© Museum Gugging/Sammlung Prinzhorn

Kultur
09/20/2019

Museum Gugging wird wiedereröffnet: „Echte Schätze aus dem Archiv“

Wiedereröffnung am Sonntag mit der Schau „die sammlung prinzhorn.! art brut vor der art brut“

Ein Fest der Farben und der Fantasie: Das Museum Gugging in Maria Gugging, Bezirk Tulln, präsentiert sich nach aufwendigen Umbau- und Renovierungsarbeiten in neuem Glanz – mit dem leuchtenden Stern von Johann Hauser am Gebäude und einem Café Bistro im Museum (ab 1. 10.).

Eröffnet wird am Sonntag (ab 11 Uhr) mit der Ausstellung „die sammlung prinzhorn.! art brut vor der art brut“ – 115 Kunstwerken, die Visionen und Anregungen jenseits des Normalen, Gewohnten und Üblichen vermitteln.

Museumsleiter und Kurator Johann Feilacher hat aus dem rund 5.000 Objekte umfassenden Vermächtnis des 1933 verstorbenen Psychiaters und Kunsthistorikers Hans Prinzhorn an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg viel noch nie oder nur selten Gezeigtes ausgesucht: „Echte Schätze, die zum Teil seit 1921 im Archiv schlummern – in unglaublicher Farbenfrische.“

Im Mittelpunkt der Auswahl aus „einer der wichtigsten und für die Kunst des 20. Jahrhunderts einflussreichsten historischen Sammlungen mit Kunst aus der Psychiatrie“ steht neben August Klett, bei dem Text und Bild stets eng verknüpft sind, als „Star“ und Leitfigur der Schau Else Blankenhorn.

Die 1873 geborene Tochter einer großbürgerlichen Karlsruher Familie hörte Stimmen und war überzeugt, die Gattin des deutschen Kaisers Wilhelm II. zu sein. Durch ihn sah sie sich gezwungen, Geldscheine zu produzieren, damit beerdigte Ehepaare auferstehen können.

Traumhaft visionär

Ihr feines Gespür für Farben war Inspiration für den Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner, der feststellte: „Es sind traumhaft visionäre Dinge, die hier ein krankes Hirn auf die Fläche bringt.“ Prinzhorn war der erste, der die bildnerischen Qualitäten erkannt hat und 1919 bis 1922 Werke von Patienten psychiatrischer Anstalten zusammentrug, noch ehe der Franzose Jean Dubuffet für die Bilder von psychisch Kranken, Außenseitern und Autodidakten in den 40er-Jahren den Begriff „Art Brut“ („rohe Kunst“) prägt.

Die Arbeiten berührten Alfred Kubin „stark durch ihre geheime Gesetzmäßigkeit. Wir standen vor Wundern des Künstlergeistes, die aus Tiefen jenseits alles gedanklich Überlegten heraufdämmern.“ Gugging stellt auch zehn ausgewählte „schizophrene Meister“ vor, die Prinzhorn im Buch „Bildnerei der Geisteskranken“ (1922) auflistet. Wobei es ihmnicht um psychologische Erklärungen geht, wie er schrieb, sondern um ästhetische Fragen, um eine „Wesensschau“.

Anders die Nationalsozialisten: Sie missbrauchten die Werke aus der Sammlung Prinzhorn als Vergleichsmaterial in der Ausstellung „Entartete Kunst“, um moderne Künstler zu diffamieren.

Info:

22. 9. bis 26. 1. Museum Gugging, Am Campus 2, Maria Gugging;

Di. bis So. 10–18, Winterzeit

10–17 Uhr . Info: 02243/87087

 

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