik.

Er habe es geschafft, immer wieder neues Publikum zu gewinnen. Tatsächlich passt der weiche Last-Klang in den Lounge-Sound, zu dem in den Clubs gechillt wird. Pop-Größen wie RZA, Jan Delay, Herbert Grönemeyer, Tom Jones, Luciano Pavarotti, Xavier Naidoo, Nina Hagen und Till Brönner erwiesen ihm zum 75. Geburtstag eine Hommage mit der CD "They call me Hansi".

"La Bamba" und Schostakowitsch

Dass manche seine Musik "akustischen Milchbrei" nannten, juckte ihn nicht. Selbst seine Kritiker mussten Lasts musikalisches Können anerkennen. Er beschreite den kürzesten Weg zwischen "La Bamba" und Schostakowitsch, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Doch auch Schicksalsschläge blieben ihm nicht erspart. Lasts erste Frau Waltraud wurde bei einem Autounfall schwer verletzt, 1997 starb sie an Krebs. Danach heiratete er die 30 Jahre jüngere Vermögensberaterin Christine Grundner. Und dennoch: Last blickte immer nach vorne. Schönes Wetter, eine wunderbare Frau, ein erfülltes Leben - was wolle er mehr, sagte er noch im vergangen Jahr. Das Leben sei, als habe er "jeden Tag Geburtstag". So hätte auch ein Last-Album heißen können.

James Last: "Ein tolles Leben"

Hören Sie regelmäßig in die Charts rein?

Sicher, man muss sich ja orientieren, was los ist. Und es gibt da viele Titel, die auch vom Text her einiges sagen, wie etwa "Try" von Pink.

Lassen Sie uns über die Vergangenheit sprechen.
Das ist aber eine lange Zeit.

Ja, es könnte sein, dass wir da Stunden brauchen. Aber nur kurz: Trauern Sie der großen Zeit der Rundfunkorchester manchmal nach?
Das war langweilig für mich: Da geht man morgens um zehn hin, dann hat man eine Probe. Dann sind wir essen gegangen und am Nachmittag haben wir zwei Titel aufgenommen. Montags, dienstags, mittwochs, donnerstags, freitags - das war immer dasselbe. Und dann kamen die Beatles mit ihren großartigen Melodien auf. Und die waren so erfolgreich, weil sie alles selbst gemacht haben. Sie haben die Titel selbst geschrieben, selbst getextet, selbst die Musik gemacht und selbst den Verlag gemacht - alles in einer Hand. Die haben sich nicht reinquatschen lassen. Und das ist, was ich im Grunde immer zu jungen Leuten sage: Bleibt euch selbst treu, bleibt bei dem, was ihr fühlt, dann könnt ihr erfolgreich sein. Aber wenn man immer das macht, was andere sagen . . . Es gibt ja so viele Leute bei Plattenfirmen, die sagen mach dies und mach das, mach das so und nicht so. Da verliert man sich selbst. Und das ist jetzt so eine tolle Zeit ich, wo wir nicht mehr.... ich meine, ich gehe jetzt auf die Bühne und spiel das, was mir Spaß macht. Das ist ein tolles Leben.

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APA/CARSTEN REHDER
GERMANY MUSIC
epa02638914 German composer James Last performs on stage in Kiel, Germany, 17 March 2011. Last is currently on a European tour. EPA/CARSTEN REHDER
Also keine guten Erinnerungen an die Zeit mit dem NWDR-Rundfunkorchester in den 50er Jahren?
Ich habe damals sehr viel gelernt. Und das war die Zeit, wo alles länger hängen blieb. Heute ist alles so schnell vorbei. Wenn heute ein Song groß wird, wenn man ihn drei oder vier Jahre lang hört, ist das schon eine sehr lange Zeit. Ich habe gerade heute Früh meiner Frau "Wien, Wien nur du allein, sollst stets die Stadt meiner Träume sein" vorgesungen. Das ist so lange hängen geblieben. Dass es so etwas nicht mehr gibt, ist schon schade. Aber jetzt kommt ja auch im Rap eine Zeit, wo sie wieder mehr Gesangsteile, mehr Melodie dazwischen haben. Früher haben die nur Text angesagt, das waren aber schon auch tolle Rhythmen, ich hab davon auch unheimlich viel gelernt.

