Sopranistin Pretty Yende: Vor dem Opernball gab sie Kunstlieder
Ihre beseelte Art zu singen ließ Pretty Yende zu einer der gefragtesten Sopranistinnen an den bedeutendsten Häusern werden. Auch an der Wiener Staatsoper begeisterte sie in ihren Paraderollen wie der Violetta in Verdis „La Traviata“ oder der Marie aus Donizettis „Regimentstochter“. Am Donnerstag tritt sie mit dem Ausnahmetenor Benjamin Bernheim bei der Eröffnung des Opernballs auf.
Knapp 48 Stunden davor widmete sie sich, von Anna Marchwińska am Klavier begleitet, im intimeren Rahmen des Mozart-Saals im Konzerthaus dem Kunstlied.
Erfrischend wie die morgendliche Brise, die sie besingt, hebt Yende die „Sérénade“ aus Tschaikowskys „Six mélodies“, op. 65 an.
Mit sanftem Vibrato drückt sie in „Décéption“ die Enttäuschung über das Vergehen einer Liebe aus.
Bei allen Liedern setzt sie auf Wahrhaftigkeit. Emotionen verwandelt sie in betörende Töne. Bei Tschaikowskys Liedern verschmolz Yende russisches Melos mit dem französischen Flair der Texte. Wie sie sich zwischen Klavier und Notenständer verschanzte, wirkte sympathisch, bewies aber auch, dass sie keine großen Gesten braucht, um mit ihrem gehaltvollen Sopran Gefühle auszudrücken. Ihr innig angestimmtes „Pitié“ rührte zutiefst. Bei Rossinis „Soirées musicales“ war die Opernsängerin ganz ihrem Element. Da wurde geschmettert, geschmachtet und gelitten, Koloraturen inbegriffen.
Ihre Gestaltungskunst entfaltete sie bei Claude Debussy. Wortdeutlich intonierte sie dessen Gedicht-Vertonungen. Ihre Stimme wandelte sich, tauchte sich in gleißendes Silber. Richard Strauss muss sie sich erst erschließen. Für den Csardas der Rosalinde aus der „Fledermaus“ von Johann Strauss ließ sie den Notenständer entfernen. Da setzte sie auf die für sie typische Koketterie. Gelöst verabschiedete sie sich mit zwei Zugaben, Gershwins „Summertime“ und einem Lied von Donizetti.
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