Und Sie haben mit Fettes Brot gearbeitet.
Die sind zu mir gekommen und haben gesagt - die hatten einen Haufen Platten von mir unterm Arm, ich wusste damals gar nicht, dass ich so viele gemacht hatte. Die hatten sie alle beim Trödler gekauft und haben gesagt, da haben wir mal die Trommel und da mal den Bass runtergenmmen. Die haben sich die Sachen zusammengeflickt und dann haben sie gesagt, können wir nicht einmal etwas zusammen machen?

Und Sie waren sofort dafür?
Ja klar. Ich hab gesagt, kommt nach Florida. Da waren die begeistert. Aber die waren schon so clever . . die kamen da nicht nur zu dritt an. Die kamen zu zwölft. Zeitung dabei, Fotograf dabei, Fernsehen dabei, die haben alles mitgebracht. Meine Frau und ich kommen zum Airport, haben gedacht, wir holen drei Leute ab und dann kommt da der ganze Tross an.

Stört es Sie, dass heute die Vermarktung der Musik so wichtig ist?
Nein, das ist schön und gut so. Wenn wir uns unterhalten, bin ich Ihnen sehr dankbar, weil wir Leute brauchen, die über unsere Shows reden, dass die Leute wissen, dass es uns noch gibt. Wir sind wie gesagt 40 Musiker auf der Bühne und haben noch 40 Leute Technik, das ist ein teures Unternehmen. Und wenn wir die Presse nicht haben, könnten wir gar nicht existieren.

Sie hatten, nachdem Sie sich mit dem James Last Orchester selbstständig gemacht hatten, eine eigene TV-Show. Mittlerweile sind Musiksendungen im Fernsehen ja . . .
Die können gar keine Musik mehr aufnehmen, live wird da gar nichts mehr gespielt, das wird immer nur Playback gemacht. Für Orchester geht nichts anderes. Und das bedauere ich absolut. Wir machen Musik, die für meine Begriffe gehaltvoll ist. Und da muss sich dann auch der Regisseur halt mal die Partitur nehmen und fragen, was haben Sie sich an der und der Stelle vorgestellt? So wie das jetzt bei Carmen Nebel ist . . . da rennt einer mit einer Handkamera um das Orchester rum und das ist auch schon alles . . . das ist kein Fernsehen.

Schauen Sie Castingshows?
Na ja, die brauche ich nicht. Aber man muss sagen, das ist auch besser geworden. Die jungen Leute werden immer besser. Und die Shows sind besser, weil zu Anfang hat man die Leute ja nur veräppelt, das war ja furchtbar. Das war ungefähr so wie das Amateurboxen im TV, das ist auch Quatsch.
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APA/STEFFEN SCHMIDT
SWITZERLAND MUSIC
epa01729770 Eighty year old German composer and bandleader James Last performs with his big band at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, 13 May 2009. EPA/STEFFEN SCHMIDT

Wen von der heutigen Szene mögen Sie außer Pink noch?
Black Eyed Peas, die fand ich toll. Rihannna und Adele, die singen live und da stehen sie voll dahinter, das sind sie. Und das andere, was in Deutschland passiert, das sind Künstler, die stehen gar nicht dahinter. Die verkaufen das von der Bühne runter, könnten aber alles andere auch verkaufen. Aber Musik muss man leben.

Wenn Sie auf diese lange Karriere zurückblicken, was . . .
Ich blicke wenig zurück, ich habe noch viel vor mir.

Und wenn doch - oder auch wenn nur für mich - woran erinnern Sie sich am liebsten?
Eine ganz tolle Sache war, dass wir vor 25 Jahren das Opernhaus von Sydney eröffnet haben. Da haben sie ein deutsches Orchester eingeladen und das waren wir. Dass Elvis den Song "Fool" von mir aufgenommen hat, war toll. Dass Puff Dady ganz höflich angefragt hat, ob er etwas von mir samplen kann, das war schon auch toll, der wollte etwas mit "Fantasy", einem Instrumentalstück von mir, machen. Und dann die Konzerte in der Royal Albert Hall in London. Wir haben auf dieser Tour dort wieder zwei Konzerte. Dann haben wir 87 Mal dort gespielt. Das hat noch keiner gemacht. Gut, man muss dazu ja auch alt werden, einer mit 20 kann das nicht gemacht haben.

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